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Stadt will Weiher-Villa verkaufen

Falkensee hat Pläne mit dem seit Jahren vermüllten Grundstück am Lindenweiher Stadt will Weiher-Villa verkaufen

Leute mit Hund sind viel unterwegs. So geht es auch Erika Paul aus Finkenkrug. Sie kennt ihren Falkenseer Stadtteil ganz genau und sieht, wo was passiert oder wo eben nicht. Im Waldwinkel ist so eine ruhige Straße, wo sie oft langgeht und sich schon seit Jahren fragt: Was wird aus der Villa und dem großen Grundstück hinter der Hausnummer 20?

Falkensee. Das Grundstück gehört der Stadt Falkensee , und das Haus darauf auch. Das war nicht immer so. Das Haus wurde 1910 errichtet, das große Areal war später von einer Gärtnerei betrieben worden, die Besitzer flohen vor den anrückenden Russen in den Westen. Familie Kindler führte zu DDR-Zeiten auf der Anlage eine Gärtnerei, vergeblich bemühte sich die Familie um den Kauf des Geländes.

Das Haus ging schließlich per Erbbaupachtvertrag an einen anderen Interessenten. Die Selecta GmbH, eine Hauswirtschaftsfirma mit der Geschäftsführerin Christina Densow, war dort gemeldet, im August 2008 wurde diese Gesellschaft durch Eröffnung eines Insolvenzverfahrens aber aufgelöst.

Das war die Zeit, als Ingrid Patzer aus dem Haus zog. 20 Jahre hatte sie hier gewohnt. "Der Auszug war halbfreiwillig", sagt sie, "es war kein Zusammenleben mehr mit dem Hausbesitzer." Außerdem hatten sie oft mit Gerichtsvollzieher und Gläubigern zu tun, die wegen ihres Vermieters kamen. "Die Kaltmiete habe wir zum Schluss an die Stadt überwiesen", sagt sie. Das Haus war in einem recht soliden Zustand, erinnert sie sich. Umso mehr schmerzt es sie, dass nun so ein vermurkster Anbau das Haus verschandelt und das Haus verfällt. Und dass noch immer große Mengen Bauschutt auf dem Gelände liegen. Was wird?, will auch sie wissen.

Die Stadt ist Besitzer des Hauses, das in ihren Besitz kam, nachdem das Erbpachtrecht vor zwei Jahren zurückgegeben wurde. "Wir haben Haus und Grundstück begutachten lassen", erklärt Harald Sempf, Falkensees Dezernent für Recht und Finanzverwaltung. Anfang nächsten Jahres soll es ausgeschrieben werden. "Bis dahin schauen wir mal, wie das Grundstück vernünftig zugeschnitten werden kann und welche Verwertung sinnvoll ist ", sagt er. Etwas anderes als Wohnnutzung könne er sich an der Stelle aber nicht vorstellen. Er wolle nicht spekulieren, ob das Grundstück als Ganzes oder parzelliert verwertet wird: "Wir werden den Abgeordneten der Stadtverordnetenversammlung einen Vorschlag machen."

"Bloß nicht parzellieren, sondern in seiner Großzügigkeit erhalten", hofft Erika Paul. Etwa 4000 Quadratmeter misst die Fläche, direkt am schmalen Teil des Lindenweihers gelegen. Sie will das Haus am liebsten auf die Denkmalliste setzen, hat aber bei dem Bemühen bisher kaum Mitstreiter gefunden. Die Villa steht weder für einen besonders prächtigen Baustil, noch ist sie für eine Bauepoche herausragen markant, noch kann sie einen berühmten Bewohner aufweisen.

Wünsche für das Gelände sind schon mehrere an die Stadt herangetragen worden. Ingrid Patzer erinnert daran, dass der Seniorenbeirat bereits vor längerer Zeit angeregt hat, dort Wohnen für alte Leute zu ermöglichen. Die Bürgerinitiative Lindenweiher würde gern ein Grundstück ausgetauscht sehen, um an der Brücke den freien Zugang zum Lindenweiher zu sichern.

"Wir haben fiskalische Interessen", sagt mit Blick auf viele Begehrlichkeiten Harald Sempf. Der Verkauf müsse auch Geld in die Stadtkasse bringen, um andere Projekte zu ermöglichen.

Von Marlies Schnaibel

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