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So will die Politik Flüchtlinge in Arbeit bringen

Geflüchtete im Havelland So will die Politik Flüchtlinge in Arbeit bringen

Weniger als 40 Gäste interessierten sich für die zweite öffentliche Diskussion zum Thema Flüchtlinge. Dieses Mal stand die Integration in den Arbeitsmarkt im Fokus. Im Gespräch mit Unternehmern und Vertretern aus Politik und Verwaltung wurde deutlich: Viele Hürden erschweren den Weg. Flüchtlingsberaterin Karin Hopfmann hatte erschreckende Beispiele parat.

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Jaqueline Kaminsky stellte ein Konzept zur Integration von Flüchtlingen vor.

Quelle: Ch. Schmidt

Rathenow.
Mehr als 80 interessierte Bürger folgten im Februar der Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung zur ersten öffentlichen Diskussionsrunde in der havelländischen Kreisstadt zum Thema Flüchtlinge. Am Donnerstagabend saßen keine 40 Gäste im Blauen Saal des Kulturzentrums. Die SPD-nahe Stiftung hatte zur Folgeveranstaltung geladen, so wie es Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (SPD), Ideengeber der Veranstaltung, versprochen hatte.

Doch offenbar interessierten sich nur noch wenige. Das könnte damit zu tun haben, dass weniger Flüchtlinge ins Land kommen. Oder hatten sich die Rathenower wenig von einer weiteren Veranstaltung erhofft? Die Einladung erweckte zumindest den Anschein, als würde es eine Wiederholung geben und keine weiterführende Diskussion. Dabei stand dieses Mal ein neues Thema im Fokus: Die Integration in den Arbeitsmarkt.

Positive und negative Erfahrungen mit Behörden

Darüber diskutierten unter anderem Dennis Granzow, Arbeitsdezernent des Landkreises Havelland, Kathrin Fredrich, Leiterin des IHK Regional Center Brandenburg an der Havel – Landkreis Havelland und Karin Hopfmann von der Überregionalen Flüchtlingsberatungsstelle. Rund 4000 potenzielle Klienten betreut Hopfmann als einzige Fachberaterin für die Landkreise Havelland und Ostprignitz-Ruppin. Am Donnerstag berichtete sie von ihren Erfahrungen. Sie ärgert sich zum Beispiel über Sätze wie: „Das passt nicht in mein Formular.“ Oder: „Wer nicht deutsch spricht, kommt bei mir nicht in den Computer.“ Auch die Tatsache, dass Vermittlungsgespräche im Jobcenter nicht in Englisch geführt werden, kritisiert sie. „Und wir wollen anderen etwas beibringen?“, fragte Hopfmann.

Positive Erfahrungen hat dagegen Hans-Joachim Drews, Geschäftsführer der Safe Wachschutz GmbH gemacht. 90 vom Jobcenter vermittelte Bewerber hat das Unternehmen in den letzten Monaten qualifiziert und eingestellt, darunter einige mit Migrationshintergrund sowie ein Flüchtling. „Die Zusammenarbeit verlief sehr unkompliziert, eingefahrene Wege wurde verlassen, es gab ein großes Entgegenkommen“, lobte Drews. Nur so sei es möglich gewesen, den rasant gestiegenen Personalbedarf zu decken.

Bald rund 1300 Leistungsberechtigte

Drews würde die Zusammenarbeit gern fortsetzen um gezielt Flüchtlinge für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Immerhin bekommen von den rund 1900 Asylbewerbern, die der Landkreis in den letzten 14 Monaten aufgenommen hat, mittlerweile rund 650 Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch. Granzow rechnet damit, dass in kurzer Zeit weitere 800 dazu kommen.

Längst nicht immer ist bei der Integration in den Arbeitsmarkt mangelnde Qualifikation das Problem. Vermittlungen würden zum Teil schon daran scheitern, dass Profile potenzieller Arbeitnehmer vom Jobcenter nicht korrekt erfasst werden, so Hopfmann. Dass eine studierte Ingenieurin, die seit 2012 im Asylbewerberheim in Rathenow lebt und fließend deutsch spricht nach einem Jahr Praktikum im Altersheim fragt, ob sie auch was anderes tun könne, schockiert die Flüchtlingsberaterin: „Was für Kompetenzen verschenke wir?“

Auch Hartmut Fellenberg, Geschäftsführer der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Rathenow beteiligte sich an der Diskussion und wies darauf hin, dass Integration in den Arbeitsmarkt nur funktionieren kann, wenn genügend Wohnraum vorhanden ist. Genau daran würde es aber mangeln. „Die Situation wurde vom Land falsch eingeschätzt. Unsere Kapazitäten sind erschöpft“, macht Fellenberg deutlich und eröffnete damit ein neues Problemfeld, das in einer nächsten Diskussionsrunde Thema sein soll.

Von Christin Schmidt

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