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Stadtentwicklung: 1 000 Wohnungen sollen weg

Premnitz Stadtentwicklung: 1 000 Wohnungen sollen weg

Weil gegenwärtig für Premnitz ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (Insek) für die Zeit bis 2030 erarbeitet wird, fand dazu am Donnerstagabend in der Aula der Oberschule eine Einwohnerversammlung statt. Schnell war klar, dass der Bevölkerungsverlust die größte Herausforderung wird. Bis 2030 müssten 1000 Wohnungen abgerissen werden.

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Stadtplaner Norbert Illiges (links) hat das Stadtentwicklungskonzept für Premnitz vorgestellt.

Quelle: Bernd Geske

Premnitz. Für Premnitz wird ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (Insek) erarbeitet, das Aussagen darüber macht, wie die Stadt sich bis zum Jahr 2030 entwickeln soll. Es ist vorgesehen, dass die Stadtverordneten das Insek auf ihrer nächsten Sitzung am 29. September beschließen. Weil zum Verfahren auch eine Beteiligung der Bürger gehört, fand dazu am Donnerstagabend in der Aula der Oberschule eine Einwoherversammlung statt. Gut 50 Interessierte waren gekommen. Erarbeitet hat das Insek die Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung (BSM) in Berlin. Deren Prokurist Nobert Illiges stellte dessen wichtigste Inhalte vor und leitete danach auch die Diskussion.

Sehr schnell war klar, dass der fortgesetzte Einwohnerverlust für die Stadt die wichtigste Herausforderung der Zukunft sein wird. Ende 2015 sind für Premnitz 8 788 Einwohner in die Statistik eingegangen. Für die Ortsteile Döberitz und Mögelin waren es 683 bzw. 1 417, was für Premnitz allein 6 688 Einwohner ergibt. Für das Jahr 2030 sagt die Landesprognose der Stadt insgesamt nur noch 6 860 Einwohner voraus, was für Premnitz allein um die 5000 Einwohner ergeben würde.

Norbert Illiges teilte mit, dass der Anteil der über 65-Jährigen bis 2035 um 4,2 Prozent zunehmen soll. Im Gegenzug werde für junge Familien und Erwerbstätige ein Rückgang um 5,4 Prozent prognostiziert. Mögelin sei ein vergleichsweise junger Ortsteil, dort liege der Anteil der Null- bis 44-Jährigen derzeit bei 45 Prozent. Auf die ganze Stadt bezogen, seien es nur 37 Prozent. Für den Bereich Berg-/Bunsenstraße liege dieser Wert sogar bei 52,7 Prozent. In Premnitz insgesamt liege der Wohnungsleerstand derzeit bei 9,5 Prozent, in Döberitz bei sieben und in Mögelin bei fünf Prozent. 85 Prozent des Leerstands betreffen den Geschosswohnungsbau.

Norbert Illiges kündigte für 2030 einen Überhang von rund 1 000 Wohnungen an, für 2035 sogar 1 200. Als Bereiche für das Rückbaupotenzial bis 2030 nannte er: Berg-/Bunsenstraße (330 Wohnungen), Neue Waldstraße (304), Mühlenweg (200) und Erich-Weinert-Straße (358). Es gebe dagegen eine Nachfrage für Einfamilienhäuser sowie für kleinere oder barrierearme Wohneinheiten, teilte er mit. Um den Weggang von Einwohnern zu verhindern, sollten künftig also solche Möglichkeiten vorhanden sein. Als Neubaupotenzial auf den genannten Rückbauflächen beschrieb er: Berg-/Bunsenstraße (31 bis 43 Wohnungen), Neue Waldstraße (9 bis 36), Mühlenweg (36 bis 72) und E.-Weinert-Straße (67 bis 118).

Die von ihm aufgezählten Bereiche seien nur „Rechenbeispiele“, sagte der Stadtplaner. Das bedeute gegenwärtig nicht, sie seien auf Abriss gesetzt. Die beiden großen Vermieter Premnitzer Wohnungsbaugesellschaft (PWG) und Wohnungsbaugenossenschaft Premnitz (WBG) seinen nun gehalten, Alternativen anzubieten, die sich betriebswirtschaftlich für sie darstellen lassen. „Je früher man anfängt, umso besser ist es“, betonte Norbert Illiges. Sonst gebe es einen ungeordneten Prozess.

„Das wird sehr schwierig“, sagte WBG-Vorstand Henry Ketter. Das Insek sei gut, es decke vieles auf. Doch ohne die Mitwirkung der Mieter werde der weitere Stadtumbau nicht funktionieren. PWG-Geschäftsführer Dietmar Kästner sagte: „In eine 5000-Einwohner-Stadt passen Viergeschosser nicht hin.“ Man werde sie aber wahrscheinlich nicht so schnell leer bekommen, wie es erforderlich sei. In den letzten Jahren sei der Stadtumbau gelungen, schlussfolgerte Kästner, darum sei er optimistisch, dass er auch künftig gelingt.

Von Bernd Geske

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