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Stadtkirche: Ein Stützpunkt der Missionierung

Ketzin Stadtkirche: Ein Stützpunkt der Missionierung

Die Evangelische Stadtkirche Sankt Petri in Ketzin/Havel (Havelland) hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Im Rahmen der MAZ-Serie „Mitten im Ort – Kirchen in Westbrandenburg“ haben wir einen Kollegen in die Havelstadt entsandt, der sich ausführlich mit dem Gotteshaus beschäftigt hat.

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Stolzes Bauwerk mit langer Geschichte und Wahrzeichen: die Ketziner Kirche Sankt Petri aus der Luft.

Quelle: privat

Ketzin. Die Kirche in Ketzin/Havel, ein Unicum . . .“, schreibt der Nauener Gymnasialprofessor Ernst Georg Bardey 1892. Die Übersetzung des lateinischen Wortes „unicus“ bedeutet unter anderem „einzigartig in seiner Art“.

Gemeint ist damit der Kirchturm. Anzunehmen ist, dass der Turm schon zu Beginn der Eroberung der Mark Brandenburg durch Albrecht den Bären gebaut wurde. Ausgehend von der freundlichen Haltung des Slawenfürsten Pribislaw gegenüber dem Askanier, konnten die fränkischen Gefolgsleute wehrhafte christliche Bauwerke im Slawenland errichten. Ein Beispiel dafür ist der Bau der Gotthardtkirche in der Altstadt von Brandenburg an der Havel.

Die Ketziner Kirche Sankt Petri

Die Ketziner Kirche Sankt Petri.

Quelle: Helmut Augustiniak

Pribislaw, der sich nach seinem Übertritt zum Christentum Heinrich nannte, erteilte Mönchen des Prämonstratenser-Ordens den Auftrag für den Bau. Der 1138 geweihte Bischof von Brandenburg Wiggert widmete sich energisch der Bekehrung der Slawen zum Christentum. Er ließ in seinem Bistum Stützpunkte errichten, von denen aus die Missionierung erfolgte.

Vielleicht war Ketzins Kirchturm so ein Stützpunkt. Er ist aus Feldsteinen errichtet und mit Ziegelsteinen im Klosterformat vollendet worden. Im Turm ist noch die ehemalige Wehr- und Waffenkammer zu erkennen. Widerlager in den Mauern verdeutlichen es.

Besichtigung und Ansprechpartner

Die Ketziner Sankt-Petri-Kirche ist keine „offene Kirche“. Nach vorheriger telefonischer Nachfrage im evangelischen Pfarramt sind Besichtigungen möglich.

Das Pfarramt ist in der Rathausstraße 17 in 14 669 Ketzin/Havel zu finden. Es ist unter der Telefonnummer 03 32 33/8 05 68 Absprachen zur Besichtigung der Kirche getroffen werden.

Zu erreichen ist die Kirche in Ketzin/Havel mit den Bussen 658 aus Nauen und 614 aus Potsdam. Mit dem Auto geht es über die A 10, Abfahrt Potsdam-Nord, dann auf der L 92 in Richtung Paretz oder L 204 bis Falkenrehde, hier zum Abzweig Ketzin/Havel auf der L 862; von Nauen auf der L 86, von Brandenburg an der Havel auf der L 91.

Auf dem Wasser gelangt man nach Ketzin/Havel über die Untere Havelwasserstraße zum Wasserwanderrastplatz an der Havelpromenade oder zur Steganlage Ketzin/Havel.

Das entscheidende Datum gegenwärtig für Ketzin/Havel ist das Jahr 1197. In diesem Jahr schenkte der Markgraf Otto II. dem Bischof von Brandenburg die Einkünfte der Ketziner Kirche. 1197 ist die nachgewiesene echte Ersterwähnung von Ketzin/Havel und wird als „Gründung“ des Ortes gefeiert. Der erste Priester an der Ketziner Kirche war Theodericus (1197 bis 1217). Wahrscheinlich war er ein Ordenspriester aus dem Kloster Lehnin oder Chorin.

Der erste evangelische Pfarrer in Ketzin/Havel war Georg Holtzendorf (1540 bis 1577). Er wurde von den Ketzinern nicht sehr freundlich aufgenommen. Die Pfarre war abgebrannt, als er einziehen wollte. Die Einwohner halfen dem Pfarrer erst nach längerer Zeit und auf Befehl der Kirchenoberen, die Pfarre wieder aufzubauen.

Im Jahr 1726 brannte das Kirchenschiff nieder. Der Aufbau dauerte dann fast vierzig Jahre. Im Jahr 1763 wurde das neue Kirchenschiff eingeweiht. Der vom Ketziner Tischlermeister Christoph Frentsche 1712 geschaffene Kanzelaltar mit Schalldeckel wurde vom Vorgängerbau übernommen. Oberhalb des Schalldeckels wurde 1755 eine Orgel eingepasst. Ebenso stammt aus dieser Bauzeit eine elegante Rokoko-Taufe.

Hörbar zum Leben erweckt werden Kirchen durch ihr Glockengeläut. Die älteste Ketziner Glocke wurde 1555 gegossen. 1820 erfolgte der Guss zweier größerer Glocken. Sie fielen im 1. Weltkrieg dem Waffenbau zum Opfer. 1928 wurden sie durch Stahlglocken ersetzt. Diese sind heute in der Albrechtsstraße, nahe dem Marktplatz, aufgestellt worden. Seit 2005 ist das stimmungsvolle Geläut neuer Glocken zu hören.

Mehrfache Reparaturen am Turm der Kirche mit Abnahme des Turmknaufes sind urkundlich belegt. Sie erfolgten 1728, 1779, 1792, 1836, 1854, 1883, 1910 und 2002. Von der letzten Öffnung wurden von Helmut Bergemann und Andreas Lauterberg eindrucksvolle Dokumentationen angefertigt.

Das Turm und Dach der Kirche sind mittlerweile restauriert. Für das Innere des Kirchenschiffes ist die Restaurierung geplant.

Von Helmut Augustiniak

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