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Sturmexperten: „Es war ein Tornado“

Unwetter im Havelland: Eindeutiges Urteil Sturmexperten: „Es war ein Tornado“

Der Sturm, der am 13. Juni in Rathenow große Verwüstungen angerichtet hat, war ein Tornado. Das sagt der Pritzerber Cevin Dettlaff, der sich mit der Materie auskennt. Dettlaff hat vor fünf Jahren mit Gleichgesinnten die Gruppe „Stormchaser Brandenburg“ gegründet.

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Das Dach dieses Bürohauses in der Milower Landstraße wurde vom Tornado komplett heruntergeweht.

Quelle: M. Kniebeler

Rathenow. Die Sturmjäger Brandenburg, so lautet die Übersetzung des Gruppennamens, haben es sich zum Ziel gesetzt, Stürme ausfindig zu machen und zu dokumentieren. Um zu erkennen, wo sich ein Gewitter entwickeln könnte, studieren die Sturmjäger Wetterprognosen und machen sich dann, ausgestattet mit Laptops und Kameras, auf den Weg an die Unwetterfront.

Dettlaff zufolge entstand die Unwetterzelle an jenem Samstagnachmittag gegen 16.30 Uhr in Genthin und zog von dort nordwärts. Gegen 17.30 Uhr habe sich das Unwetter im Süden der Stadt Rathenow entladen und tornado typische Schäden angerichtet. Das Dach eines Bürogebäudes in der Milower Landstraße sei komplett heruntergeweht worden.

Eine gemauerte Giebelwand am selben Ort habe der Sturm regelrecht herausgerissen. Den endgültigen Beweis für die Tornado these aber habe ein Feuerwehrmann aus Genthin geliefert, der an jenem Samstagnachmittag von Zabakuck die für einen Tornado typische trichterförmige Wolkenformation über Rathenow fotografierte.

Aufs falsche Pferd gesetzt

Dettlaff und seine Sturmjägerkollegen selbst hatten am 13. Juni, flapsig ausgedrückt, aufs falsche Pferd gesetzt. Gegen Mittag hatten sie sich, nach ausgiebigem Studium des Wetterradars, über Nauen nach Frankfurt/Oder begeben, weil sie dort mit einem Unwetter rechneten. Als sich am Nachmittag Dettlaffs Freundin, die in Pritzerbe geblieben war, meldete und von schwarzen, sich drehenden Wolken berichtete, schwante den Sturmjägern, dass sie besser zu Hause geblieben wären.

Hastig traten sie die Rückreise an. Das Unwetter selbst erlebten sie zwar nicht mehr, aber die Schäden – vor allem die Verwüstungen im Süden Rathenows – wurden begutachtet und dokumentiert. Mittlerweile hat der Experte Thomas Sävert, der die Internetseite „Tornadoliste Deutschland“ betreibt, die ihm von den Stormchasern zur Verfügung gestellten Dokumente gesichtet und ein eindeutiges Urteil gefällt: Es habe sich um einen F1-Tornado gehandelt.

Also einen Wirbelsturm der schwächsten Kategorie (die Stufeneinteilung geht bis F 5), der mit Geschwindigkeiten von 117 bis 180 Stundenkilometern eine rund 100 Meter breite und 500 Meter lange Schneise der Verwüstung im Süden Rathenows hinterlassen habe.

Zerstörerische Kraft

„Es ist der erste Tornado in unserer Region, den wir dokumentiert haben“, sagt Dettlaff. Vorstufen seien immer wieder beobachtet worden, so genannte Funnelclouds. Aber erst wenn diese Trichterwolken Kontakt zum Boden bekämen, entfalte der Tornado seine zerstörerische Kraft. Wie am 13. Juni geschehen.

Dettlaff erklärt übrigens auch, dass die Schäden und der tödliche Unfall auf dem Bugagelände am selben Samstagnachmittag nicht durch den besagten Tornado verursacht worden seien. Die Schneise, die der Wirbelwind geschlagen habe, sei so breit nicht gewesen. Die Verwüstungen auf dem Weinberg und im Optikpark seien durch eine heftige Gewitterböe angerichtet worden, genauer gesagt durch einen so genannten „Downburst“ (Fallböe). Die Schäden – umgeknickte Bäume verbunden mit Hageleinschlag – wiesen eindeutig auf eine Fallböe hin.

Von Markus Kniebeler

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