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Shakespeare im Bordell

Kleines Theater Falkensee begeistert mit Premiere von „Maß für Maß“ Shakespeare im Bordell

Rote Lampen tauchen das Kulturhaus „Johannes R. Becher“ in ungewohntes Licht an diesem Premieren-Wochenende des Kleinen Theaters Falkensee. Shakespeares „Maß für Maß“ steht auf dem Programm. Die Besucher gerieten in einen erotischen Hexenkessel aus Halbnackten auf Stöckelschuhen, Glitzerkorsagen und handfester Anmache.

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Steffi Schieferdecker (l.) und Sebastian Maihs.

Quelle: Hans-Peter Theurich

Falkensee. „Legen Sie so viel wie möglich ab – wir wissen ja alle, warum Sie hier sind!“ Kein Zweifel, das rote Licht hält, was es verspricht, das brave Wohnzimmer des Kulturhauses hat sich in ein Bordell verwandelt.

Regisseur Sebastian Eggers und Dramaturg Sebastian Maihs haben Shakespeares Stück über Moral, Schuld und Tugend ein Vorspiel in einem Wiener Puff verpasst. Das gibt den Schauspielern die Chance zum großen Tingeltangel-Theater, und offenbar haben sie Spaß daran.

Sittenwächter und Wodka for free

Christina Sellentin spielt die Chefin des Etablissements überzeugend. Mit zickigen Launen hält sie ihren Laden fest im Griff. Sie spendiert jedem Zuschauer einen Wodka, lässt sich auch mal auf dem Schoß eines Besuchers nieder und macht ihn mit einem weißen Fächer aus Straußenfedern kirre.

Das schrille Gelichter ruft die Sittenwächter auf den Plan. Schlimm trifft es Claudio (sehr gut: Jonas Wessner): Er hat ein Mädchen geschwängert. Dafür will Angelo, der Stellvertreter der Herzogin von Wien (Katharina Kusch), die Todesstrafe verhängen. Jenen Angelo gibt Sebastian Maihs, der schon zuvor mit einer Gesangseinlage als Transvestit begeisterte.

Vom Glitzerbordell zum Gerichtssaal

Dann wird das Glitzerbordell  zu einem nüchternen Gerichtssaal. Steffi Schieferdecker spielt die Isabella, die Schwester des verurteilten Claudio, sehr facettenreich. Sie setzt sich für seine Begnadigung ein. Den geschliffenen Dialog zwischen Angelo und Isabella um Schuld, Tugendhaftigkeit und Machtmissbrauch verfolgt das Publikum im gut gefüllten Kulturhaus atemlos.

Auch Zuhälter Pompejus steht vor Gericht. Mit Berliner Schnauze pendelt Gesine Falke zwischen Kutscherton und  Dackelblick. Pompejus sorgt dafür, dass das Komödiantische nicht zu kurz kommt. Dem Ensemble merkt man die Spielfreude an. Mit großem Engagement bringt es das Verwirrspiel auf die Bühne, die wie ein Laufsteg zwischen den Sitzreihen verläuft. Einige Kürzungen hätten den Schauspielern den Text aber erleichtert, zuweilen eilen sie etwas schnell durch die schöne Sprache.

Weitere Termine: Freitag, 21. und Montag, 24. November, 19.30 Uhr. Karten: (0 33 22) 32 87

Von Judith Meisner

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