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Stippvisite im Stall zur Landpartie

Landwirtschaft hautnah Stippvisite im Stall zur Landpartie

Der kleine Bruno weiß, was eine Färse ist. Doch weil sich nicht jeder so gut mit Landwirtschaft auskennt, gibt es einmal im Jahr die Brandenburger Landpartie, zu der zahlreiche Havelländer Betriebe ihre Tore öffnen, um den Besuchern das Landleben näher zu bringen. In diesem Jahr war die Veranstaltung so politisch wie selten zuvor.

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Agrarpolitik bei Kaffee und Brötchen: der Kreisbauernverband hatte zu einem Frühstück in den Kuhstall nach Lietzow geladen.

Quelle: Philip Häfner

Havelland. Bruno kannte sich aus. „Weiß jemand, was Färsen sind?“, fragte Bauer Lars Schmidt in die Runde. Der Arm des Neunjährigen schnellte nach oben. Färsen, erklärte Bruno, „das sind Kühe, die noch kein Kalb geboren haben.“ Lars Schmidt, Betriebsleiter der Brandenburger Vermarktungs- und Dienstleistungsgesellschaft in Lietzow, war beeindruckt. „Genau“, sagte er und deutete auf den Stall mit den trächtigen Tieren. „Deshalb nennen wir das hier auch den Kreißsaal der Kühe.“

Weil sich nicht jeder so gut mit der Landwirtschaft auskennt wie der kleine Bruno, wurde 1995 die Brandenburger Landpartie ins Leben gerufen. An einem Wochenende im Jahr öffnen Bauernhöfe ihre Tore, um den Besuchern die Landwirtschaft und das Landleben näher zu bringen. Auch havelländische Betriebe beteiligen sich regelmäßig an der Aktion, etwa der Damwildhof von Sven Kraatz in Pausin. „Ich bin jetzt seit drei Jahren dabei und habe es noch nicht bereut. Es ist eine gute Werbung für den Betrieb“, sagte Kraatz. Im kommenden Jahr wolle man versuchen auch den Alpakahof von Anneliese Liesegang mit einzubinden.

 Brandenburger Landpartie 2016 in Lietzow, von links

Brandenburger Landpartie 2016 in Lietzow, von links: Siegfried (7), Linda (4) und Elias (5), dahinter noch Marius (8), spielen im Stroh.

Quelle: Philip Häfner

Erstmals dabei waren in diesem Jahr das Schlossgut Schönwalde, wo die Besucher unter anderem an einem Polo-Schnupperkurs teilnehmen konnten, sowie der Obstbau- und Imkereibetrieb von Stefan Tiffert in Wernitz. Dorthin hatte es auch Stefanie Julier aus Berlin mit ihrer Familie verschlagen. „Die Landpartie ist eine schöne Aktion. Ich weiß nicht, ob ich sonst jemals die Gelegenheit gehabt hätte Bienen so hautnah zu erleben.“ Gerade Kinder könnten auf diese Weise viel über die Landwirtschaft lernen. „Das kann sicher nicht schaden.“

Manch ein Besucher erfuhr vor Ort eher zufällig von der Brandenburger Landpartie und nutzte spontan die Gelegenheit sich auch noch andere Bauernhöfe anzuschauen.

Viele Landwirte machten zur Landpartie auch auf die schwierige Lage ihrer Branche aufmerksam. In Lietzow hatte der Kreisbauernverband zum agrarpolitischen Frühstück im Kuhstall geladen, um bei Schmalzstulle, Buletten und Bullenschuss mit Bürgermeistern, Kreistagsabgeordneten und Gemeindevertretern ins Gespräch zu kommen. „Ein Experiment, „das es in dieser Form noch nicht gegeben hat“, so Johannes Funke, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Und eines, das bei allen Beteiligen gut ankam.

 Brandenburger Landpartie 2016 in Lietzow, Lars Schmidt führt durch den Kuhstall

Brandenburger Landpartie 2016 in Lietzow, Lars Schmidt führt durch den Kuhstall.

Quelle: Philip Häfner

„Wir sind eine junge Generation von Bauern, die sich auch schwierigen Themen nicht verschließt“, sagte Mathias Jung von der Agro-Farm Nauen. Beispiel Glyphosat. Über die Verwendung des Pflanzenschutzmittels war in den vergangenen Wochen heftig diskutiert worden. „Dabei ist Glyphosat nicht per se gefährlich, sondern nur bei falscher Dosierung“, so Thomas Große Rüschkamp aus Markee. „Das gilt aber genauso für Lakritze und Kochsalz.“

Auch der niedrige Milchpreis war noch einmal Thema. Die Lage der Milchbauern sei kritisch, die versprochene Soforthilfe von rund 1400 Euro pro Betrieb nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Das steht in keinem Verhältnis zu den Verlusten, die wir machen“, meinte Jan Derk Koning aus Hertefeld. Der Landkreis Havelland plant deshalb die Einrichtung einer kreisweiten Direktvermarktungsgenossenschaft, um den Bauern zu helfen einen ordentlichen Preis für ihre Produkte zu erzielen, sagte Dezernent Henning Kellner.

Der Lietzower Lars Schmidt begrüßte diesen Vorschlag. Denn, so warnte er: „Wenn die Betriebe zu machen, dann stirbt der ländliche Raum.“

 Gestatten

Gestatten: Milchkuh. Im Lietzower Kuhstall gab es Begegnungen zwischen Tier und Mensch.

Quelle: Philip Häfner

Von Philip Häfner

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