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Stippvisite auf Dallgower Flohmarkt

Freizeit Stippvisite auf Dallgower Flohmarkt

MAZ-Reporterin Laura Sander hat Sachen aussortiert, die zwar alt, aber viel zu schade zum Wegwerfen sind. Kurzerhand hat sie einen Stand auf dem Havelpark-Flohmarkt in Dallgow aufgebaut und Musiktrolle, eine Kuckucksuhr und einen alten Taschenrechner an den Mann gebracht.

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Eine Kuckucksuhr aus Plastik darf in keinem Haushalt fehlen – MAZ-Reporterin Laura Sander führte lustige Verkaufsgespräche.

Quelle: Privat

Dallgow-Döberitz. Die Straßen sind an diesem Sonntagmorgen wie leer gefegt. Die letzten Gäste der kleinen Eckkneipe unter meiner Wohnung stolpern mit müden Gesichtern und kleinen Augen auf die Straße und laufen wankend nach Hause. Es ist 5.30 Uhr – so früh war ich schon lange nicht mehr auf den Beinen – schon gar nicht an einem Sonntag. Getrieben von dem Bedürfnis meinen Keller, der sich nach etlichen Aufräum- und Renovierungsaktionen bis oben hin gefüllt hatte, leer zu bekommen, spiele ich in meinem Auto Tetris, bis auch der letzte Millimeter mit alten Klamotten oder Krimskrams gefüllt ist – Kofferraum zu und auf zum munteren Flohmarktverkauf.

Nach knapp zehn Minuten Fahrt reihe ich mich in die Autoschlange auf dem Havelpark-Parkplatz in Dallgow ein. Bereits im Vorfeld hatte ich den überdachten Stand reserviert und bezahlt. Sechs Helfer regeln die Standzuweisung und winken die Autos durch. Hier treffe ich auf Melanie Wulfes, die den Flohmarkt seit 1995 gemeinsam mit Vater Karl-Heinz und Bruder Florian organisiert. „Mein Vater hat den Flohmarkt damals ins Leben gerufen und mit gerade einmal zehn Ständen angefangen – heute sind es etwa 400“, so Wulfes, die schon seit 3 Uhr auf dem Parkplatz ist.

„Der Havelpark-Flohmarkt ist einer der größten und beliebtesten in der Region. Mein Bruder und ich machen das beide hauptberuflich und wollen auch die nächsten zehn Jahre weitermachen – so lange läuft der Mietvertrag erst einmal“ so Wulfes.

Trotz der großen Konkurrenz beginne ich gut gelaunt mit dem Standaufbau. Altes Geschirr drapiere ich um meinen hölzernen Puppenschrank und die schöne Zigarrenkiste. Zwei Körbe mit kleineren Sachen zum kramen – das lieben die Leute. Eine Kleiderstange für Blusen und Jacken macht etwas her und lockt die Leute an den Stand. Ausreichend Kisten mit Schuhen, Taschen, Schals und sperrigen Dingen habe ich ebenfalls dabei, denn der Boden gehört noch mit zum Stand. Alles, was daneben steht, kostet zusätzlich fünf Euro. Meine Anziehsachen hatte ich bereits im Vorfeld gefaltet und vorbereitet – im Nu ist mein Tisch voll. Und auch meine Standnachbarinnen Carmen und Isabelle Guske, zwei Schwestern aus Berlin, machen es sich schon auf den mitgebrachten Klappstühlen bequem. „Auf dem Flohmarkt zu verkaufen ist eine gute Möglichkeit an seinen alten Sachen noch eine Kleinigkeit zu verdienen. Ich verkaufe etwa einmal im Jahr hauptsächlich Anziehsachen“, so die 27-jährige Isabelle Guske. „Ich habe schon in Spandau und Schöneberg verkauft, auf dem Havelpark-Flohmarkt war ich vor fünf Jahren das erste Mal. Es ist toll, dass man sein Auto direkt hinter seinem Stand parken kann und verdient habe ich damals auch nicht schlecht – mal sehen, was der Tag so bringt.“

Um 7.12 Uhr verkaufe ich mein erstes Teil – eine hölzerne Wandaufhängung mit integriertem Flaschenöffner für 2 Euro. Der Verkauf läuft schleppend, bis zum Mittag ist die Standmiete von 35 Euro aber bereits doppelt wieder drin. Leider spielt uns das Wetter heute einen Streich – der Himmel ist wolkenverhangen und der Wind eisig. Nach einigen Stunden sind die Füße kalt, die Tische durchwühlt, die besten Sachen schon lange weg – jetzt heißt es durchhalten und darauf warten, dass die Sonne herauskommt, die Menschen an diesem Sonntag endlich mit dem Frühstück fertig werden und in Flohmarktlaune kommen. Eingemummelt in mehrere Schichten zum Verkauf bestimmter Mützen, Schals und Stulpen harre ich der Dinge, verkaufe kontinuierlich Pullis, Spiele, Hocker und Bettwäsche. Sogar mein alter Schultaschenrechner, den ich im Matheunterricht aus Langeweile mit Edding beschrieben und Mickey-Maus-Aufklebern verschönert hatte, findet für 50 Cent einen neuen Besitzer – einen Taschenrechnersammler aus Südbrandenburg. Nette Gespräche wechseln sich mit knallharten Verhandlungen ab. Ab 13 Uhr kostet bei mir fast alles nur noch „einen Euro“ – ich habe einen Riesenspaß. Bis zu dem Punkt, an dem mir wirklich kalt, mein Kaffee alle und die Schokolade verputzt ist. Für meinen geliebten Plastiktroll und etlichen Kleinkram findet sich einfach kein Abnehmer. Als dann gegen 14 Uhr der Regen einsetzt, fangen alle Standnachbarn an in Windeseile abzubauen. Ich schließe mich an, stopfe alles in mein Auto und bin weg. Nachdem ich die Reste bis zum nächsten Verkaufstag im Keller verstaut und eine heiße Dusche meine Sinne belebt hatte, folgt der Kassensturz. Abzüglich der Standmiete habe ich 160,53 Euro verdient. Das hat sich zwar gelohnt, war in dieser Flohmarktsaison aber bestimmt nicht das letzte Mal – bis zu einem leeren Keller sind es noch einige Sonntage.

Von Laura Sander

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