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Havelland So entsteht aus Teebeuteln Kunst
Lokales Havelland So entsteht aus Teebeuteln Kunst
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10:19 27.03.2018
Für Matthias Rinne ist sein Wohnzimmer zugleich Atelier. Hier sitzt er an einem großen Holztisch und bringt filigrane Pinselstriche auf Teebeutel auf. Quelle: Christin Schmidt
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Gülpe

Ein großer, massiver Holztisch Marke Eigenbau, da drauf verschiedenste hauchdünne Papierstreifen, filigrane Pinsel, eine Farbpalette und etwas Wasser. Matthias Rinne taucht den Pinsel in das kräftige Rot und lässt den Pinsel mit ruhiger Hand geduldig über den rauen, fast durchsichtigen Papierstreifen fahren. Dabei folgt er mit dem Pinsel der Maserung des bräunlich gefärbten Streifens, den er auf ein weißes Blatt Papier geklebt hat.

„Das war vermutlich Rooibos-Tee“, sagt Rinne. Damit meint er nicht das Getränk in seiner Tasse, sondern das Papier unter seiner Hand – ein Teebeutel, getrocknet und auseinandergefaltet. Hunderte, nein Tausende hat Matthias Rinne in seinem Leben schon gerettet, um sie einer neuen Bestimmung zuzuführen.

Der 59-Jährige verarbeitet sie in seinen Skulpturen, in großformatigen, abstrakten Bildern oder rückt einen einzigen Teebeutel in den Mittelpunkt eines A4 Blattes und stellt dessen Individualität mit Pinselstrichen und Farbe heraus.

Diese bunten Bilder, waren einst Teebeutel. Mit Farbe, genauem Blick und präzisem Pinselstrich hat Matthias Rinne sie in abstrakte Bilder verwandelt. Quelle: Christin Schmidt

Wer sich mit dem Werk des gebürtigen Westfalen Matthias Rinne beschäftigt, trinkt seinen nächsten Tee vermutlicher bewusster und wird sicher auch den ausgedienten Teebeutel nicht einfach achtlos entsorgen.

Wie er auf den Teebeutel kam, daran kann sich Matthias Rinne nicht mehr erinnern. Er weiß nur, er arbeitet schon seit Jahrzehnten damit und hat inzwischen auch andere für diesen ungewöhnlichen Gestaltungsgegenstand begeistern können. So auch seine Partnerin Annette Wiecken, die Fotos auf getrockneten Teebeuteln druckt.

Seit drei Jahren erholen sich die beiden am Wochenende in Gülpe vom Leben in Berlin. Am liebsten würden sie nur noch in Gülpe wohnen, wäre da nicht noch der Job in Berlin. „Wenn die Verbindung besser wäre, könnten wir uns gut vorstellen zu pendeln“, sagt Rinne.

Kunst im Einklang mit der Dorfgemeinschaft

Matthias Rinne lebt seit April 2014 an den Wochenenden mit seiner Partnerin Annette Wiecken in Gülpe im Ländchen Rhinow.

Beide leben sich in dem Dorf auch künstlerisch aus und lassen die Menschen ihrer Wahlheimat daran teilhaben.

An Ostern beteiligen sich die beiden wieder an einem kreativen Nachmittag im Gemeindehaus.

Auch eine Ausstellung in Gülpe können sie sich gut auszustellen.

Am Samstag, den 5. Mai lädt das Künstlerpaar interessierte Gäste zum Tag des offenen Ateliers ein.

Seit 41 Jahren ist er nun schon an der Spree zu Hause. Aufgewachsen ist er in Porta Westfalica. In Bielefeld ließ er sich mit 14 Jahren zum Farblithographen ausbilden, bevor er nach Berlin zog. Wie so viele junge Bundesbürger wollte er durch den Umzug, dem Wehrdienst umgehen.

Etwa zehn Jahre arbeitete er als Lithograph, gestaltete Plakate und Bücher. Rinne bewegte sich in der Künstlerszene Berlins und musste dabei zu sehen, wie seine Profession Dank der Digitalisierung zusehends an Bedeutung verlor.

„An Bild- und Textbearbeitungen, für die sie heute drei Stunden brauchen, haben wir damals eine Woche gesessen“, erinnert sich Matthias Rinne. Er musste sich entscheiden: Entweder mit der Digitalisierung mitgehen oder etwas anderes machen.

Er entschied sich für Letzteres, holte das Abitur nach und meldete sich zum Studium an der Hochschule der Künste an. Rinne schrieb sich für Bildende Kunst ein, belegte dazu die Fächer Kunsttherapie und Pädagogik. „20 Semester habe ich studiert, das ging damals noch“, erzählt er und über sein Gesicht huscht ein Lächeln, in dem sich Erinnerungen an die Studentenzeit widerspiegeln.

Am Wochenende erholt sich Matthias Rinne vom Großstadtleben in seinem Haus in Gülpe. Das Wohnzimmer ist Ausstellungs- und Wirkungsstätte zugleich. Quelle: Christin Schmidt

Nach dem Studium arbeitete Matthias Rinne in der Museumspädagogik, begleitete Projekte an problemorientierten Schulen, machte Straßentheater in Polen. Er reiste mit Architekten zu Olympia nach Peking, um Penthäuser auszugestalten, und ließ sich auch noch zum Ergotherapeuten ausbilden. „Ich habe alles mögliche gemacht, was sich eben so angeboten hat.“

Mit der Geburt seines Sohnes 2005 änderte sich sein Leben – privat und beruflich. Matthias Rinne gründete das Atelier „imPerfekt“, als Teil der Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Ein neuer Abschnitt, der sein künstlerisches Schaffen nachhaltig prägte, begann.

Das ungewöhnliche Atelier beschreibt er als eine Art soziale Plastik, ein Kommunikationsort, in dem etwa 30 Menschen mit Behinderung zum Teil an gemeinsamen, zum Teil an eigenen Werken arbeiten.

„Es ist unwahrscheinlich interessant für einen bildenden Künstler mit diesen Menschen zu arbeiten. Ihre Wahrnehmungsebene, Motivation und Kreativität sind sehr spannend und inspirierend. Im Grunde habe ich viel mehr von ihnen gelernt, als sie von mir“, sagt Matthias Rinne.

Mit feinen Pinseln bearbeitet Matthias Rinne getrocknete Teebeutel. Quelle: Christin Schmidt

Wenn er von seinem Leben und seinen Erfahrungen spricht, dann stets ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu schieben. Ihm geht es immer um die Sache, nicht um den Künstler oder das einzelne Werk. Standardfragen nach Ausstellungen sind ihm unangenehm.

„Natürlich könnte ich sagen: Überall wo ich hingereist bin, habe ich ausgestellt. Südamerika, China, Indien, Osteuropa. Aber dabei komme ich mir ein bisschen blöd vor. Mit ist es wichtig zu sagen, dass ich immer unabhängig von Galerien und Ausstellungen arbeiten konnte.“

Sich als Künstler einzumischen und soziale Verantwortung zu tragen, ist ihm wichtiger als das Auflisten bestimmter Stationen in der eigenen Vita. Eine Einstellung, die offenbar mit denen der alteingesessenen Gülper gut harmoniert.

Statt benutzte Teebeutel in den Müll zu werfen, sammelt Matthias Rinne sie. Nach dem Trocknen entfernt er den Inhalt und verarbeitet das dünne Papier in seinen Kunstwerken. Quelle: Matthias Rinne

In dem Dorf mitten im Sternenpark Westhavelland fühlt sich Matthias Rinne wohl. Hier kommt es nicht auf das Oberflächliche an, sondern auf das Zwischenmenschliche – und das gefällt ihm. „Wohnen und Arbeiten, das ist bei uns eins“, sagt Matthias Rinne und deutet auf Skulpturen, Bilder, Collagen, Fotografien und verschiedenste Arbeitsmaterialien, die in dem lichtdurchfluteten Wohnzimmer verteilt sind.

„Es ist eine irrige Annahme, dass man erst kreativ sein kann, wenn man ein Atelier hat“, erklärt der 59-Jährige während er am großen Küchentisch sitzt und sich auf den Teebeutel konzentriert, der als solcher längst nicht mehr zu erkenne ist.

Mal breitet er hier den Inhalt des Staubsaugers aus, mal arbeitet er mit Asche. Für Rinne sind Dinge, die andere wegschmeißen Gestaltungsmaterialien. Dabei gibt nicht sein Kopf vor, was entsteht. Vielmehr schaut er hin, und geht dem nach, was das Material vorgibt.

Anders ist das bei seinen Skulpturen, die aus Holzmehr formt. Ihnen liegt ein Thema zugrunde, dass ihn bewegt. „Gülpe sei der perfekte Ort, um diese Ideen umzusetzen“, sagt Matthias Rinne.

Der Künstler Matthias Rinne erholt sich am Wochenende vom Großstadtleben in Gülpe und lässt hier seiner Fantasie freien Lauf in dem er unter anderem aus Teebeuteln Kunstwerke schafft. Quelle: Christin Schmidt

Von Christin Schmidt

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