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Havelland Wohin führt die Heuchelei?
Lokales Havelland Wohin führt die Heuchelei?
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02:15 10.02.2016
Peter Furth (li.) mit Gastgeber Stefan Behrens. Quelle: Uwe Hoffmann
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Premnitz

Welche Rolle spielen Heuchelei und moralische Werte in unserer Gesellschaft? Mit diesem Thema beschäftigte sich die Auftaktveranstaltung zu einer Reihe mit Lesungen und Gesprächen in der „Villa am See“, die mit Denkern und Philosophen startet. Gastgeber Ulrike und Stefan Behrens hatten dazu am Samstagabend den Berliner Sozialphilosophen Prof. Peter Furth eingheladen. „Die heutigen Mediendiskussionen zu aktuellen wichtigen gesellschaftlichen Themen wie Werte, Rechte, auch in Verbindungen mit der Terror- und Flüchtlingssituation, führen mit ihrem Zerstreuungscharakter eher zur Entpolitisierung“, meint Stefan Behrens. „Nachrichten sind heute immer schwieriger auf Wahrheit oder Unwahrheit zu prüfen. Medien geben zu wenig Antworten und Orientierung.“ Welche philosophische Sicht hat Prof. Peter Furth dazu? Im ersten Teil der Veranstaltung las er einen Ausschnitt aus seiner Abschiedsvorlesung als ordentlicher Professor an der Freien Universität Berlin aus dem Jahr 1995 mit dem Titel Heuchelei und moralische Weltanschauung. „In den Medien wird ein ‚Mainstream’ verbreitet“, so Peter Furth. „Ausnahmepositionen werden nicht mehr eingenommen.“ Nach einer Pause kamen die über 40 Gäste mit Peter Furth darüber ins Gespräch. „Heuchelei war bei Dante noch sehr negativ besetzt. Heute beurteilen wir Heuchelei anders“, so Peter Furth. „Ist Heuchelei heute eine moderne Form des Knigge, die wir benutzen, um Problemen aus dem Weg zu gehen, um im Zusammenleben miteinander zu überleben“, spitzte Stefan Behrens zu. So fragten auch einige der Gäste, ob Heuchelei nicht die Wurzel allen Übels, das in vielen Kriegen mündete, sei und wohin Heuchelei die Gesellschaft führt. „Sowohl Wahrheit als auch Lüge haben Konsequenzen. Heuchelei nicht“, so Prof. Furths Fazit. „Ich verstehe Werte als messbare Größe, im ökonomischen Sinn. Was wir als ‚Werte’ bezeichnen, wie beispielsweise Kultur, ist nicht messbar.“ „In der Gesellschaftswissenschaft gibt es den Begriff der ‚Wahrheit’ so wie in den Naturwissenschaften nicht“, ergänzte Stefan Behrens.

Das Publikum beteiligte sich an der Diskusision. Quelle: Uwe Hoffmann

„Es war mir eine große Freude, meinen geschätzten Professor noch einmal in einer Vorlesung, einem Gespräch, zu erleben“, bedankte sich Stefan Behrens. Beide haben sich seit knapp 40 Jahren nicht mehr gesehen. Der 1930 geborene Peter Furth studierte ab 1948 Philosophie und Soziologie an der Freien Universität Berlin und in Frankfurt/Main. Hier gründeten nach ihrer Rückkehr aus dem Exil in den USA Philosophen um Prof. Theodor W. Adorno das Institut für Sozialforschung. Furth wurde Assistent Adornos, der ihn stark beeinflusste. 1954 ging Peter Furth wieder an die Freie Universität, wo er 1973 ordentlicher Professor für Sozialphilosophie wurde. „Sein philosophisches Seminar war einer der zentralen Kampfplätze der 68er und zeitweise besetzt, der Lehrkörper ausgeschlossen“, so Stefan Behrens, der selbst 1972 bis 1976 bei Prof. Peter Furth Philosophie studierte. „Seine Vorlesungen bis zu seiner Emeritierung 1995 legten einer ganzen Generation von Studenten ein Fundament im philosophischen Denken.

Der gelesene Aufsatz findet sich in Peter Furths Buch „Troja hört nicht auf zu brennen“ (Landt Verlag, Berlin, 2006). Die Reihe, unter anderem mit Camilla Warnke und Dr. Bernd Florath, wird am 27. Mai mit Prof. Dr. Rüdiger Safranski fortgesetzt. Er liest aus seinem neu erschienen Buch über die Zeit. Weitere Informationen zum Programm der „Villa am See“ findet man unter www.villa-am-see-premnitz.de. Karten für die Veranstaltungen gibt es im Buch- und Musikpavillon Premnitz und in der Rathenower Buchhandlung Tieke oder per E-Mail an behrens@kunsthaus-premnitz.de oder Telefon 03386/2139680.

Von Uwe Hoffmann

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