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Hubschrauber im Rückenflug

Sommerfest im Modellflugclub Nauen Hubschrauber im Rückenflug

Ein buntes Bild mit ganz viel Mini-Technik bot sich am Sonnabend den Zuschauern auf dem kleinen Flugplatz bei Berge. Hier standen die kleine Cessna 182 von Peter Mietzner mit ganzen 620 Gramm Fluggewicht neben der Cmelak (Z-37) von Eduard Lamatsch, die rund 25 Kilogramm, das zulässige Höchstgewicht, auf die Waage bringt.

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Fachsimpeln unter Modellprofis.

Quelle: Balzer

Nauen. Ein buntes Bild mit ganz viel Mini-Technik bot sich am Sonnabend den Zuschauern auf dem kleinen Flugplatz bei Berge. Hier standen die kleine Cessna 182 von Peter Mietzner mit ganzen 620 Gramm Fluggewicht neben der Cmelak (Z-37) von Eduard Lamatsch, die rund 25 Kilogramm, das zulässige Höchstgewicht, auf die Waage bringt. Die geruhsamen Segelflieger wurden beim Fachsimpeln ebenso begutachtet wie die mittels Impeller elektrisch auf Tempo von knapp 200 Km/h gebrachten Flugzeugmodelle und die Hubschrauber. Der Modellflugclub Nauen e. V. feierte am Sonnabend bei optimalem Flugwetter sein alljährliches Sommerfest gemeinsam mit Gästen befreundeter Clubs und an Modellflugtechnik interessierten Zuschauern.

Der lederne Arbeitshandschuh hing lässig über den Propeller gestülpt. Eduard Lamatsch braucht ihn zum Starten des 5-Zylinder-Sternmotors mit insgesamt 250 Kubikzentimeter Hubraum. Mit 15,5 PS bringt er das Modell der „Cmelak“, ein zu DDR-Zeiten als „Hummel“ genutzter Agrarflieger, mit brummendem Motor problemlos in die Luft. Am Sonnabend war er auch anderweitig gefragt, ein Segelflieger sollte in die Lüfte geschleppt werden. Kein Problem. Zunächst flogen beide ziemlich kurz über- und nebeneinander, ferngesteuert von den Hobbypiloten. Lamatsch ist stolz auf seine „Hummel“. Schließlich diente er elf Jahre als Flugzeugmechaniker auf dem Nauener Agrarflugplatz und kennt sich mit der Technik bestens aus, derzeitig eben nur noch zur Erinnerung und im Miniformat. Nicht ohne Stolz öffnet er das Cockpit. „Alle Hebel und Steuerungselemente wie im Original und selbst eingebaut“, erzählte er. Währenddessen kreist unermüdlich ein Hubschrauber über den Flugplatz – in Rückenlage, zeigt Loopings, Rollen und andere Kunstflugfiguren. Es ist ein so genanntes Lehrer-Schüler-Fliegen, der Schüler fliegt das Modell und der Lehrer kann mit seiner Fernsteuerung jederzeit eingreifen und bei den gewagten Flugfiguren einen möglichen Absturz verhindern. Der könne für einen Hobbypiloten schon mal richtig ins Geld gehen, sagte Vereinsvorsitzender Detlef Kleindienst. Die Preise für die Modelle würden zwischen 100 Euro und den Kosten für einen Mittelklassewagen liegen und meinte damit so um die 20 000 Euro. Das wollte Steffen Röding gern bestätigen. „Üben, üben, üben“, hieße es für einen guten Modellflieger. Im Winter sitze er mit dem Originalsteuergerät oft vor dem PC. Dort sei mit den entsprechenden Programmen recht realistisches Fliegen möglich, sagte er und gesteht, dass sich bei seinem ersten Modell das Querruder löste und sich der Flieger dann 20 cm tief in den Boden bohrte. „Alle Teile habe ich nicht wiedergefunden, außerdem muss man eine recht tolerante Frau haben“, scherzte er. Sein Vater habe schon Modelle gebaut und irgendwann wäre man süchtig nach diesem Hobby. Da werde es schon manches Mal Mitternacht in der Werkstatt. Das möchte Dorit Herrkorn aus Ketzin gern bestätigen. Unbeeindruckt vom Fluglärm und dem Gewusel saß sie am Rande des Geschehens und strickte an einem warmen Schal. „Ist bald wieder Weihnachten“, scherzte sie. Dann wird sie ihre Handarbeiten auf dem Ketziner Weihnachtsmarkt anbieten. Ehemann Hans-Jürgen steht mit dem wohl kleinsten Modell der Flugschau daneben, nur 40 Zentimeter lang, alle Teile nach einem Bauplan selbst zugeschnitten – mit Material aus dem Baumarkt. Er habe vor rund 50 Jahren mit dem Modellbau begonnen, erzählte er. Das war in der Ketziner alten Schule, jetzt Tourismusinformation. Er habe sich auch im Schiffmodellbau versucht. Aber Modellflug setzte mehr Adrenalin frei, nennt er seine nun schon Jahrzehnte andauernde Motivation für sein Hobby.

Und die Nauener Hobbypiloten sind recht gesellig. Neben dem Anfliegen im Frühjahr, dem Sommerfest und dem Abfliegen im Herbst trifft man sich spontan zum Fliegen aber auch zu gemütlichen Runden. Dabei gehe es nicht nur ums Modellfliegen, betonte Kleindienst und verwies noch auf eine Spezialität, das Nachtfliegen. Mit Dioden bestückte Leuchtbänder geben den Piloten die Orientierung. „Diese Lagerfeueratmosphäre bringt einen besonderen Kick“, betonte er.

Der Modellflugclub Nauen

Der Modellflugclub Nauen e. V. wurde 1990 von zehn Hobbypiloten gegründet. Mehrere Mitglieder begannen mit dem Bau von Flugzeugmodellen bereits Mitte der 70er Jahre in der damaligen Gesellschaft für Sport und Technik der DDR.

Die aktuell 24 Mitglieder fliegen mit Modellen zwischen einer Größe von 30 Zentimeter bis zu einer Spannweite von 4,5 Meter. Am Sonnabend starteten als Leichteste eine Cessna mit 620 Gramm und als Größte die Smelak mit 25 Kilogramm Gewicht (15,5 PS). Der Modellflugclub verfügt über einen eigenen Flugplatz in der Nähe von Berge.

Kontakt per E-Mail an den Vereinsvorsitzenden Detlef Kleindienst unter detlef_kleindienst@t-online.de

Die wagemutigen Flugelemente kurz über dem Erdboden oder in Rückenlage sind zwar spektakulär, haben aber auch schon so manchen Verlust des oft sehr teuren Fluggerätes zur Folge gehabt. Jeder bestätigte das auf dem Nauener Flugfeld, nur eben nicht in der Öffentlichkeit. „Negative Erdhöhe“ nennen sie das dann.

Von Wolfgang Balzer

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