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Start mit zitternden Knien

Gespräch mit Etzins Ortsvorsteherin Start mit zitternden Knien

Aus dem Nichts startete Nicole Fritz bei der Wahl im Vorjahr in die Kommunalpolitik. Heute sorgt sie sich um das Wohl der Menschen im kleinsten Ketziner Ortsteil.

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Ortsvorsteherin Nicole Fritz.

Quelle: Jens Wegener

Etzin. Als Neuling startete Nicole Fritz (37) mit den Freien Wählern Etzin bei der Kommunalwahl im Vorjahr. Jetzt steht sie an der Spitze des 300-Seelen-Dorfes, dem kleinsten Ketziner Ortsteil.

MAZ: Sie haben zwei Kinder. Das jüngste hat indirekt damit zu tun, dass Sie heute Ortsvorsteherin sind...

Nicole Fritz: Ich hatte in den vergangenen Jahren kaum etwas mit der Kommunalpolitik zu tun. Ich war mal Wahlhelfer, aber sonst bekam ich das mit, was in einem Dorf mit 300 Einwohner so passiert und geredet wird. Vor der letzten Kommunalwahl fragte mich die damalige Ortsvorsteherin Sabine Stahlberg, ob ich nicht ihren Job übernehmen wolle, weil sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr antreten werde. Dafür sprach, ich war im Erziehungsjahr mit dem zweiten Kind und hatte Zeit. Und dann sagte ich mit, ehe es keiner macht, mache ich es und trat an.

Würden Sie diesen Schritt heute noch mal gehen?

Fritz: Na klar. Das Dorf ist aus meiner Sicht in den vergangenen Monaten noch enger zusammengerückt. Das Verhältnis Ortsbeirat und Feuerwehr hat sich verbessert. Wir können erste Erfolge vorweisen und haben sogar einen Chor gegründet.

Welche Erfolge sind das?

Fritz: Der größte ist noch nicht ganz perfekt. Unsere Mehrzweckhalle an der Sandscholle bekommt noch in diesem Jahr eine sogenannte Bedarfsheizung. Dann können wir endlich die Halle auch in der kalten Jahreszeit nutzen. Das gab es aber von Ketzin nicht geschenkt. Dafür haben wir kämpfen müssen. Stolz bin ich auch darauf, dass es an den Etziner Erdelöchern praktisch einen neuen kleinen Strand mit frischem Sand gibt. Viele Helfer haben mit angepackt, damit die Etziner jetzt dort baden gehen und sich erholen können.

Sie sprachen von einem Chor?

Fritz: Ja, der heißt „Etziner Orgelpfeifen“ und wurde vor einem Jahr gegründet. Damals mit fünf Leuten, heute sind es sieben. Sechs Frauen - ich mache auch mit - und Frank Haupt-Tschachtschal ist der Leiter. „Wir singen deutsche und englische Lieder, alles, was und so einfällt. Wir proben alle 14 Tage in der Feuerwehr und treten auch schon auf Festen und Feiern auf. Neben der Feuerwehr, bei es übrigens auch wieder einen Jugendfeuerwehr mit 13 Kindern gibt, und dem Heimatverein ist der Chor die dritte Kraft im Dorf.

Es gibt keine Gaststätte, keine Schule, keinen Laden. Stört Sie das? Wie gehen der Ortsbeirat und die Menschen damit um?

Fritz: Dafür haben wir gleich zwei Kosmetikstudios. Trotzdem wäre ein kleiner Dorfkonsum ein Traum, aber ich weiß, dass sich das nicht rechnen würde. Also müssen wir mit den mobilen Verkaufswagen zweimal die Woche leben. Etzin ist so schön – schön ruhig. Aber wer kein Auto hat, ist schlecht dran. Der Weg in die Stadt Ketzin zum Einkaufen, zum Arzt oder zur Schule funktioniert mit dem Bus ganz gut. Aber mit dem Fahrrad sind die sechs Kilometer eine Qual und gefährlich.

Warum?

Fritz: Der Radweg an der Landesstraße steht seit vielen Jahren auf dem Wunschliste der Etziner ganz oben. Das Land sagt aber, es gibt andere Prioritäten. Ich sage, wer mal auf dieser Straße mit dem Rad nach Ketzin gefahren ist bei den vielen großen Lkw, die zur Deponie Vorketzin oder zur Firma Mosolf wollen, der macht das nicht wieder. Schon gar nicht lassen die Etziner ihre Kinder dort allein zur Schule radeln.

Wenn Sie 100 000 Euro für das Dorf zur Verfügung hätten, was würden tun?

Fritz: Den Radweg bauen. Und den Spielplatz etwas auffrischen, mehr Angebote für die Kinder schaffen.

Apropos Kinder. Etzin hat als so kleiner Ort eine Kita. Wie funktioniert das?

Fritz: Super. Der ASB hat die Kindertagesstätte in Trägerschaft. Das Haus ist immer voll. Aus umliegenden Orten bringen Eltern ihren Nachwuchs nach Etzin. Und wir sorgen auch selbst dafür, dass die Kita läuft. Denn in diesem Jahr sind schon fünf Babys geboren worden und weitere kündigen sich an.

Ziehen viele junge Familien nach Etzin?

Fritz: Ja, in der Siedlung wohnen viele jüngere Leute. Es gibt auch nur noch wenige Baugrundstücke dort. Aber es kehrten in der jüngeren Vergangenheit auch ehemalige Etziner mit ihren Familien zurück. Alte Häuser werden ausgebaut, erneuert. Das Dorfbild lebt auf.

Ist der Ortsvorsteherposten so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Fritz: Also vor der ersten Ortsbeiratssitzung nach der Wahl war ich total aufgeregt. Mir haben die Knie gezittert, ich glaube, den anderen gewählten Ortsbeiratsmitgliedern Nicole Niemoth und Ronny Ludwig ging es ähnlich. Mein Lieblingsbuch war in der Zeit die Kommunalverfassung Brandenburg. Ich wollte ja nicht dumm dastehen, wenn mich einer fragt. Wir haben es gepackt. Bis jetzt jedenfalls. Man kennt mich im Dorf, die Leute kommen auch am Sonntag zur mir nach Hause und erzählen, dass vor ihrer Tür ein Loch in der Straße ist oder eine Lampe nicht brennt. Und sie ärgern sich, dass es den Gemeindearbeiter nicht mehr gibt, weil die Leute vom Ketziner Bauhof nicht so regelmäßig mähen und Grünflächen pflegen wie früher.

Sie sind das Bindeglied zwischen Stadt und Dorf, zwischen Verwaltung und Bürger. Klappt das?

Fritz: Im Ketziner Rathaus finde ich immer ein offenes Ohr, die Sorgen aus Etzin werden aufgenommen und meistens recht schnell beseitigt.

Das Erntefest steht vor der Tür. Von jeher ist das der jährliche Höhepunkt im Dorfleben...

Fritz: Es ist immer wieder faszinierend, wie viele Einwohner mitmachen. Fast alle basteln Strohpuppen und stellen sie vor die Grundstücke. Die Erntewagen werden geschmückt, jeder der kann, bringt sich irgendwie ein. Im Kommen ist auch das Halloweenfest. Im Vorjahr war das so toll, dass wir gesagt haben, wir versuchen daraus auch eine Tradition zu machen. Und weil wir gern feiern, ist im Gespräch, den Fasching im Dorf aufleben zu lassen.

Von Jens Wegener

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