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Havelland So kann man Scherben in Kunst verwandeln
Lokales Havelland So kann man Scherben in Kunst verwandeln
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19:35 12.03.2018
Zufrieden wirken und leben im Havelland: Claudia Kunert ist Mosaikkünstlerin aus Falkensee. Quelle: Hans-Peter Theurich
Falkensee

Scherben ziehen die Mosaik-Künstlerin Claudia Kunert magisch an. Ihr Atelier in Falkensee ist voll davon: Stapel von Tellern, eine Henkel-Sammlung in Einmachgläsern, Säcke mit Poltergeschirr vom Flohmarkt. Das ist der Rohstoff, aus dem die gebürtige Berlinerin ihre Kunstwerke zaubert.

Claudia Kunert verwandelt allerlei Scherben aus Glas und Keramik in Kunstwerke. Dabei entstehen oft besondere Eindrücke und Perspektiven.

Seit zwei Jahren lebt Claudia Kunert in Falkensee. Zuvor wohnte sie mit ihrer Familie, sie hat drei Söhne, in Frankfurt am Main. Dort begann ihre Leidenschaft für zerbrochenes Porzellan. Und dort gestaltete sie zwei U-Bahnhöfe. Die Station Heddernheimer Landstraße erschließt den Stadtteil Riedberg mit Neubauten, viel Natur und einem Forschungszentrum der Universität.

Diese Einflüsse fotografierten Claudia Kunert und ihr Mann Willi Kunert. Daraus entwickelte sie Mosaik-Paneele für die U-Bahnstation. Die einzelnen Teile der Wandgestaltung fertigte die Künstlerin in ihrem Atelier, später wurden sie an Ort und Stelle montiert.

U-Bahn-Stationen in Frankfurt am Main

Der zweite U-Bahnhof ist die Oberurseler Station Weißkirch Ost: „Ich mag sehr gern Silhouetten, das sieht man auf großen Bildern“, sagt Claudia Kunert. Die großen Mosaike entstanden in ihrer Frankfurter Werkstatt mit 60 Quadratmetern Grundfläche.

Ein bisschen trauert sie dem Studio mit den großen Schaufenstern nach. „Das kleine Atelier im Einfamilienhaus in Falkensee hat auch seine Vorteile. Ich kann ungestört arbeiten. In Frankfurt hatte ich ein Ladenatelier, wenn jemand kam, musste ich meine Arbeit unterbrechen“, tröstet sie sich.

Stationen ihres Schaffens

Claudia Kunert, in Berlin geboren, studierte von 1980 bis 1984 an der Fachschule für Werbung und Gestaltung Berlin.

Von 1992 bis Ende 2015 lebte sie in Frankfurt am Main. Mit der Mosaikkunst setzt sie sich seit 1994 auseinander.

Seit 2005 ist Claudia Kunert freischaffend als Mosaik-, Mixed-Media-Künstlerin und Designerin tätig.

In Falkensee lebt sie seit 2016.

Mehr über ihre Arbeit erfährt am auf www.scherbenzauber.de

Die Verwendung von Porzellanscherben unterscheidet sie von vielen ihrer Kollegen, den anderen Mosaik-Künstlern. Sie benutzt nur selten die bunten Würfelchen aus undurchsichtigem Glas. Mit diesen traditionellen Smalti oder Tesserae gestalteten italienische Mosaizisten die Kirchen in Ravenna und den venezianischen Markusdom zu magisch funkelnden Räumen.

Claudia Kunert entwickelte im Laufe der Jahre eine Mixed-Media-Technik, also eine Mischtechnik. Dafür verwendet sie einerseits Scherben von ganz normalem Porzellan in Kombination mit Glas. Ihre Formen schneidet sie zu aus großen Glasplatten, wie sie auch für die Tiffany-Technik hergestellt werden. „Das eindrucksvoll leuchtende Glas hat die Fähigkeit, Licht zu reflektieren und zeigt auch auf große Entfernungen sehr klare Farben“, sagt die Künstlerin.

Ideal für ein hippes Café

Auf ihrer Internetseite „Scherbenzauber“ heißt eine Rubrik „Kunst mit Gebrauchswert“, das sind Fliesen, Spiegelrahmen, Schalen oder Gefäße. Claudia Kunerts Prunkstück ist die Tischplatte „Valparaiso“: Ein Mosaik in Form einer kunterbunten Schnecke ziert einen Metalltisch, geschmiedet in Marokko. Ideal für ein hippes Café in Berlin-Mitte oder für eines dieser geschmackvoll eingerichteten Boutique-Hotels, die immer beliebter werden. Und weil die bunte Schnecke so paradiesisch schön wirkt, kann man sie auch auf Taschen bedruckt bekommen.

Im Wohnzimmer der Kunerts steht eine Bodenvase ganz in Weiß, Tellerränder strukturieren das Gefäß. Dazwischen bringen Deckel von Zuckerdosen, kleine Henkel von Milchgießern und große von Kaffeekannen Witz in die Sache. Ein weißer Frosch aus Porzellan krabbelt über die Scherben, an einer Seite haben sich noch mehr winzige Figürchen versammelt, Geschenke der Galeristin Annett Schneeweiß – Falkenseerinnen versorgen einander mit Material.

Wanderausstellung der Deutschen Organisation für Mosaikkunst

Mindestens genauso gern arbeitet Claudia Kunert frei. Sie beteiligte sich an der Wanderausstellung der Deutschen Organisation für Mosaikkunst, in der sie Mitglied als Freie Künstlerin ist. Ihr Beitrag zum Ausstellungsthema „Weniger ist mehr“ war ein Blick in einen Fleischerladen, überquellend mit Jagd- und Leberwürsten, Bauchfleisch, Schinken.

Wie das Blut der geschlachteten Tiere, tropft rote Farbe über die weißen Fliesen im Bild. Claudia Kunerts beißend ironischer Titel „Hauptsache billig“. Im Text dazu zitiert sie die englische Zeitung „The Guardian“, die 2005 schrieb: „Die industrielle Tierhaltung ist eines der größten Verbrechen der Menschheit“.

Berliner Fachschule für Werbung und Gestaltung

Die Künstlerin liebt die Herausforderung, sich einem Thema zu stellen, es theoretisch zu behandeln und eine Konzeption zu entwickeln. Da hilft ihr das Studium an der Berliner Fachschule für Werbung und Gestaltung in den achtziger Jahren.

Claudia Kunert nimmt regelmäßig an Ausschreibungen teil. Das neueste Projekt ist eine Ausstellung in Holland, zum Thema „Wir sind Nahrung“, für die sie gerade einen Beitrag entwirft. Überall stehen rosa Glasplatten – man ahnt, wohin die Reise geht. Ein anderes Projekt hat sich gerade ergeben: Eine Steinmetzin regte sie vor Kurzem an, Grabmäler mit Mosaik zu gestalten.

Rathaus im chilenischen Valparaiso

Schon fast ein Abenteuer war ihr Auftrag, gemeinsam mit internationalen Mosaik-Künstlern eine Wand des Rathauses im chilenischen Valparaiso zu gestalten. Noch heute schwärmt sie von den leuchtenden Keramik-Scherben in Südamerika. „Aus der herrlich chaotischen Stadt stammt die Inspiration für die Tischplatte Valparaiso“, sagt die umtriebige Frau.

Auf ihrer Website liest sich die Erinnerung an den Arbeitsaufenthalt wie ein sehr persönlicher Reiseführer mit Zitaten des chilenischen Literaturnobelpreisträgers Pablo Neruda.

Die traumhafte Grotte von Niki de Saint Phalle

Wenn sie reist, dann bestimmen berühmte Mosaike meist das Ziel: Mit ihrem Mann Willi Kunert fuhr sie nach Venedig. Im eher bodenständigen Hannover bewunderten sie die traumhafte Grotte von Niki de Saint Phalle in den Herrenhäuser Gärten. „Mein Mann hat so viele Fotos gemacht, dass die Museumsleute schon argwöhnisch wurden. Mich interessiert halt alles, die Technik, die Farben, die Mosaiksteine“, berichtet die Künstlerin lachend.

Für Claudia Kunert hat sich das Sprichwort „Scherben bringen Glück“ ganz materiell bewahrheitet. Wer schon immer ein Mosaik herstellen wollte, hat dazu ab 9. April in der Volkshochschule Havelland Gelegenheit. Claudia Kunert leitet in Falkensee einen Kurs zum Thema Glasmosaik.

Am 5. und 6. Mai nimmt sie an den offenen Ateliers teil und freut sich schon heute auf Besucher.

Von Judith Meisner

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