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Studenten lassen sich vom Dorf inspirieren

Bahnitz Studenten lassen sich vom Dorf inspirieren

Regelmäßig schenkt Kurator Bodo Rau den Westhavelländern in der Bahnitzer Kunsthalle eine Ausstellung mit internationalen Künstlern. Nun ging er mit 16 Kunststudenten aus fünf Ländern auf eine ländliche Entdeckungsreise. Besonders für die Städter unter ihnen wurde das Projekt zu einem Abenteuer.

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Studenten der HfBK Dresden mit Bodo Rau (2. r.) in der Kunsthalle Bahnitz. Hier haben sie ihre Erlebnisse produktiv verarbeitet.

Quelle: Christin Schmidt

Bahnitz. Selbst für Havelländer, die Weite und Abgeschiedenheit gewohnt sind, ist das Sackgassendorf Bahnitz ein bisschen so was wie das Ende der Welt im positiven Sinne – ländliche Idylle pur. Verkehr gibt es hier kaum, dafür ist die Künstlerdichte umso höher. In den letzten Tagen stieg diese noch einmal merklich an, denn 16 Studenten der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK) sind derzeit zu Gast in Bahnitz. Kurator Bodo Rau, der dem Dorf jährlich eine große Ausstellung mit internationalen Künstlern in der Kunsthalle Bahnitz schenkt, hatte die Studenten eingeladen.

„Im Studium arbeiten wir normalerweise ohne Vorgaben, ohne ein Thema. Das ist hier anders“, verrät die 33-jährige Christina, die in den letzten Tagen unter anderem intensiv an einer Installation gearbeitet hat. Zum Teil sogar bis 3 Uhr nachts. „Ich habe es etwas übertrieben“, gesteht die junge Frau mit einem Lächeln. Ihr Tatendrang ist wohl ein Zeichen dafür, dass Bodo Raus Idee aufgegangen ist.

Er hatte die Studenten unter dem vielschichtigen Motto „Leben_Zeit_Raum“ auf eine ländliche Entdeckungsreise geschickt. Dabei ging es ihm nicht so sehr darum, ein Werk zu erschaffen. „Wichtig ist, dass wir uns Zeit nehmen und uns auf die Umgebung einzulassen, um dann mit Lockerheit an die Arbeit zu gehen. Es geht um die Erfahrungen, die wir hier sammeln“, erklärt Kunststudent Karl.

Zum ersten Mal Unkraut gezupft

Begeistert berichtet die internationale Studentengruppe – darunter Teilnehmer aus der Türkei, Griechenland, Korea, Lettland und Italien – von einem Spaziergang mit einem Ornithologen, dem Vortrag eines Architekten, einer Führung im Milchgut Bahnitz und zahlreichen Ausflügen mit dem Rad in der Umgebung. Sogar beim alljährlichen Frühjahrsputz packten sie mit an, mischten sich unter die Dorfbevölkerung und sammelten Eindrücke. Für eine Studentin gab es sogar eine Premiere. „Zum ersten Mal in ihrem Leben zupfte sie Unkraut“, verrät Bodo Rau.

Arbeiten in ländlicher Idylle

Arbeiten in ländlicher Idylle. Die Studenten genossen die entspannte Atmosphäre in Bahnitz.

Quelle: Christin Schmidt

In der Kunsthalle wurden die Eindrücke dann verarbeitet. Installationen, Projektionen, Fotos, ein Film – jeder Student hat sich auf seine Art mit dem Thema auseinandergesetzt. Entstanden sind dabei Einzel- aber auch Gruppenprojekte. „Wir helfen uns gegenseitig“, erzählt Karl, während er mit einer Bohrmaschine an einem Holzrahmen hantiert. Er kommt aus Berlin, ist ein waschechter Stadtmensch und genießt die Auszeit auf dem Land in vollen Zügen.

„Anfangs waren einige von uns durchaus skeptisch, mittlerweile sind wir aber alle begeistert von diesem Ort. Für mich ist das Urlaub, ein richtiges Abenteuer“, verrät Karl und seine Kommilitonin Carla fügt hinzu: „Wir konnten hier wirklich das Tempo des Dorfes kennenlernen.“ Dankbar sind sie Bodo Rau, dass er sie nicht dem Druck ausgesetzt hat, etwas zu erschaffen. „Ihm ist wichtig, was wir mitnehmen, nicht, was wir hier lassen“, sagt Karl.

Untergebracht sind die Studenten im alten Schulhaus, in Ferienwohnungen und bei Familie Dombrowski. „Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung der vielen Helfer, des Landkreises Havelland, der HfBK, des Rathenower Unternehmens Holz-Tiro, des Bahnitzer Kulturvereins und des Milchguts Bahnitz, die dieses Projekt ermöglicht haben“, betont Bodo Rau. Am Samstag um 12 Uhr werden die Stundenten ihre Arbeiten in der Kunsthalle der Öffentlichkeit präsentieren.

Bis Montag ist die Ausstellung jeweils von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Wer einmal Kunst schaukelnd erleben möchte, sollte sich unbedingt Zeit für einen Besuch nehmen. Eine Woche später ist die internationale Ausstellung in der Kunsthalle zu sehen.

Von Christin Schmidt

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