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So kommt der Lesestoff ins Dorf

Havelland So kommt der Lesestoff ins Dorf

Sieben hauptamtliche und 16 nebenamtliche Bibliotheken gibt es im Havelland. Monika Lenz und Melanie Elamri von der Kreisbibliothek sorgen regelmäßig dafür, dass den Menschen in den Städten und Dörfern der Region der Lesestoff nicht ausgeht. Mit dem Kofferraum voll Bücher machen sie sich auf den Weg, um die Wünsche der Leser zu erfüllen.

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Roswitha Piritz (l.) und Karin Schlldt freuen sich über neuen Lesestoff für ihre Kunden.

Quelle: Christin Schmidt

Havelland. Bibliothekare verbringen den ganzen Tag zwischen verstaubten Regalen und stecken die Nase nur in Bücher. Von wegen! Martina Lenz, Leiterin der Kreisbibliothek Havelland, und ihre Kollegin Melanie Elamri sind regelmäßig auf Achse. Den Kofferraum voll mit Bücherkisten beliefern sie alle Bibliotheken in der Region. „Wir kennen das Havelland inzwischen richtig gut“, erzählt Martina Lenz während sie auf die erste Bücherstube zusteuert.

Drei Bibliotheken im Westhavelland wird sie an diesem Tag mit neuem Lesestoff versorgen. Als Erste darf Monika Schmok ihre Regale in dem liebevoll eingerichteten Raum im Stechower Gemeindehaus auffüllen. „Die Polnische Ostseeküste“, ein Backbuch, ein Kinderbuch von Max Moor und einiges mehr haben Martina Lenz und ihre junge Kollegin mitgebracht. Vieles davon sind Wünsche der knapp 60 Leser, die diese Einrichtung nutzen.

Die Stechower lesen gern und viel

Fast 1000 Entleihungen verzeichnete Monika Schmok im letzten Jahr – die Stechower sind fleißige Leser. Dafür sorgt nicht zuletzt die 70-Jährige Ehrenamtlerin, die jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr die Bücherstube öffnet, Kaffee kocht, die Leser begrüßt und berät. Hin und wieder bringt jemand Kekse mit, man unterhält sich, tauscht sich über das Gelesene aus.

„Es ist eine Begegnungsstätte und in erster Linie nutzen Frauen das Angebot. Einige nehmen auch Bücher für ihre Männer mit“, verrät Monika Schmok. Besonders freut sie sich, dass die Kita alle vier Wochen zu Gast ist und die Kinder mit Begeisterung Bücher ausleihen. Sie selbst ist eigentlich keine typische Leseratte. Die Arbeit mache ihr einfach Spaß und sie freut sich, dass sie dem Dorf etwas Gutes tun kann.

Monika Schmok hat Freude an der Arbeit in der Bibliothek

Monika Schmok hat Freude an der Arbeit in der Bibliothek. Fast 1000 Bücher gab sie 2016 an ihre Leser aus.

Quelle: Christin Schmidt

Eine ähnliche Motivation treibt auch Roswitha Piritz und Karin Schildt an. Die beiden übernahmen im vergangenen Jahr die mit rund 1600 Medien ausgestattete Bibliothek in Hohennauen. Drei Jahre lang war die Einrichtung in der Grundschule geschlossen, weil sich kein Nachfolger für Ursula Smyczek fand. Über 30 Jahre führte Smyczek die Bibliothek, bis sie das Ehrenamt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste.

Nun können die Hohennauener wieder jeden ersten und dritten Montag im Monat von 16 bis 18 Uhr in den Regalen stöbern. Krimis, Romane, Sach- und Kinderbücher – auch hier ist das Angebot vielfältig. „Nur wird es leider noch zu wenig genutzt“, bedauert Roswitha Piritz. Es sind vor allem Kinder, die die beiden Frauen in der Bibliothek begrüßen. Von 74 Lesern sind nur 18 Erwachsene, darunter nicht ein einziger Ruheständler.

Die Bibliotheken im Havelland

Sieben hauptamtliche Bibliotheken gibt es im Havelland.

Dazu gehören die Kreisbibliothek und die Stadtbibliothek in Rathenow, die Bibliotheken in Premnitz, Nauen, Falkensee, Brieselang und Dallgow-Döberitz.

Dank zahlreicher Ehrenamtler können außerdem 16 nebenamtliche Bibliotheken betrieben werden.

Im Westhavelland werden die Bürger in Stechow, Hohennauen, Großderschau, Rhinow, Bahnitz, Großwudicke, Milow, Vieritz und Zollchow mit Lesestoff versorgt.

Alle Lesestuben im Westhavelland werden von Frauen geführt.

Kreisbibliotheksleiterin Martina Lenz betreibt in ihrer Freizeit zudem die Bibliothek in Großwudicke

Um das zu ändern, veranstalten die beiden Ehrenamtlerinnen regelmäßig Lesungen für die Schul- und Kitakinder, die sehr gut ankommen. Und auf dem Dorffest hatten sie zudem einen Bücherstand aufgebaut, doch das Interesse war verschwindend gering.

Martina lenz (M) packt die neue Ware aus, die von Roswitha Piritz (r) und Karin Schildt interessiert begutachtet wird

Martina lenz (M.) packt die neue Ware aus, die von Roswitha Piritz (r.) und Karin Schildt interessiert begutachtet wird.

Quelle: Christin Schmidt

Ganz anders sieht es in Milow aus, der letzten Station die Martina Lenz an diesem Tag besucht. Hier öffnet Ursula Eismann seit zwölf Jahren die Bibliothek, die inzwischen im Gutskomplex untergebracht ist und mehr als 6000 Medien bereithält. Dank der Arbeit von Martina Lenz und Melanie Elamri wechselt auch hier das Angebot ständig. Die Bibliotheksleiter notieren die Wünsche ihrer Leser und die beiden Mitarbeiterinnen der Kreisbibliothek versuchen diese zu erfüllen. Besonders gefragt sind Krimis und historische Romane, das ist in allen Lesestuben ähnlich.

Mit rund 80 Lesern ist die Milower Bibliothek eine sehr gefragte Einrichtung. Einige Nutzer kommen aber inzwischen nur noch selten, weil sie sich mit Hilfe der Onleihe – das Angebot der Kreisbibliothek im Internet – neuen Lesestoff besorgen. Genug zu tun hat Ursula Eismann dennoch. Zum Beispiel wenn an einem Tag 20 Leser in der Tür stehen. In Milow ist das keine Seltenheit, freut sich Martina Lenz.

Sie weiß, ohne das Engagement der Ehrenamtler würde es die vielen kleinen Bibliotheken nicht mehr geben. Und oftmals gehe die Arbeit weit über das übliche Maß hinaus. Einige Bibliotheksleiterinnen bringen Lesern, die schlecht zu Fuß sind, die Bücher nach Hause oder holen auch schon mal ein Exemplar direkt aus Rathenow ab, so dass die Nutzer nicht warten müssen. All das sei keine Selbstverständlichkeit. Im Gegenteil, das Havelland ist was die Versorgung mit Büchern angeht, eher eine Ausnahme, so Lenz.

Unruheständlerin Ursula Eismann öffnet seit zwölf Jahren die Bibliothek in Milow

Unruheständlerin Ursula Eismann öffnet seit zwölf Jahren die Bibliothek in Milow. Mehr als 6000 Medien stehen hier zur Auswahl.

Quelle: Christin Schmidt

Von Christin Schmidt

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