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Havelland Hier ist die Kirche auch kulturelles Zentrum
Lokales Havelland Hier ist die Kirche auch kulturelles Zentrum
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16:01 22.02.2018
Pfarrer Hardy Enseleit (l.) und Jürgen Schindler-Clausner, Vorsitzender des Förderkreises der Stadtkirche, arbeiten eng zusammen, um das Gotteshaus in Rhinow zu beleben. Quelle: Christin Schmidt
Rhinow

Einen offiziellen Namen hat das stolze, weiße Gotteshaus, das mitten in Rhinow die Häuser der Kleinstadt überragt, nicht. Sie wird einfach Stadtkirche Rhinow genannt. Das würde auch völlig genügen, meint Hardy Enseleit, Pfarrer der Kirchengemeinde Ländchen Rhinow.

Anders als zum Beispiel die Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow hat die Rhinower Kirche in unmittelbarer Nähe keine Konkurrenz. Verwechslungen sind also ausgeschlossen. Und den Rhinowern gefällt der Name Stadtkirche ohnehin sehr gut, weist er doch deutlich auf das Stadtrecht des Ortes hin.

300 Menschen sind in der evangelischen Kirche aktiv

Rund 1600 Menschen leben in dem Städtchen zwischen Fernsehturm und Rhin. Etwa 300 von ihnen sind Mitglied der evangelischen Kirche, schätzt Hardy Enseleit. „Das sind nicht gerade viele, aber es entspricht in etwa dem landesweiten Durchschnitt“, so der Pfarrer. Immerhin sei die Tendenz – anders als noch vor ein paar Jahren – steigend.

Die Abwanderungswelle nach der Wende habe auch die Kirche zu spüren bekommen. Während viele junge Menschen der Heimat den Rücken kehrten, um sich in den neuen Bundesländern eine Existenz aufzubauen, bröckelte zusehends der Putz am Gotteshaus.

Sieben Jahre lang war die Stadtkirche eine Baustelle

Es dauerte einige Jahre, bis die Menschen im neuen System ihren Platz gefunden hatten und sich wieder verstärkt in die Gesellschaft einbrachten. Inzwischen kommen einige sogar wieder in ihre Heimat zurück. In Rhinow ist dieser Wandel seit ein paar Jahren zu spüren und er macht auch nicht vor der Kirche halt.

2002 schlossen sich engagierte neue und alteingesessene Rhinower zusammen, um Geld für die Sanierung der Orgel zu sammeln. Sie gründeten einen Förderverein und warben um Unterstützung. „Wir stellten recht schnell fest, dass sich die Bürger einbringen und auch Unternehmer bereit sind, uns zu helfen. Es gab eine breite Akzeptanz. Das hat uns ermutigt“, erinnert sich Jürgen Schindler-Clausner, der Vorsitzende des Förderkreises Stadtkirche Rhinow.

Sanierung des Gotteshauses war ein Mammutprojekt

Beflügelt vom Erfolg wagte sich der Verein in enger Zusammenarbeit mit dem Gemeindekirchenrat an die Sanierung des Gotteshauses. Ein Mammutprojekt, dass auch die Unterstützung des Landes und zahlreicher Sponsoren erforderte.

Konzerte, Theater und Führungen in der Rhinower Kirche

Von April bis Oktober soll die Rhinower Stadtkirche wieder an einem Wochenende im Monat für Besucher geöffnet sein.

Außerdem plant der Fördervereine verschiedene Veranstaltungen.

Am 21. April spielt die Band Paternoster in der Rhinower Kirche.

Schüler der Otto-Lilienthal-Grundschule führen am 15. Juni das Stück „Der kleine Prinz“ in der Kirch auf.

Die Coverband Harry Belafonte gibt am 17. Juni ein Konzert in der Stadtkirche.

Zum Tag des offenen Denkmals am 8. September will der Förderverein in diesem Jahr auch einen Chor einbeziehen.

Am 16. September spielt das Dresdener Trompetenquartett in der Kirche.

Der Architekt Doktor Achim Krekeler aus Brandenburg/Havel nahm das Bauwerk 2003 genauer unter die Lupe und erstellte einen umfangreichen Sanierungsplan. Sieben Jahre lang begleitete der Fachmann die schrittweise Erneuerung, die knapp 600 000 Euro kostete.

Kirche hat den größten Anteil selbst bezahlt

„Den Löwenanteil stemmte die Kirche selbst, also die Landeskirche, der Kirchenkreis und die Kirchengemeinde“, berichtet der Pfarrer. Er selbst kam kurz nach der großen Abschlussfeier im Sommer 2010 nach Rhinow und übernahm den Kirchenkreis von Pfarrer Helge Kraft, der sich in den Ruhestand verabschiedet hatte.

Zahlreiche Gäste hatten zum feierlichen Abschluss der Sanierung bei strahlendem Sonnenschein eine Menschenkette um das gesamte Gotteshaus gebildet. „Ein Band von Hand zu Hand um das gesamte Bauwerk mit großer Symbolkraft“, erinnert sich Jürgen Schindler-Clausner mit glänzenden Augen.

Die Kirche ist Mittelpunkt des gemeinschaftlichen Lebens im Ort

Ein Bild, das zeigt, die Kirche gehört in Rhinow zum gesellschaftlichen Leben dazu und ist mehr, als nur das Gotteshaus mitten im Ort. Die Mitglieder des Fördervereins organisieren Konzerte sowie Lesungen und laden regelmäßig zu Führungen ein.

Die Ökumenische Theatergruppe belebt die Kirche jedes Jahr aufs Neue mit Aufführungen und auch der 800. Geburtstag der Kleinstadt wurde unter anderem mit einer Festveranstaltung im Gotteshaus gefeiert.

Als Schlagersängerin Ute Freudenberg im Buga-Jahr vor dem Altar ein Konzert gab und für ein ausverkauftes Haus sorgte, zeigten sich viele erstaunt und freudig überrascht. Dass ein solches Konzert überhaupt in der Kirche stattfinden kann, hatte so mancher Rhinower gar nicht für möglich gehalten.

Die Rhinower sollen gern in ihre Kirche kommen

„Dabei war die Rhinower Kirche auch schon vor meiner Zeit sehr offen“, betont Hardy Enseleit. Rhinow habe mit Helge Kraft, Markus Steinlein und anderen sehr umtriebige, toughe und offene Pfarrer gehabt. „Die Kirche ist heute nicht offener als früher, es wird nur heute scheinbar anders wahrgenommen“, meint Enseleit.

Dass sich hier zunehmend Menschen engagieren, die sich nicht mit dem christlichen Glauben identifizieren, wohl aber mit der Kirche ihres Heimatortes, ist insbesondere den Mitgliedern des Fördervereins zu verdanken. „Wer uns unterstützen möchte, muss kein Glaubensbekenntnis ablegen“, betont Jürgen Schindler-Clausner, der selbst Katholik ist.

Motivation soll weiter aufrecht erhalten bleiben

Das große Ziel, das Gotteshaus zu erneuern, trieb Jürgen Schindler-Clausner und seine Mitstreiter viele Jahre an. Nun gilt es, diese Motivation weiter aufrechtzuerhalten.

„Jetzt geht es in erster Linie um die Erhaltung und Nutzung des Hauses. Die spektakulären Abschnitte haben wir gemeistert. Nun müssen wir die Menschen weiterhin in die Kirche locken“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Er möchte genau wie Pfarrer Enseleit, dass die Stadtkirche belebt wird und dass die Rhinower gern hier herkommen.

Von Christin Schmidt

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