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Was schwebt denn da am Plattenbau?

Skulptur Gerhard Göschels ziert die Fassade des sanierten KWR-Blocks Was schwebt denn da am Plattenbau?

Die Fassade des frisch sanierten Plattenbaus der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Rathenow (KWR) in der Berliner Straße 67 ist seit Dienstag um ein glanzvolles Element reicher – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Stahlskulptur, die der Zollchower Künstler Gerhard Göschel geschaffen hat, funkelt und glänzt bei Sonneneinstrahlung wie ein Edelstein.

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Gerhard Göschel auf dem Dach in der Berliner Straße 67 vor dem Ausläufer seiner neuen Skulptur Aufwind II. Im Hintergrund zu erkennen: Die Skulptur Aufwind I an der Fassade des einstigen Lederecks.

Quelle: M. Kniebeler

Rathenow. Die Fassade des frisch sanierten Plattenbaus der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Rathenow (KWR) in der Berliner Straße 67 ist seit Dienstag um ein glanzvolles Element reicher – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Stahlskulptur, die der Zollchower Künstler Gerhard Göschel geschaffen hat, funkelt und glänzt bei Sonneneinstrahlung wie ein Edelstein.

Aufwind II lautet der Titel der Skulptur. Die Nummerierung deutet darauf hin, dass es ein Werk geben muss, das AufwindI heißt. Gibt es. Schräg gegenüber, an der Fassade des ehemaligen Lederecks in der Berliner Straße, brachte Göschel vor gut einem Jahr eine stählerne Skulptur an, welche die Strenge des kompakten Wohnblocks auf spielerische Art attackiert. Ein filigranes Band rankt sich in elegantem Schwung an der Wand empor. So, als strebe, nein als schwebe es, in einer ewigen Bewegung dem Himmel zu.

Dieses Motiv hat Göschel in der neuen Skulptur aufgenommen. Und variiert. Das Material ist das gleiche, Federstahl-Edelstahl, nur dass Göschel statt eines senkrechten Bandes zwei parallele senkrechte Bänder an die Hauswand gebracht hat. Ein drittes, kürzeres Band, ragt über die Dachkante hinaus in den Straßenraum und ist so ausgerichtet, dass sie die Blicke über die Straßenkreuzung zur Partnerskulptur auf der gegenüberliegenden Straßenseite zieht. Er habe die beiden Skulpturen von Anfang an als Einheit konzipiert, so Göschel. Zwar habe Aufwind I auch als eigenständiges Werk funktioniert. Aber erst jetzt, nach Herstellung der Beziehung zu der Skulptur an der gegenüberliegenden Fassade, sei die Arbeit komplett.

Zur Person: Gerhard Göschel

Gerhard Göschel wurde 1940 in Wiener Neustadt (Österreich) geboren, wuchs in Franken auf, studierte Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, an der Städelschule in Frankfurt und an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin.
Seit 2000 lebt und arbeitet Gerhard Göschel auf dem Galm bei Zollchow. Der liebevoll restaurierte Dreiseitenhof wird regelmäßig zum Ort der kulturellen Begegnung. Bei den „Galmer Hofkulturen“ werden neben Göschels Arbeiten auch die Werke anderer Künstler gezeigt. Die nächste Galmer Hofkultur, es ist die 10. Auflage, findet am 6. September statt.
Kartenverkauf (10 Euro) und Reservierung im Kulturzentrum Rathenow unter Tel.  03385/519051.

Die Installation am Dienstag war der Endpunkt eines langen kreativen Prozesses. In seinem Atelier auf dem Galm bei Zollchow hat Göschel seit Anfang des Jahres an den Bändern gearbeitet. Was an der Hauswand so luftig-leicht anmutet, nahm den Platz der gesamten Werkstatt in Anspruch: Immerhin ist jedes der Bänder gut sechs Meter lang.
In Auftrag gegeben wurde die Arbeit von KWR-Chef Hartmut Fellenberg. Es gehe darum, die Leute neugierig zu machen, sie für ein paar Sekunden aus ihrem gewohnten Trott zu reißen – so hatte er vor einiger Zeit seine Intention beschrieben. Alles sei besser als die lähmende Gleichgültigkeit, der man so oft begegne. Ob das Kunstwerk am Ende auf Zustimmung oder Ablehnung stoße, das sei nicht entscheidend. Wenn sich jemand Gedanken mache, dann sei das wichtigste Ziel schon erreicht.

Gerhard Göschel, für den Kunst im öffentlichen Raum kein Neuland ist, weiß um das Spannungspotenzial solcher Arbeiten. Wenn man ein Bild male, und ein Liebhaber kaufe einem das ab, dann sei das eine einfache, harmonische Angelegenheit. Bei Kunst im öffentlichen Raum setze man sich immer auch dem Urteil jener Menschen aus, denen das Werk nicht gefalle. Darin bestehe für ihn der Reiz einer solchen Arbeit. „Die Menschen sollen denken, was sie wollen. Aber sie sollen denken.“ Dass am Ende eines solchen Denkprozesses nicht immer Zustimmung steht, das hat Göschel jüngst in Premnitz erfahren. Sein Vorschlag für ein Kunstwerk an der Steinbogenbrücke wurde von den Premnitzer Volksvertretern heftig diskutiert. Von „interessant“ bis „erschreckend“ reichten die Kommentare. Im September wollen die Stadtverordneten darüber abstimmen, ob die Skulptur installiert wird oder nicht. „Natürlich würde es mich freuen, wenn sich eine Mehrheit für mein Kunstwerk ausspricht“, sagt Göschel. „Wenn nicht, komme ich damit auch zurecht.“

Von Markus Kniebeler

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