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Sumpfzypressen und mächtige Platanen

Naturlehrpfad Groß Behnitz Sumpfzypressen und mächtige Platanen

Der Naturlehrpfad um den Groß Behnitzer See wurde vor genau 50 Jahren angelegt. So wurden Bäume mit kleinen Schildern gekennzeichnet sowie Rastplätze mit Tischen und Bänken an Aussichtspunkten angelegt. Neben Exoten wie Sumpfzypressen sind auch mächtige Eichen oder Buchen zu sehen.

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Vom Lehrpfad aus bieten sich schöne Ausblicke über den Groß Behnitzer See. Quelle: Andreas Kaatz

Groß Behnitz. Ein leichter Wind weht durch die Baumwipfel, die Zweige wiegen sich hin und her. Im Schilf hat sich irgendwo ein Drosselrohrsänger versteckt, der mit seinem Gesang auf sich aufmerksam macht. Und vorn auf dem schmalen Weg zwischen Elsenbruch und Groß Behnitzer See sind gegenüber rechts und links jeweils freie Stellen in der Ufervegetation zu sehen, wie ein kleiner Übergang. „Das ist ein Wechsel, den der Fischotter nutzt. Den haben wir hier seit geraumer Zeit, ebenso wie den Biber“, sagt Manfred Kolbe.

Der 79-jährige Groß Behnitzer ist sein ganzes Leben lang mit der Natur verbunden. Zuletzt war er lange Zeit Vorsitzender des Nabu-Regionalverbandes Osthavelland. Heute führt er gelegentlich Besucher auf dem Naturlehrpfad um den See herum. Vor genau 50 Jahren wurde der Weg angelegt.

„Das Besondere ist, dass hier nicht nur die landläufigen Pflanzen stehen, sondern auch außergewöhnliche“, sagt Kolbe. Neben Rotbuchen, Stiel- und Traubeneichen oder auch der spätblühenden Traubenkirsche finden sich dort Exoten wie die mächtigen Platanen, die rund 300 Jahre alt sind und einen Umfang von mehr als sechs Metern haben. Beeindruckend auch die Sumpfzypressen, die eigentlich im Mittelmeeraum ihr Zuhause haben. Weniger auffällig ist dagegen die nordamerikanische Gurkenmagnolie. Zu verdanken sind diese und andere Pflanzen größtenteils dem Grafen Peter von Itzenplitz und den späteren Gutsbesitzern Albert und Ernst von Borsig.

Bei so viel botanischen Schätzen lag es nahe, etwas mehr daraus zu machen, eben einen Naturlehrpfad. „Es ging darum, der Bevölkerung, die ohnehin den Park besucht hat, zu zeigen, was hier so wächst. Die Idee dazu hatte Gerhard Zimmermann, der damalige Kreisnaturschutzbeauftragte“, sagt Kolbe, damals Chef des Kulturbundes im Kreis Nauen. Zwar hatte auch er sich damals mit eingebracht, doch eingerichtet wurde der Naturlehrpfad vor allem von dem Lehrer Karl-Joachim Giese. „Er war dabei federführend“, erinnert sich Manfred Kolbe. Aber auch andere hatten sich an dem ehrenamtlichen Projekt beteiligt – etwa, als es darum ging, die Schilder anzufertigen. „In erster Linie wurden Bäume gekennzeichnet und es entstanden an mehreren Stellen Plätze mit Tischen und Bänken“, sagt Manfred Kolbe.

An einem dieser Plätze hat der Wanderer einen schönen Blick über den See in Richtung Gut. Die alten, verwitterten Tische und Bänke sowie die Schutzhütte stammen noch aus der Anfangszeit des Lehrpfades. Eine andere Stelle – genannt „Aussicht“ – hat auch schon die Familie Borsig geschätzt. Sie ließ dort Theaterstücke aufführen. Allerdings konnten die Gäste damals noch am anderen Ufer das Schloss erblicken, das dann 1947 abgebrannt ist.

Zu einem der Rastplätze hat auch Manfred Kolbe sein ganz persönliches Erlebnis. Als er 1964 nach Groß Behnitz zog, kam ihm die Stelle sehr bekannt vor. „Da erinnert ich mich, dass ich 1953 auf der Rücktour von der Ostsee mit dem Fahrrad genau dort Station gemacht hatte“, sagt er. Und auch damals konnte er mit seinen Begleitern schon Höckerschwan und Haubentaucher oder auch den Graureiher beobachten.

„Neuerdings haben wir im Elsenbruch ein Kranichpaar, das hier brütet“, sagt Manfred Kolbe, der am See auch schon mehrere Eisvögel gefangen und anschließend beringt hat. Zudem weiß er, dass sämtliche Spechtarten in der Gegend ihr Zuhause haben, ebenso wie der Waldkauz. Im Herbst/Winter schaut mittlerweile auch hin und wieder mal der Silberreiher vorbei.

Die Broschüre „Wanderungen durch den Kreis Nauen“ aus den 70er-Jahren berichtete zudem von botanischen Kuriositäten auf dem Naturlehrpfad. Da ist die Rede vom Zwilling – zwei zusammengewachsene Buchen –, der heute nur noch zu erahnen ist. Auch vom „Drilling“ ist nicht mehr allzu viel übrig. Trotzdem beeindrucken noch heute viele Bäume durch ihre kräftige Erscheinung. „Es ist gut, dass die alten Bäume hier nie genutzt worden sind. So konnten sie immer weiter wachsen“, sagt Kolbe, der auf Wunsch auch im Frühjahr Führungen macht, wenn der Pestwurz rosarot blüht oder aber Waldmeister, Maiglöckchen oder der vielblütige Weißwurz mit ihren Blüten das Auge erfreuen.

Kolbe freut sich zudem, dass der Naturlehrpfad von den Menschen gut angenommen wird, „viele Hotelgäste laufen um den See“. Allerdings ist dies nicht mehr überall sehr gut möglich. Unterhalb des Dorfes ist der Weg stark zugewachsen und kaum begehbar.

So führt der Rückweg zum Gut wieder dort entlang, wo der Fischotter von einem Gewässer zum anderen wandert. Plötzlich knackt es. Nein, kein Fischotter. Ein Schwan führt seine Jungen zum See.

Von Andreas Kaatz

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