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Skandalgrundstück wird neu bebaut

Rathenow Skandalgrundstück wird neu bebaut

In der Rathenower Goethestraße 36 entsteht ein Mehrfamilienhaus. Der Ort ruft Erinnerungen wach an einen der größten Skandale der Nachwendezeit: Vor mehr als zehn Jahren wurden an dieser Stelle in einer Nacht- und Nebelaktion zwei schöne Gründerzeithäuser abgerissen. Die Bürgerschaft lief gegen diesen Frevel Sturm.

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Das Grundstück in der Goethestraße 36 wird bebaut.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Der Bau von Wohnungen in der Rathenower Innenstadt boomt: Die Arbeit an den Stadtvillen auf dem ehemaligen Zieten-Areal in der Schopenhauerstraße geht rasant voran, die Vermarktung der Baugrundstücke im Karree Große Burgstraße/Baderstraße ist angelaufen und in der Goethestraße 36 wird ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen gebaut. Die vorbereitenden Arbeiten dort haben bereits begonnen. Und wie man die bauausführende Firma kennt, wird es bis zur Fertigstellung nicht ewig lange bauen.

Die besagte Fläche in der Goethestraße ist übrigens nur auf den ersten Blick ein Baugrundstück wie jedes andere. Wer genauer hinschaut und die bauliche Entwicklung der letzten anderthalb Jahrzehnte Revue passieren lässt, der wird schnell feststellen, dass dieses Grundstück in der Goethestraße 36 Ausgangspunkt eines handfesten Skandals war. Der liegt mittlerweile mehr als zehn Jahre zurück – doch die Debatten, die damals über Wochen hinweg die politische Debatte in der Stadt bestimmten, gehören zum heftigsten, was die Stadt Rathenow erlebt hat.

In einer Nacht- und Nebelaktion hatte die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft im Frühjahr 2006 mit dem Abriss von zwei Gründerzeithäusern in der Goethestraße – die Nummern 35 und 36 – begonnen. Das Perfide an dieser Aktion war, dass sie völlig ohne Abstimmung erfolgte. Bürgermeister Ronald Seeger gab an, von dem Abriss der historischen Häuser durch die städtische (!) Gesellschaft völlig überrascht worden zu sein. Die Mitglieder des KWR-Aufsichtsrates redete sich damit heraus, dass der Abriss unvermeidbar gewesen sei – obwohl Experten die Bausubstanz als grundsolide eingeschätzt hatten.

Das Infrastrukturministerium des Landes reagierte mit einer scharfen Protestnote und drohte damit, die Abrissförderung für die Stadt Rathenow zurückzufahren. Der damalige KWR-Chef Hans-Joachim Richter versuchte den von ihm verantworteten Abriss der historischen Häuser mit dürren Worten zu rechtfertigen – und machte dabei eine denkbar schlechte Figur.

In der Bevölkerung löste dieser gesamte Vorgang einen Proteststurm aus, wie man ihn in Rathenow selten erlebt hat. In Leserbriefen, auf Sitzungen, bei Diskussionen wurden die Verantwortlichen hart attackiert – Konsequenzen hatte das alles nicht. Die Häuser wurden abgerissen, die Verantwortlichen blieben trotz massiver Rücktrittsforderungen in Amt und Würden.

Mittlerweile ist Gras über die Sache gewachsen. Die KWR, die unter der Führung von Hartmut Fellenberg aus der Krise geführt wurde und weit entfernt ist von derartigen Skandalen, hat das Grundstück bereits vor längerer Zeit veräußert. Seit April wird auf dem eingezäunten Areal gearbeitet. Auf der Baustellentafel ist zu erkennen, dass sich der Neubau an der vorhandenen historischen Nachbarbebauung orientiert.

Von Markus Kniebeler

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