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Walter Aue beendet sein Zappa-Projekt

Strodehne Walter Aue beendet sein Zappa-Projekt

Der Strodehner Schriftsteller Walter Aue hat sich fünf Jahre von einem Berliner Kneipenkater inspirieren lassen. Mit dem jetzt erschienenen 10. Band der Reihe beendet er sein Zappa-Projekt. Doch Aue wäre nicht Aue, wenn er nicht was Neues im Schilde führte. Ein Hund namens Paco spielt bei den neuen Plänen die zentrale Rolle.

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Ein Relief des Kneipenkaters Zappa, der den Strodehne Schrifsteller Walter Aue zu zehn Büchern inspiriert hat.

Quelle: Markus Kniebeler

Strodehne. Man muss es Zufall nennen, aber seltsam ist es schon. Seit fünf Jahren schreibt der Strodehner Schriftsteller Walter Aue Bücher, die inspiriert sind von einem Kater, der in der legendären Berliner Kneipe „Zwiebelfisch“ zum Inventar gehört. Und just als Walter Aue den zehnten und letzten Band der Zappa-Reihe veröffentlicht hatte, stieß Zappa ein Unheil zu. Ein Unbekannter spritze dem Tier bei einem von dessen Streifzügen um den Savignyplatz Säure in die Augen. Zappa überlebte den Anschlag so gerade. Aber sein Platz im Zwiebelfisch ist seitdem verwaist. Der Kater ist seit dem Vorfall fast blind und so verängstigt, dass er die Wohnung seines Besitzers nicht mehr verlässt.

So fallen – völlig unbeabsichtigt und durch ein tragisches Ereignis befördert – das Ende des literarischen Zappa-Projekts und das Ende der Zappa-Ära im Zwiebelfisch zusammen. „Zappa. Wahre Begebenheiten“ lautet der Titel des letzten Bandes der Serie, die vor mehr als fünf Jahren mit dem Werk „Schultheiss mit Zappa“ begann. Entstanden sind die Bücher im Zwiebelfisch, wohin sich der heute 86-jährige Aue regelmäßig aus seinem Strodehner Landleben aufmachte, um sich vom großstädtischen Treiben in einer der geschäftigsten Ecken Charlottenburgs inspirieren zu lassen. Aue hat in den Zappa-Bänden Reflexionen und Beobachtungen zu dichten Texten vermischt. Betrachtungen zu Kunst und Literatur stehen neben Kommentierungen tagespolitischer Ereignisse. Und immer wieder bricht der Großstadtalltag in die Texte ein, unterbrochen von Erinnerungen des Autors an sein aufregendes Leben.

Zappa war dabei eine Art Alter Ego, das es dem Autor ermöglicht hat, über sich selbst zu schreiben und gleichzeitig Distanz zu wahren. „Ich habe Zappa benutzt, um über mich selber zu schreiben“, sagt Aue. Diese intensive Beschäftigung mit seinem zweiten „Ich“ habe sein Denken bereichert. „Und es hat mein Leben verlängert“, fügt Aue hinzu, und meint das ganz unpathetisch. „Schreiben heißt für mich Lebendig-Sein.“ Ohne Ziele, ohne Aufgabe werde das Dasein zum monotonen Einerlei. „Wer da sitzt, und auf den Tod wartet, der stirbt auch früher.“

Nach diesen Aussagen wird sich niemand darüber wundern, dass Aue auch nach dem Ende der Zappa-Reihe weiterschreibt. Und wieder wird ein Tier seine Gedanken beflügeln – kein großstädtischer Kneipenkater mehr, sondern ein havelländischer Dorfhund mit spanischen Wurzeln. Paco lebt seit einigen Jahren im Haushalt von Walter und Monika Aue auf dem Strodehner Backofenberg. Ihm kommt nun die Aufgabe zu, das Geschehen in seines Herrschens Kopf anzuregen und dem Wust an Einfällen für die literarische Fixierung Struktur zu verleihen.

Für Walter Aue war der Abschied von Zappa unausweichlich. „Ich habe gemerkt, dass meine Berliner Zeit zu Ende geht.“ Er habe genug von dem Großstadtgetriebe, und weil sein Bewegungsradius altersbedingt immer kleiner werde gestalteten sich die Ausflüge in die Hauptstadt zunehmend beschwerlicher. Und außerdem fühle der Dorfhund Paco sich im Zwiebelfisch alles andere als wohl.

Walter Aue mit seinem Hund Paco, der Zappa als Inspirationsquelle ersetzt

Walter Aue mit seinem Hund Paco, der Zappa als Inspirationsquelle ersetzt.

Quelle: Markus Kniebeler

Der Perspektivenwechsel, der mit dem Paco-Projekt einhergeht, ist enorm. Der Metropolenblick wird ersetzt durch einen ganz und gar dörfliche Beobachtungswinkel. Was Aue als große Herausforderung begreift. Es werde weniger Inspiration von außen geben, deshalb müsse seine Phantasie mehr liefern. Reduktion, Introspektive, Isolation, Einsamkeit – das seien die Themen, um die es unweigerlich gehen werde. „Ich habe über die ganze Welt geschrieben“, sagt Aue, der fast 20 Jahre lang Radio-Reportagen aus den entlegensten Orten verfasst hat. „Doch seit einigen Jahren werden die Kreise immer enger. Und jetzt bin ich hier in Strodehne an meinem innersten Kreis angelangt.“

Eines aber wird Walter Aue beibehalten. Schreiben wird er in der Kneipe, die es in Strodehne glücklicherweise noch gibt, und zu der er von seinem Haus nur ein paar Schritte laufen muss. Jeden Nachmittag wird er mit Paco, der im Lokal längst bekannt ist wie der sprichwörtliche bunte Hund, aufbrechen und sich für zwei, drei Stunden in die Arbeit versenken. Und wer dem Autor nicht so recht abnehmen will, dass er der Hauptstadt ade gesagt hat, der wird sich durch den Kneipennamen bestätigt fühlen: „Stadt Berlin“.

Von Markus Kniebeler

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