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Sieben Frauen helfen Opfern im Havelland

Tag der Kriminalitätsopfer Sieben Frauen helfen Opfern im Havelland

Gewaltverbrecher landen im besten Fall vor Gericht und anschließend im Gefängnis. Was aber passiert mit den Opfern und deren Angehörigen? Auch nach 40 Jahren Opferhilfe durch den Weißen Ring gibt es noch viel zu tun, das wurde bei einem landesweiten Treffen am Dienstag in Rathenow deutlich.

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Renate Wegener (3.v.l.), Leiterin der Außenstelle Havelland des Weißen Rings, mit ihren Helfern

Quelle: Ch. Schmidt

Rathenow. Rund 10 000 Straftaten werden pro Jahr im Havelland verzeichnet. Zwischen 260 und 290 dieser Delikte sind Gewalttaten, rund 500 fallen in den Bereich der Wohnungseinbrüche. Hinter jeder dieser Taten stehen Opfer. Um diese kümmert sich seit 40 Jahren der Weiße Ring, seit 1993 ist der Verein auch im Land Brandenburg aktiv. Allein im letzten Jahr betreuten die sieben ehrenamtlichen Helfer der Außenstelle Havelland 82 Opfer von Kriminalität und Gewalt.

Am Dienstag, dem Tag der Kriminalitätsopfer 2016, lud der Weiße Ring zum landesweiten Treffen nach Rathenow ein. Im Saal der Musikschule in der Alten Mühle kamen Vertreter aus Politik, Kommunen, Polizei und Mitarbeiter sowie ehrenamtliche Helfer des Weißen Rings zusammen. Jürgen Lüth, ehemaliger Polizeipräsident und seit 1996 Landesvorsitzender des Weissen Rings Brandenburg, eröffnete die Veranstaltung.

„Die Politik reagiert ja oft nur auf Druck“

„Opfer brauchen die Hilfe im Stillen“, mahnte Landrat Burkhard Schröder in seinem Grußwort. Wie andere Redner an diesem Tag auch wählte er sowohl kritische als auch selbstkritische Worte: „Die Politik reagiert ja oft nur auf Druck. Man muss die richtigen Leute zur richtigen Zeit überzeugen.“ Recht, Rechtssprechung und Rechtsvollzug müssten noch stärker miteinander in Einklang gebracht werden.

Polizeidirektor Lutz Gündel, Leiter der Polizeiinspektion Havelland, machte in seinen Ausführungen deutlich, dass er die Forderung des Weißen Rings, den Präventionsauftrag der Polizei ganz konkret ins Gesetz zu schreiben, unterstützt. Noch wichtiger sei es ihm aber, dass dieser Präventionsgedanke auch in der Praxis von jedem Mitarbeiter gelebt wird. „Für besonders wichtig halte ich zudem Ihre Forderung nach der personellen Aufstockung. Früher waren sechs Mitarbeiter im Havelland für den gesamten Bereich Prävention zuständig, heute sind es nur noch zwei. Das ist nicht zu schaffen“, machte Gündel deutlich.

Renate Wegener leitet die Außenstelle Havelland

Die Gesetzesänderung zu Gunsten der Opfer und die Stellenausstattung müsse mit der Politik verhandelt werden, erklärte Gündel und fragte anschließend direkt: „Wann kommen die Stellen?“. Dabei hatte er Barabara Richstein im Blick, die ebenfalls unter den Gästen war. Richstein sitzt seit 1999 für die Christdemokraten im Landtag und ist seit 2014 stellvertretende Landesvorsitzende des Weißen Rings Brandenburg.

Die Außenstelle Havelland des Weißen Rings leitet seit 2013 Renate Wegener. Sie ist eine von sieben Helferinnen, die sich hier ehrenamtlich um Kriminalitätsopfer kümmern. In einem Erstgespräch nimmt sie sich allen Opfern an, die sich an den Weissen Ring wenden. Das geschieht oft in enger Zusammenarbeit mit der Polizei. „Natürlich muss auch das Opfer und müssen die Angehörigen bereit sein, die Hilfe anzunehmen“, macht Wegener deutlich.

Wunsch nach Traumaambulanzen

Den Helferinnen wird viel Fingerspitzengefühl und Geduld abverlangt. Sie stehen Betroffenen nicht nur seelisch und moralisch zur Seite, sie leisten auch sehr viel bürokratische Unterstützung. Die geschulten Helfer begleiten die Opfer so lange, wie diese Hilfe benötigen, gehen unter anderem mit ihnen den oft schweren Weg bis zur Gerichtsverhandlung und helfen beim Beantragen von Unterstützungsleistung. „Sie helfen ohne auf die Uhr zu schauen“, hatte eine Betroffene in einem Dankesschreiben an Renate Wegener formuliert. Tatsächlich ist die Unruheständlerin 24 Stunden erreichbar und unermüdlich im Einsatz.

Was sie sich von der Politik erhofft? „Das wir hier vor Ort Traumaambulanzen einrichten, das wäre mein Wunsch“, sagt Renate Wegener. Schließlich bräuchten Opfer sofort Hilfe und nicht erst nach Wochen oder Monaten. „Und ich wünsche mir, dass viele Opfer den Mut haben, mich anzurufen.

Von Christin Schmidt

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