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Sicherheitsstandards auf dem Prüfstand

Brandanschlag in Nauen Sicherheitsstandards auf dem Prüfstand

Der stellvertretende Havelland-Landrat Roger Lewandowski (CDU) ist nicht der Ansicht, dass man das Thema Sicherheit im Fall der abgebrannten Turnhalle in Nauen unterschätzt hat. Es habe einen Wachschutz gegeben, allerdings nicht 24 Stunden am Tag. Mit der Polizei prüft man nun die Sicherheitsstandards.

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Die Feuerwehr war noch am Vormittag vor Ort.

Quelle: Julian Stähle

Nauen. Nachdem am frühen Dienstagmorgen die Sporthalle des Nauener Oberstufenzentrums (OSZ) abgebrannt ist, sucht die Polizei fieberhaft nach den Tätern. Es wird von schwerer Brandstiftung ausgegangen. Die Halle sollte ab spätestens Mitte September für einige Zeit als Notunterkunft für etwa 100 Flüchtlinge dienen.

Mittlerweile wird diskutiert, ob eventuell die Sicherheitsmaßnahmen für die Turnhalle nicht ausreichend waren, die Tat vorhersehbar war. Denn Nauen hat in den vergangenen Monaten durch mehrere Demonstrationen gegen das Asylbewerberheim, das Anfang 2016 am Waldemardamm eröffnen soll, Schlagzeilen gemacht. Zudem haben Rechtsextreme im Februar beinahe eine Stadtverordnetenversammlung zum Abbruch gebracht. Anschläge auf die Parteibüros der Linken und der SPD in Nauen sowie Drohungen gegen den Verein Mikado kamen hinzu.

Wachschutz für Halle engagiert – aber nicht rund um die Uhr

Der stellvertretende Landrat Roger Lewandowski (CDU) ist indes nicht der Ansicht, dass man das Thema Sicherheit im Falle der Turnhalle unterschätzt habe. „Wir haben für die Halle einen Wachschutz“, sagte er. Der sei zwar nicht rund um die Uhr vor Ort gewesen, aber die Notunterkunft für Flüchtlinge habe sich auch erst im Aufbau befunden. Betten und andere Ausstattung fehlten noch. Lediglich die Sanitärcontainer stehen bereits auf dem Gelände. In den schon belegten Heimen gäbe es jedoch einen 24-Stunden-Wachschutz. „Gleichwohl werden wir das aber zum Anlass nehmen, um kurzfristig gemeinsam mit der Polizei zu schauen, ob man die Sicherheitsstandards noch verbessern kann“, so Lewandowski. Dies gelte sowohl für belegte Heime als auch für Baustellen von geplanten Einrichtungen oder für künftige Notunterkünfte wie die auf dem Essilor-Gelände in Rathenow.

Bürgermeister Detlef Fleischmann (SPD) hält Vorwürfe für fehl am Platz. „Der Wachschutz war vor Ort, die Polizei hat es bestreift. Schuld sind die Kriminellen, die das Feuer gelegt haben“, sagt er.

Viele Bürger in Nauen schockiert

Viele Bürger in Nauen zeigten sich schockiert über die nächtlichen Vorfälle. „Das ist furchtbar, wir sind bestürzt“, sagte ein Ehepaar. „Ich bin nur froh, dass die Schule noch nicht wieder angefangen hatte und niemand zu Schaden gekommen ist“, meinte eine Mutter, die ihren Namen wie die meisten nicht in der Zeitung lesen will – aus Angst vor möglichen Übergriffen der Rechten. Beim Friseursalon in der Mittelstraße war der mutmaßliche Brandanschlag Gesprächsthema Nummer eins. „Die Kunden reden sehr viel darüber“, berichtete die Angestellte Susann Woita. Viele befürchteten, dass es nicht die letzte derartige Tat gewesen sein könnte. „Das macht auch mir Angst“, so Woita.

Intensive Diskussionen im Oberstufenzentrum

Vereinzelt gab es jedoch auch andere Meinungen. Sie habe sich über das Feuer gefreut, sagte eine junge Frau, weil dadurch die Turnhalle „denen“ – also den Asylbewerbern – erst einmal nicht zur Verfügung steht. Dabei verkannte sie aber, dass nun auch die Schüler des OSZ ohne Sporthalle da stehen. „Dafür habe ich absolut kein Verständnis“, sagte eine andere Nauenerin. Jeder dürfe seine Meinung sagen – „aber doch nicht so!“ Wie so viele befürchtete auch sie, dass die Stadt durch den Brand einen großen Imageschaden erlitten hat. Allerdings habe man damit fast schon rechnen müssen, meinte eine andere. „Es hat sich angedeutet“, sagte sie – und verwies auf die Demonstrationen, die Anschläge auf das Büro der Linken und das Auto vom Verein Mikado.

Gegenüber der abgebrannten Turnhalle befindet sich der Leonardo-da-Vinci-Campus. In einem Rundschreiben verurteilte Geschäftsführerin Irene Petrovic-Wettstädt den mutmaßlichen Brandanschlag als „menschenverachtend und mit unserem Leitbild unvereinbar“. Den Lehrern legte sie nahe, den ersten Schultag am kommenden Montag zu nutzen, um eine intensive Diskussion zum Thema Asyl zu beginnen.

Vermehrt Sicherheitskräfte einsetzen

Nicht nur in Nauen, auch anderswo saß der Schock am Dienstag tief. „Wir fühlen mit den Nauenern“, sagte Dallgows Bürgermeister Jürgen Hemberger (Freie Wähler). Einige der Flüchtlinge, die übergangsweise in die Turnhalle einziehen sollten, wären später in die Unterkunft in Dallgow gezogen. „Das waren also künftige Bürger unserer Gemeinde“, so Hemberger. Er regte an, die Sicherheitsdienste an den Asylbewerberheimen künftig schon während der Bauphase einzusetzen. Die Entscheidung darüber trifft allerdings der Landkreis.

Am Dienstagabend fand anlässlich des Brandanschlages eine Mahnwache demokratischer Kräfte am Standort des künftigen Asylbewerberheimes am Waldemardamm statt.

Von Andreas Kaatz und Philip Häfner

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