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Sie gaben einem jungen Flüchtling ein Zuhause

Falkensee Sie gaben einem jungen Flüchtling ein Zuhause

Seit einem Jahr lebt der 18-jährige Ahmad aus Syrien bei einer Gastfamilie in Falkensee (Havelland). Der junge Flüchtling und seine Gasteltern bewältigen gemeinsam die Herausforderungen des Alltags. Das Zusammenleben klappt gut, aber natürlich gibt es hier und da auch kulturelle Unterschiede zu bewältigen. Eine Zwischenbilanz.

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Tanja Klaka-Tauscher, der 18-jährige Ahmad und Detlef Tauscher.

Quelle: Laura Sander

Falkensee. Ganz gelöst und mit einem breiten Grinsen sitzt Ahmad zwischen Tanja Klaka-Tauscher und ihrem Mann Detlef Tauscher. Gemeinsam scherzen das Falkenseer Ehepaar und der 18-jährige Syrer – sie kennen sich gut, haben in den vergangenen zwölf Monaten miteinander gelebt, gelacht, aber auch viele Missverständnisse aus der Welt geschafft.

Ein Zuhause in der Fremde

Familie Tauscher hat Ahmad vor rund einem Jahr aufgenommen und dem damals noch minderjährigen Flüchtling ein Zuhause gegeben. Ahmads Eltern und Geschwister leben derzeit in der Türkei, dorthin waren sie vor Krieg und Zerstörung in ihrer syrischen Heimatstadt Al-Rakka geflohen. „Ich habe jeden Tag über Facebook Kontakt zu meiner Familie, besonders vermisse ich meine Mutter“, sagt Ahmad.

Vor etwa anderthalb Jahren kam der 18-Jährige gemeinsam mit seinem ältren Bruder über Griechenland nach Deutschland, lebte zunächst im betreuten Wohnen auf dem Gelände des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in der Ruppiner Straße, bevor er seine Gasteltern kennenlernte. „Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits einige Monate in der Falkenseer Willkommensinitiative aktiv. Wir haben die Entscheidung Ahmad aufzunehmen mit der ganzen Familie getroffen“, so Tanja Klaka-Tauscher, die nach dem Okay ihrer drei erwachsenen Kinder ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und geeignete Räumlichkeiten vorweisen musste. „Das finde ich richtig so. Schließlich soll der Jugendliche in geordneten Verhältnissen untergebracht werden“, so Detlef Tauscher.

Pilotprojekt startete 2016

Dafür sorgt Ingo Zinnitz, Leiter des Gastfamilien-Projektes, das derzeit zwölf Geflüchtete zwischen 14 und 18 Jahren in zehn Familien betreut. „2016 ist das Pilotprojekt gestartet. In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und der Willkommensinitiative ist das Projekt schnell und erfolgreich angelaufen - viele Menschen waren bereit zu helfen“, so Zinnitz. „Durch die Gastfamilien haben die Jugendlichen optimale Möglichkeiten in die deutsche Kultur einzutauchen. Sie finden sich schneller zurecht“, sagt der Projektleiter, der Familie Tauscher gemeinsam mit ASB-Betreuer Gianluca Musillo im Alltag unterstützt.

„Ohne ihre Hilfe hätten wir das nicht geschafft. Arzt- und Behördengänge, Nachhilfeunterricht und Botschaftsfragen – wir konnten uns immer auf den ASB verlassen“, so Detlef Tauscher, der, wie auch seine Frau, voll berufstätig ist. „Das war für Ahmad anfangs eine gewaltige Umstellung. Nach der Schule war er oft alleine, das war er aus seiner Zeit in Syrien, der Türkei und im betreuten Wohnen nicht gewohnt. Er hat sich mittlerweile damit arrangiert und stürzt sich auf seine Hausaufgaben“, sagt Tanja Klaka-Tauscher.

Denn nicht nur seine Gasteltern achten auf seine Noten. Auch seine Mutter hat aus der Ferne immer ein Auge auf ihren Sohn. Und stimmen die Noten nicht, gibt es auch schon mal eine klare Ansage am Telefon.

Mathe ist sein Lieblingsfach

Gleich beim ersten Kennenlernen habe es zwischen Gastkind und der Falkenseer Familie gefunkt, erinnern sich die Tauschers, obwohl sich Ahmads Deutschkenntnisse damals noch in Grenzen hielten. Heute besucht Ahmad die 9. Klasse des Falkenseer Lise-Meitner-Gymnasiums. Mathe zählt zu seinen Lieblingsfächern, derzeit lernt der 18-Jährige fleißig für seine Versetzung. „Ich habe drei Jahre lang in der Türkei gelebt – dort hatte ich nicht die Möglichkeit zur Schule zu gehen. Langsam hole ich auf“, so der 18-Jährige, der Medizin studieren möchte. Während eines zweiwöchigen Praktikums als Krankenpfleger konnte er jetzt in den Alltag im Spandauer Waldkrankenhaus hineinschnuppern.

Dank an Projektbeteiligte

Danke sagen, wollen die Gastkinder nun mit einer Aktion in der Falkenseer Herlitz-Siedlung. Am 12. Mai beseitigen sie hier ab 15 Uhr Wildschweinschäden in der Hegelallee.

Zum großen ASB-Sommerfest am 15. Juli sind dann auch alle am Projekt beteiligten Lehrer, Ärzte, Friseure und weitere Akteure eingeladen.

Und wenn Ahmed mal nicht über seinen Büchern sitzt, spielt er leidenschaftlich gerne Handball oder trifft seine Schulfreunde. „Das Problem am Wochenende ist nur, dass fast alle Alkohol trinken. Ich trinke nicht und manchmal ist das schon sehr merkwürdig, als Einziger nüchtern zu sein“, lacht der Syrer.

Für eine Freundin habe der 18-Jährige gerade keine Zeit – zu wichtig sei ihm die Schule. Gerne kocht Ahmad für seine Gastfamilie - Fladenbrot gehört für ihn zu jedem guten Essen. „Schweinefleisch haben wir eigentlich komplett von unserem Speiseplan gestrichen – keine große Umstellung für uns“, so Gastvater Detlef Tauscher.

Von Laura Sander

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