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Skepsis gegenüber geplanter Traglufthalle

Debatte um Flüchtlingsunterbringung in Brieselang Skepsis gegenüber geplanter Traglufthalle

Brieselanger Bürger, aber auch Gemeindevertreter hadern mit dem Vorschlag des Kreises, im Ort eine Traglufthalle für 300 oder mehr Flüchtlinge zu errichten. Dies seien zu viele auf engem Raum, so der Tenor. Die Politiker betonten, dass man Flüchtlinge aufnehmen wolle, besser aber in kleineren Einheiten.

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Viele Brieselanger waren zur Gemeindevertretersitzung gekommen.

Quelle: Andreas Kaatz

Brieselang. Gut gefüllt war am Mittwochabend das Foyer der Robinson-Grundschule in Brieselang. Auch wenn klar war, das sich die Turnhalle ein paar Meter entfernt vom Sitzungsort nun doch nicht als Notunterkunft für Flüchtlinge eignet: Viele Brieselanger wollten von den Gemeindevertretern und der Verwaltung wissen, wie es mit der Unterbringung von Asylbewerbern in der Gemeinde weitergeht. Sie wollten auch ihre Befürchtungen äußern.

Ein großer Teil des Publikums kam aus dem Bereich Langestraße/Wiesenweg. Dort will der Landkreis nun auf einem Kirchenareal eine Traglufthalle als Übergangslösung errichten. Ein Jahr, möglicherweise auch noch zwei weitere könnten dort 300 oder auch mehr Flüchtlinge unterkommen. Viel zu viele, war der überwiegende Tenor. Eine Brieselangerin, die nahe dem Standort wohnt äußerte, sie habe kein gutes Gefühl, wenn dort so viele Leute auf engstem Raum zusammengepfercht werden und nichts zu tun haben. „Ich würde mir mehr Verständnis für die Ängste der Bürger wünschen“, sagte sie. Ein anderer, der nach eigener Aussage auch am Treffen der Willkommensinitiative vor einer Woche teilgenommen hatte, will nicht ausschließen, dass sich auch eine Anwohnerinitiative bildet. Der Standort an der Langen Straße widerspreche allen Maßstäben, die bisher an die Unterbringung von Flüchtlingen angelegt worden seien. Und ob es baurechtlich in einem reinen Wohngebiet zulässig ist, da habe er auch seine Zweifel. „Nicht jeder, der Kritik äußert, gehört gleich zu den Leuten, die Turnhallen anzünden“, äußerte er in Richtung Podium.

Bürgermeister Wilhelm Garn (CDU) wiederum versuchte deutlich zu machen, dass die Gemeinde keinen Einfluss auf die Standortentscheidung habe. Dies sei vielmehr eine Sache des Landkreises. „Ich war zu keinem Gespräch eingeladen, wo über Standorte diskutiert wurde“, meinte er. Denn auch weitere Flächen seien im Gespräch gewesen. Kritik an der Informationspolitik des Landkreises äußerte Christian Achilles, BFB-Fraktionschef. „Ich bin empört darüber, dass uns der Landkreis nur nebenbei sagt, dass er sich für eine Fläche entschieden hat.“ Allerdings ändere das nichts daran, dass man Flüchtlinge aufnehmen will. Jedoch sei BFB dafür, diese eher in kleineren Einheiten unterzubringen, an verschiedenen Standorten. Ähnlich äußerten sich auch andere Fraktionen, darunter die IBB. „Menschen in einer Turnhalle unterzubringen ist unmenschlich, in einer Traglufthalle ist es noch unmenschlicher. Da bekomme ich Gänsehaut“, sagte Michaela Belter. Sie ist zudem der Ansicht, dass die Gemeinde dem Landkreis mit dem Beschluss für eine Willkommensinitiative einen Freibrief ausgestellt habe.

Michael Koch CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag und in der Gemeindevertretung, bat um Verständnis für die Linie des Landkreises. Angesicht der immer wieder nach oben geschraubten Flüchtlingszahlen komme man nicht mehr hinterher. Bis Ende des Jahres werden es wohl mehr als 2000 sein, die der Landkreis unterzubringen hat. Und das sei aufgrund der geringen Zeit nur mit Großunterkünften zu bewältigen. „Es geht darum, Nothilfe zu leisten“, so Koch, der einräumt, dass es durchaus Probleme geben kann, etwa mit der Lautstärke.

Zu fortgeschrittener Stunde, als schon viele Besucher die Sitzung verlassen hatten, berichtete Heike Swillus (Die Linke) von ihren Erfahrungen. „Man kann nicht sagen, dass wir nicht wissen, wovon wird reden“, reagierte sie auf Kritik aus dem Publikum. Heike Swillus war für ein paar Wochen als Krankenschwester in Eisenhüttenstadt, in einer Einrichtung, wo nur junge Männer aus Syrien waren. Manche seien traumatisiert, aber es habe keinerlei Probleme gegeben. So halte sie eine Traglufthalle für eine Übergangszeit für in Ordnung.

Am 25. September führt die Gemeinde mit dem Landkreis in der Zebraa-Grundschule eine Bürgerversammlung zur Flüchtlingsproblematik durch. Am 30. September soll in der Gemeindevertretersitzung ein Beschluss zum Thema verabschiedet werden.

Von Andreas Kaatz

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