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Stolperfallen und Hürden im Blick

Nauen Stolperfallen und Hürden im Blick

Der Behindertenverband Osthavelland hat am Donnerstag einen weiteren Rundgang durch die Stadt Nauen gemacht. Dabei wurde darauf geachtet, wo es Hürden und Stolperfallen für Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte gibt. Die Hindernisse sollen nun beseitigt werden.

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Nichts hat sich hier geändert: Der Bordstein in der Kreuztaler Straße/Ecke Friedensstraße ist in Höhe des Fußgängerüberweges immer noch nicht abgesenkt. So müssen Rollstuhlfahrer weiterhin einen größeren Umweg fahren und dabei auch die Fahrbahn nutzen.

Quelle: Andreas Kaatz

Nauen. Einiges hat sich schon verbessert, seit der Behinderten- sowie der Blinden- und Sehbehindertenverband gemeinsame Stadtrundgänge durch Nauen durchführen. Immer mehr Geschäfte haben Klingeln für Rollstuhlfahrer an der Außenfassade angebracht, eine Apotheke verfügt über einen Lift, ein Bäckergeschäft legt bei Bedarf eine Rampe vor die Tür. Die Verbandsvertreter versuchen herauszufinden, wo es Barrieren für ältere und für gehandicapte Menschen gibt, wo die Hürden für Rollstuhlfahrer zu groß sind oder für Sehbehinderte Stolperfallen lauern.

Und es gibt noch viel zu tun. So ging es am Donnerstag erneut durch die Stadt. Erster Stopp: Die Kreuzung Kreuztaler Straße /Ecke Friedensstraße. Der Fußgängerüberweg zur Arco-Schule ist zwar gut, aber für Rollstuhlfahrer nahezu wertlos. Von „einem Schildbürgerstreich“ spricht Monika Leppin. Denn weil der Bordstein viel zu hoch ist, muss man eine kleine Rampe ein Stück weiter in der Friedensstraße nutzen. Über die geht es aber auch nur auf die Fahrbahn. Ist man am Überweg angelangt, nutzt dessen Überquerung auch nichts, weil die Kante auf der anderen Straßenseite ebenfalls zu hoch ist.

Lutz Raakow von der Nauener Stadtverwaltung kennt das Problem. „Es ist eine uralte Anlage aus DDR-Zeiten. Wir haben den Bereich als Schwachpunkt erkannt“, meint er. Im Zuge des Förderprogramms Soziale Stadt soll die Straße mit umgestaltet werden. Wann genau, kann er noch nicht sagen.

Von einem Anwohner hat der Behindertenverband erfahren, dass es in der Spandauer Straße ein Problem für Gehbehinderte geben soll. Also wird auch dort geprüft. Doch außer dass die Straße nicht bis zum Ende neu ausgebaut wurde, können die Interessenvertreter keinen Mangel entdecken. Absenkungen sind vorhanden, wenn auch nicht direkt vor der Haustür des Mannes.

Weiter geht’s durch die Dammstraße. Der Gehweg erweist sich als recht uneben. „Da haben wir aber schlimmere Bereiche in der Stadt“, winkt Monika Leppin ab und empfiehlt, die andere Straßenseite zu nutzen. Schlimmer ist es in der Straße An den Bleichwiesen. Der Platz auf dem Gehweg zwischen Zaun und Bäumen ist extrem schmal, für Rollstuhlfahrer kaum zu bewältigen. „Als ich probeweise dort lang fuhr, kam ich mit dem Ellenbogen immer wieder an den Zaun“, sagt Monika Leppin. Um auf der Straße zu fahren, ist es aber zu holprig und zu eng – ein Problem vor allem für die Anwohner dort. „Ich weiß von zwei Rollstuhlfahrern und drei Leuten mit Rollator, die dort leben.“ Und auch Manuela Klein-Kauk vom Blindenverband meint: „Wer schlecht sehen kann, für den ist der Gehweg kaum nutzbar.“

Ändern wird sich an der Straße aber wohl vorläufig nichts. Raakow: „Für Behinderte ist diese Straße aus den 30er-Jahren eine Katastrophe, aber mittelfristig wird dort nichts geschehen.“ Zumal die Anwohner bei dem recht aufwendigen Ausbau, der notwendig wäre, kräftig zur Kasse gebeten würden.

Ein Punkt, der aus Sicht des Behindertenverbandes immer noch einer Umsetzung harrt, ist der Behindertenparkplatz in der Baderstraße/Ecke Marktstraße. Wer dort sein Auto abstellt, lebt unter Umständen gefährlich – wenn nämlich Autos aus der Markt- in Richtung Dammstraße um die Ecke geschossen kommen. Vielmehr sollte der Parkplatz am Ende der Marktstraße ausgewiesen werden, heißt es.

In der Baderstraße ragt die unterste Stufe einer Eingangstreppe recht weit in den Gehweg hinein. Hier sieht Manuela Klein-Kauk eine Unfallgefahr. „Damit rechnet kein Sehbehinderter“, meint sie und schlägt vor, zur Kennzeichnung eine gelb-schwarze Banderole anzubringen oder aber einen weißen Strich aufzutragen. Unabhängig davon sieht sie für ihre Klientel allgemein noch Nachholebedarf, was die Einbeziehung etwa bei Bauvorhaben angeht. „Wenn Städte und Gemeinden von barrierefrei sprechen, dann heißt dies in erster Linie rollstuhlgerecht und weniger sehbehindertengerecht.“

Die Altstadt ist zwar schön für Nauen, hat aber auch ihre Tücken für Behinderte. Dass hierbei Kompromisse nötig sind, wissen auch die Vertreter des Behindertenverbandes – etwa in der Jüdenstraße. Ein Bewohner des Seniorenzentrums hat darauf aufmerksam gemacht, dass es sich auf dem Belag schlecht läuft, wenn man in die Stadt will. Monika Leppin schlägt nun vor, die Jüdenstraße zu überqueren und auf der anderen Seite zu gehen. Dass die Straße für die älteren Menschen im wahrsten Sinne des Wortes kein einfaches Pflaster ist, weiß auch Monika Marquardt, Leiterin des Seniorenzentrums. „Wir empfehlen den Bewohnern deshalb, lieber über die Wallgasse in die Stadt zu gehen.“

Spätestens im nächsten Jahr soll es den nächsten Rundgang durch Nauen geben. Dann wird wieder geschaut, welche Anregungen unterdessen umgesetzt wurden.

Von Andreas Kaatz

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