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So war der Unterricht vor 100 Jahren

Großderschau So war der Unterricht vor 100 Jahren

Der Heimatverein Großderschau hat am Freitagabend auf dem Kolonistenhof einen Historikerabend zum Thema „Die Schulen der Kolonien Friedrichs II.“ veranstaltet. Eine Lehrerin und Schüler in historischen Kostümen zeigten, wie der Unterricht vor 100 Jahren war. Anschließend folgten mehrere Vorträge.

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Schüler aus Rhinow und Neustadt/Dosse gestalteten mit Nicole Jahn als Lehrerin eine Unterrichtsstunde wie vor 100 Jahren.
 

Quelle: Norbert Stein

Großderschau.  Für einen Historikerabend „Die Schulen der Kolonien Friedrichs II.“ hatte am Freitag der Heimatverein Großderschau aus seinem Museumsfundus alte Schulbänke und ein Lehrerpult in die Remise auf dem Kolonistenhof geholt. „Wir können gespannt sein“, macht der Leiter des Historikerzirkels Manfred Rogge die rund 60 Besucher neugierig auf eine Unterrichtsstunde wie vor 100 Jahren in der Dorfschule von Friedrichsbruch (heute Großderschau), während schon deutlich das Klappern alten Schuhwerks zu hören ist.

Willi fehlt in der Schule – er muss beim Treiben der Rinder helfen

Tim, Janike, Julian, Anny und Iven aus den 5. Klassen der Grundschulen Rhinow und Neustadt/Dosse kommen in Pantinen. Sie sind in historische Kostüme gekleidet. Ihre Lehrerin für den Abend, Nicole Jahn, trägt eine streng wirkende Brille. Das Haar hat sie zum Dutt gebunden und unter dem Arm hat sie einen Rohrstock. „Guten Morgen, Frau Lehrerin“, sagen die Kinder und setzen sich in die Bänke. Die Lehrerin ruft zur Anwesenheitskontrolle die Namen auf. Willi fehlt. Die Lehrerin schaut auf das Pult, wo ein Entschuldigungszettel der Eltern liegt. Willi könne nicht zum Unterricht kommen, weil drei Rindviecher zu treiben sind, haben die Eltern geschrieben. So war es früher üblich, wenn die Kinder zu Hause bei der Landwirtschaft helfen mussten.

Der Unterricht beginnt. Die Lehrerin lässt die Kinder Rechenaufgaben lösen und ein Gedicht aufsagen. Ein Junge bekommt von ihr wegen Ungehorsams fünf Stockhiebe auf den Hintern. Bevor der Unterricht zu Ende ist, singen die Kinder ein Lied und bekommen von der Lehrerin als Hausaufgabe aufgetragen, das Gedicht „Herr Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ zu lernen.

Anita Schmock, Manfred Rogge und Fritz Schulze halten Vorträge

Die Unterrichtsstunde ist eingebettet in Vorträge von Anita Schmock, Manfred Rogge und Fritz Schulze vom Historikerzirkel des Heimatvereins zur Geschichte der Schulen Altgarz, Rübehorst und Friedrichsbruch, die auf Anordnung Friedrichs II. im 18. Jahrhundert eingerichtet wurden. Der Historikerzirkel hat ihre Geschichte erforscht und so können die Vortragenden auch Schülerzahlen, Lehrer, Schulorte und Unterrichtsinhalte benennen. Sie berichten, dass zumeist Schneider den ersten Unterricht abhielten. Fritz Neye trägt aus der Schulchronik von Ernst Hamisch vor, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Lehrer in Friedrichsbruch unterrichtete.

1773 bekam Friedrichsbruch eine Schule. Unterrichtet wurde zunächst in einem Haus an der Landstraße, ab 1789 in einer Schule mit Rohrdach, dem heutigen Kolonistenmuseum. 1946 wurden in der Schule 162 Schüler unterrichtet. Neben dem Unterricht mussten die Schüler in jenen Jahren auch Brennholz für die Schule sammeln und Seidenraupen züchten. Auch Kartoffelkäfer sammeln gehörte zu ihren Aufgaben. 1972 wurde die Schule Friedrichsbruch geschlossen, in Altgarz und Rübehorst endete sie schon einige Jahre zuvor.

Von Norbert Stein

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