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Havelland Streetworker in Rathenow schlagen Alarm
Lokales Havelland Streetworker in Rathenow schlagen Alarm
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00:16 30.05.2017
Streetworkerin Kathrin Wittek hat jeden Tag mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die den Halt verloren haben. . Quelle: Christin Schmid
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Rathenow

Den Mitgliedern des Rathenower Bildungsausschusses stockte der Atem, als Kathrin Wittek und André Neidt über die Situation von Jugendlichen im Rathenower Stadtzentrum berichteten. Die beiden wissen, wovon sie reden. Wittek und Neidt sind als Streetworker aktiv. Und versuchen an jene Kinder und Jugendliche heranzukommen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten und dabei nicht selten für Ärger sorgen. „Wir reden hier über junge Leute, die ihre Freizeit nicht wohlbehütet in der Familie oder in Vereinen verbringen, sondern sich draußen herumtreiben“, sagte André Neidt, der sich bei der Kreissportjugend um mobile Jugendarbeit kümmert. In der Rathenower Innenstadt seien rund 120 Jugendliche unterwegs, etwa 70 davon hätten massive Probleme.

Kathrin Wittek, die als klassische Streetworkerin tagtäglich mit der beschriebenen Klientel zu tun hat, nahm kein Blatt vor den Mund, als sie aufzählte, mit welchen Problemen sie in ihrer Arbeit konfrontiert wird. Die Liste wollte kein Ende nehmen: Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum, Gewalt, Vandalismus, Schulprobleme, Beziehungsprobleme, Rechtsextremismus, Schulden, Behördenärger, ungewollte Schwangerschaften. Es sei sehr schwer, an diese jungen Menschen heranzukommen, so Wittek. Mit der Welt der Erwachsenen und deren Angeboten befänden diese sich auf Konfrontationskurs. Als Streetworkerin müsse man sich das Vertrauen erarbeiten. Gleichzeitig gelte es, mögliche Auswüchse des Treibens zu verhindern. Vandalismus etwa sei fast schon an der Tagesordnung. Am Alten Hafen oder auf dem Märkischen Platz – zwei der bevorzugten Treffpunkte der jungen Leute – komme es immer wieder zu Beschädigungen.

Besonders schockierend wirkten die Ausführungen Witteks, als sie auf das Alter der jungen Leute zu sprechen kam. Die Spanne in der Gruppe reiche vom Kind bis zum Erwachsenen. Es gebe Zehnjährige, die in den Gruppen mitlaufen und sich am schlechten Vorbild der Älteren orientieren. Alkohol- und Drogenkonsum sei bei diesen Kindern fast schon normal. Auch die Bereitschaft, Konflikte mit Gewalt zu lösen, werde in der Gruppe regelrecht antrainiert. Die Kinder aus diesem Kreis wieder herauszubekommen. sei ausgesprochen schwierig. Denn in den meisten Fällen habe das Elterhaus als Orientierung gebende Instanz versagt. Die Kinder und Jugendlichen stammten oft aus Familien mit sozialen Problemen, in denen kein Wert auf Erziehung gelegt werde. Es gebe aber auch junge Leute, die auf die schiefe Bahn geraten, obwohl sie aus gutem Elternhaus stammen.

Um die jungen Leute wieder auf den richtigen Weg zu bekommen, muss man Angebote schaffen. Dass das funktioniert, erläuterte André Neidt an einem beeindruckenden Beispiel. Mittwochsabends öffne die Havellandhalle ihre Türen für junge Leute, die keinem Verein angehören und sich austoben wollen. Bis zu 50 Kinder und Jugendliche aus der beschriebenen Gruppe nähmen diese Angebot dankbar wahr. Und lernten dabei, dass es Alternativen gebe zum Herumlungern auf der Straße.

Große Hoffnungen setzen Neidt und Wittek in den Ride-Platz am Körgraben, der momentan im Aufbau ist. Hier werde man den jungen Leuten schnell und unbürokratisch alternative Freizeitmöglichkeiten anbieten können, sagte er. Das sei wichtig. Um junge Leute von der Straße wegzubekommen, müsse man ihnen sofort Angebote machen.

Einig waren sich die Abgeordneten, dass mehr Personal notwendig ist, um die Situation in den Griff zu bekommen. Und in dieser Frage konnte Vize-Bürgermeister Hans-Jürgen Lemle Hoffnung machen. Es gebe im Kreis ein Programm zur Förderung der Jugendsozialarbeit, sagte er. Man werde versuchen, aus diesem Topf Geld zur Kofinanzierung einer zweiten Streetworker-Stelle zu bekommen. Dass damit nicht alle Probleme beseitigt werden können, darüber waren sich alle einig. „Aber eine Entschärfung der Lage und eine Entlastung der Streetworker könnte erreicht werden“, so Lemle. Und das wäre doch schon mal etwas.

Von Markus Kniebeler

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