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Havelland Sprintstar ohne Füße
Lokales Havelland Sprintstar ohne Füße
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19:29 18.09.2013
Quelle: dpa
Falkensee

Als David Behre einen Helden brauchte, war er da: Sprintstar Oscar Pistorius. Wenige Tage nachdem Behre bei einem Unfall beide Füße verloren hatte, sah er im Krankenhaus eine Fernseh-Dokumentation über Pistorius. Dieser wurde 2007 noch von der ganzen Welt als Sprintstar geliebt, als schnellster Mann der Welt ohne Beine ließ sich der Südafrikaner von Publikum und Medien feiern. Es gab noch keinen Mordverdacht, keine Wettkampfsperre. „Das, was er machte, wollte ich auch und sagte es den Ärzten“, erinnert sich David Behre. Heute ist er Europas schnellster Mann ohne Füße, 2012 bei den Paralympics in London holte er Bronze.

Zwischen sein dichtes Trainingsprogramm hat der 27-Jährige einen Besuch in Falkensee gequetscht: Am DMittwoch war er in der Europaschule zu Gast. Für die Schüler ist Behres Besuch ein Höhepunkt des zweijährigen Schulprojektes zum Thema paralympische Sportarten. Die Kinder haben sich bereits in paralympischen Disziplinen wie Sitzvolleyball ausprobiert, für das aktuelle Schuljahr ist ein Spendenlauf geplant. Am Mittwoch hatten Fünft- und Sechstklässler nun Gelegenheit, ihre Fragen an einen echten Athleten loszuwerden und ihn vor die Kameralinse zu bekommen – dabei waren sie nicht zimperlich. David Behre, der am Morgen extra von Düsseldorf nach Berlin geflogen war, beantwortet jede Frage. Wie das war mit dem Unfall, wie teuer eine Sprintprothese ist und ob er eigentlich eine Freundin hat.

David Behre erzählt, wie er im September vor sechs Jahren in seiner Heimatstadt Moers in Nordrhein-Westfalen mit dem Fahrrad unterwegs war. Er wollte einen Bahnübergang queren, die Schranken waren offen. Behre fuhr und wurde von einem Zug erfasst. Der schleifte ihn 150 Meter weit mit. Drei Stunden später wachte Behre neben dem Gleisbett auf. „Ich merkte, dass meine Füße fehlten und rief um Hilfe.“ Eine ältere Frau rief einen Notarzt. „Sie war die einzige, die Zivilcourage bewiesen hat, Schaulustige gab es viele“, sagt Behre frei von Verbitterung. Man merkt ihm seine Behinderung nicht an. Dank moderner Alltagsprothesen kann er sich frei bewegen. In Behres Turnschuhen stecken künstliche Füße in seiner alten Größe, der 45. „Die kann man bestellen“, sagt er und muss über die eigene Formulierung lachen.

Warum die Bahnschranke offen war, ob der Lokführer tatsächlich nichts bemerkt hat und warum Behres Körper drei Stunden unbemerkt mit dem Tod ringen musste, konnte nie aufgeklärt werden. „In der Polizeiakte steht, es sei ein tragischer Unfall gewesen.“

An den Unfall selbst kann sich Behre nicht mehr erinnern. „Das ist eigentlich ziemlich cool. Denn stellt euch vor, ich hätte noch all die Bilder im Kopf“, sagt er zu den Schülern. Behre hatte Glück, dass er nur wenig Blut verloren hat und nicht querschnittsgelähmt war. Trotzdem verbrachte er zehn Wochen im Krankenhaus, musste sogar in ein künstliches Koma versetzt werden. „Die Beine waren ja nicht gleich lang, die Ärzte mussten nachamputieren.“ Als er das erste Mal Prothesen trug, liefen die Schenkel nach zehn Minuten blau an. Die Haut war die neuen Kraftverhältnisse nicht gewohnt. „Das ist auch eine Frage des Willens. Und ich wollte.“ Fünf Wochen nach dem Unfall konnte er bereits ohne Krücken gehen. Für all die Schmerzen, entschädigt nun der sportliche Erfolg. „Ich bin so glücklich mit meinem Leben, dass ich meine Füße nicht mehr brauche“, sagt Behre. Ein Mädchen wollte wissen, ob er sich manchmal frage, wie wohl sein Leben mit Füßen wäre. „Ich kann schwimmen, Auto fahren, Rad fahren.“ Sogar den Bahnübergang in Moers habe er seit dem Unfall mehrmals mit dem Rad überquert. „Ich wollte keine Angst haben.“ Und ja, auch ganz normale Freudinnen habe er nach dem Unfall gehabt – wenn es auch aktuell keine gibt.

Nicht nur jede Frage dürfen die Kinder stellen, sie dürfen auch Behres Bronzemedaille von den Paralympics und eine Sprintprothese anfassen. „Wie viel kostet die?“, möchte ein Junge wissen. Wie auf dem Basar werden Schätzungen für das Karbonteil in den Raum gerufen. Doch keine reicht an den echten Preis heran. 15 000 Euro. Die Kinder bekommen große Augen. Die ersten Prothesen hat die Unfallversicherung gezahlt.

Seine Ausbildung zum Fachinformatiker hat David Behre abgebrochen, dank Sponsoren kann er von seinem Sport leben. Aus dem Hobby-Motocrosser wurde ein Sprintstar. Zweimal täglich trainiert er im Leichtathletik-Zentrum in Leverkusen für den Erfolg. Sein Rekord auf 100Meter liegt bei 11,6 Sekunden. „Beim Start fehlt die Kraft eines richtigen Fußes.“ Erst nach 50 Metern gelange die Kraft von den Schenkeln in die starre Feder. 23,14 Sekunden braucht Behre auf 200 Metern. Auch in der Kurve habe man mit den Prothesen Nachteile gegenüber gesunden Läufern.

Ob er schon einmal gegen Oscar Pistorius gelaufen sei, fragt ein Junge. „Nicht nur einmal“, berichtet Behre. Bei einer Weltmeisterschaft in Neuseeland sei er hinter ihm Zweiter geworden. „Es war schön, ihn kennenzulernen.“ Die beiden Männer sind sogar gut befreundet gewesen. „Seit den Ereignissen haben wir aber keinen Kontakt mehr.“ David Behre ist nun selbst ein Held. In Rio de Janeiro möchte er in drei Jahren paralympisches Gold holen.

Von Juliane Primus

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