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Havelland Sogar in Indien aß man Zucker aus Nauen
Lokales Havelland Sogar in Indien aß man Zucker aus Nauen
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08:24 28.10.2014
Das Eingangsgebäude der Zuckerfabrik ist erhalten geblieben. Quelle: Tanja Marotzke
Nauen

Auch auf Postkarten der damaligen Zeit war die Fabrik abgebildet, von der heute allerdings nur noch wenige Gebäude erhalten geblieben sind, unter anderem das Haupthaus am Bredower Weg, von dem aus die Geschicke des Werks ein Jahrhundert lang geleitet wurden.

Die ersten Pläne zum Bau einer Zuckerfabrik hatte es sogar schon 1882 gegeben. In einem Zeitungsartikel im Osthavelländischen Kreisblatt vom 9. September 1882 wurde die Hoffnung ausgesprochen, dass der Zuckerrübenanbau in der Nauener Region größeren Umfang annehmen möge und zur Verarbeitung eine Fabrik nötig sein könnte. Ab 1883 befassten sich die Stadtverordneten mit dem Thema, fünf Jahre später, am 28. Dezember 1888, wurde von örtlichen Industriellen, Großbauern und Rittergutsbesitzern eine Aktiengesellschaft gegründet. Das Gründungskapital betrug eine Million Reichsmark.

Für die Produktion brauchte man anfangs viele Arbeitskräfte. Quelle: Nauener Heimatfreunde

Der Schnee lag noch, als die Bauarbeiten für die neue Fabrik begannen. Grund für die Eile war die Konkurrenz aus Ketzin, die ebenfalls eine Zuckerfabrik errichten wollte. Die Ketziner wähnten sich wegen der Havel-Anbindung eigentlich im Vorteil, doch der gute Rübenboden gab letztlich den Ausschlag für Nauen. 1901 gründeten die Ketziner dann zwar doch noch eine eigene Zuckerfabrik, doch schon vier Jahre später wurde diese von den Nauenern aufgekauft. Das Aktienkapital wurde zu diesem Anlass auf vier Millionen Reichsmark erhöht, womit die Nauener Zuckerfabrik zu den größten Unternehmen ihrer Art in Deutschland zählte. Zum Eigentum der Firma gehörten damals auch noch die Sena-Werke in Seegefeld, die dortigen Kraftfutterwerke sowie die Rittergüter in Bredow und Neukammer.

Zuckerrohrlieferungen aus Übersee blieben aus

Möglich gemacht wurde das alles durch den Machthunger Napoleons. Knapp 100 Jahre zuvor, Anfang des 19. Jahrhunderts, hatte der französische Kaiser weite Teile Europas erobert und eine Wirtschaftsblockade über Großbritannien verhängt, weshalb die Zuckerrohrlieferungen aus Übersee ausblieben. Als Alternative wurden bald überall in Europa Zuckerrüben angebaut, aus denen sich ebenfalls Zucker gewinnen lässt. Erste Zuckerfabriken entstanden, auch in Nauen.

Alternative "Zuckerrüben"

Im ersten Jahr wurden 31.000 Tonnen Rüben verarbeitet. Damit diese leichter von den Feldern zur Fabrik transportiert werden konnten, wurde ab Frühjahr 1893 eine neue Eisenbahn gebaut, die Rübenbahn der Osthavelländischen Kreisbahnen von Ketzin nach Nauen. Im Oktober 1893 wurde auf der Strecke der Güterverkehr aufgenommen, acht Wochen später folgte der Personenverkehr für die vielen Erntehelfer.

Zucker in allen Varianten

Rohrzucker stammt aus dem Saft des Zuckerrohrs.
Rübenzucker wird aus dem Saft der Zuckerrübe gewonnen.
Ahornzucker gewinnt man aus dem Saft des Zuckerahorns.
Rohzucker heißt nicht gereinigter Zucker aus Zuckerrohr oder -rüben, der braun gefärbt und oft klebrig ist.
Weißzucker ist eine durch Auswaschen (Affination) aus Rohrzucker hergestellte Sorte. häf

In den Anfangsjahren wurden in der Zuckerproduktion nur wenige Maschinen eingesetzt, die Arbeiter mussten schuften. Reich wurden damit nur die wenigen, die wissenschaftlich ausgebildet waren, die sogenannten Zuckerbeamten. Für einfache Angestellte gab es 1890 einen Lohn von 15 Pfennigen pro Stunde, für Frauen sogar nur 7 Pfennige. Zum Vergleich: Ein Kilo Zucker kostete im Laden damals 55 Pfennige.

Die Fabrik war eine Aktiengesellschaft. Quelle: Nauener Heimatfreunde

Auch während der beiden Weltkriege wurde in Nauen Zucker hergestellt, auch mit Einsatz russischer Kriegsgefangener. In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war die Fabrik ein beliebter Arbeitgeber, weil die betriebliche Landwirtschaft eine gute Versorgung der Werktätigen ermöglichte – das zählte mehr als die Höhe des Gehalts.

Export bis nach Indien

1947 wurde auf die Produktion von Weißzucker umgestellt, gleichzeitig trennte man sich wieder von der Ketziner Fabrik, die später das Kraftfuttermischwerk beherbergte. Zu Ost-Zeiten kamen fünf Prozent des DDR-Zuckers aus Nauen; er wurde außerdem ins Ausland in den Westen und bis nach Indien exportiert.

Seit 1993 liegt das Areal brach

Nach der Wende kaufte 1990 die Kölner Firma Pfeifer und Lange das Gelände, einer von nur noch drei deutschen Zuckerherstellern. Auch die Zahl der Fabrikstandorte ist in der Vergangenheit immer weiter gesunken, von knapp 600 vor dem Ersten Weltkrieg auf heute gerade mal noch 25. Für die Nauener Zuckerfabrik kam das Aus nach 104 Jahren Produktion am 31. März 1993. Seitdem liegt das Areal weitgehend brach. Die letzte Zuckerfabrik in Brandenburg existiert jetzt noch in Brottewitz im Landkreis Elbe-Elster.

Von Philip Häfner

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