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Straßenerneuerung: Leser sehen keinen Bedarf

MAZ-Talk Straßenerneuerung: Leser sehen keinen Bedarf

Eine interessante Diskussion und Meinungen, die zeitweise stark von Gefühlen geprägt waren, gab es beim ersten MAZ-Talk der Lokalredkation Rathenow. Er fand im Dorfgemeinschaftshaus von Witzke statt und war dem umstrittenen Ausbau der Straße der Technik gewidmet. Er würde 306 000 Euro kosten und 20 Prozent davon müssten die Anwohner übernehmen.

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MAZ-Talk im Dorfgemeinschaftshaus Witzke über den umstrittenen Ausbau der Straße der Technik. Rechts Redaktionsleiter Joachim Wilisch.

Quelle: Bernd Geske

Witzke. An einem Abend voller Widersprüche ist trotzdem eines klar heraus gekommen: Die Anwohner der Straße der Technik in Witzke sind gegen die grundhafte Erneuerung ihrer Straße, wie sie die Verwaltung plant und die kommunalen Gremien befürwortet haben. Die Lokalredaktion Rathenow hatte am Dienstagabend zur ersten Veranstaltung der neuen Reihe MAZ-Talk ins Dorfgemeinschaftshaus von Witzke eingeladen. An die 40 Interessierte kamen. Sie erlebten interessante Diskussionen und Meinungen, die zeitweise stark von Gefühlen geprägt waren.

„Der geplante Neubau ist völlig unnötig“, sagte Silke Müller, eine Sprecherin der Anwohnerinitiative. „Es gibt andere Straßen hier, die viel schlechter sind.“ Ihrer Meinung nach sei die Straße der Technik, über die der überregionale Radweg der Tour Brandenburg führt, sogar in einem „extrem guten Zustand“.

Die Anwohner würden keinen Bedarf sehen, für die Erneuerung Fördermittel in Anspruch zu nehmen. Sie sprach vom Vertrauensbruch ihrer Gemeindevertreter. Man habe ihnen gesagt, dass die Straße nicht erneuert werde, wenn die Anwohner es nicht wollen – und dann ganz anders entschieden.

Rinne und Gefälle funktionieren nicht so, wie sie sollten

„Der Neuaufbau der Straße ist die vernünftigste Variante, wie die Gemeinde ihr Geld einsetzen kann“, sagte Amtsdirektor Jens Aasmann. Über Jahre hinweg sei immer wieder gesagt worden, dass das Wasserproblem in der Straße der Technik gelöst werden müsse. Die Rinne funktioniere nicht richtig und das Gefälle sei nicht so, wie es sein sollte. Weil die Tragfähigkeit der Straße nicht ausreichend sei, erklärte er, sei es „sinnvoll und kostengünstig“, sie komplett neu herzustellen.

Den Aussagen vieler Anwohner war zu entnehmen, dass sie sich „verschaukelt“ fühlen, wie es eine Frau zugespitzt dargestellt hat. Der Ortsbeirat von Witzke hat dem Projekt zugestimmt, wie es Ortsvorsteher Matthias Brümmerstädt am Abend bestätigte. Allerdings kursierten früher auch schon Gerüchte, der Ortsbeirat sei dagegen gewesen. Entscheidende Bedeutung kommt einer Gemeindevertretersitzung von Seeblick zu, zu der Hohennauen, Wassersuppe und Witzke gehören.

Bei der Zusammenkunft im Juli waren von neun Gemeindevertretern nur sechs anwesend. So kam es, dass die vier abgegebenen Ja-Stimmen für den Ausbau der Straße reichten. Die Bitte eines Anwohners, angesichts der fehlenden drei Gemeindevertreter die Abstimmung zu verschieben, hatte das Gremium abgelehnt.

Das Bauprojekt Straße der Technik

Der Abschnitt der Straße der Technik, der erneuert werden soll, ist rund 300 Meter lang.

Die Baukosten würden bei 306 000 Euro liegen. 80 Prozent davon sollen über Fördermittel finanziert werden.

Der Eigenanteil, den alle Anlieger zusammen übernehmen müssten, würde bei 57 000 Euro liegen.

An der Straße liegen 21 Grundstücke. Vier gehören der Gemeinde, 17 privaten Personen.

Der finanzielle Beitrag der jeweiligen Eigentümer wird gemäß Satzung nach der Grundstücksgröße berechnet.

Die Summe pro Anlieger würde demnach zwischen 733 Euro und 6340 Euro liegen.

Es zeichnete sich ab, dass die oft zitierten Klagen über nicht ablaufendes Wasser wohl älteren Datums sind. „Ich weiß nicht, wer aus unserer Straße sich jemals über Wasser beschwert hat“, bekannte eine junge Frau, „eigentlich ist es von uns niemand gewesen.“ – „50 Jahre lang war die Straße tragfähig“, bezweifelte ein 80-jähriger Witzker, „und jetzt plötzlich nicht mehr, das ist für mich zu hoch.“ – „Die Straße ist wunderbar in Ordnung!“, rief ein Mann aus.

Er verstehe nicht, warum der Neubau jetzt „mit Gewalt“ durchgesetzt werden solle. Einmal den Asphalt abfräsen, dann ein neuer Überzug und fertig. „Ich glaube nicht, dass hier überhaupt jemand wusste, dass die Straße gemacht werden soll“, teilte ein Anwohner mit, „von den Gemeindevertretern im Ort hat niemand mit uns geredet.“

Eine einfache Reparatur der Deckschicht der Straße wird nach Aussagen des Amtsdirektors nicht Betracht gezogen, weil deren Tragschicht nicht mehr gut genug ist. Der geplante Neubau würde 306 000 Euro kosten. Er könnte indes überhaupt nur stattfinden, wenn die gewünschten Fördermittel in Höhe von 80 Prozent aus dem Leader-Programm bewilligt werden. Diese Entscheidung steht noch aus und fällt vielleicht Ende November.

Nach den möglichen Kosten einer einfachen Reparatur gefragt, nannte Amtsdirektor Jens Aasmann einen Betrag von 9000 Euro. Eben mit dieser Variante schienen viele Anwohner beim MAZ-Talk gut leben zu können. Diese Kosten müsste komplett die Gemeinde tragen. Beim Neubau der Straße müssten Anlieger Eigenanteile entrichten, die zwischen 773 und 6340 Euro liegen.

Von Bernd Geske

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