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Syrer und Deutsche picknicken gemeinsam

Ketzin/Havel Syrer und Deutsche picknicken gemeinsam

Die ersten Wochen und Monate in ihrer neuen havelländischen Heimat waren für die syrischen Familien, die in Ketzin/Havel untergekommen sind, strapaziös. Am Sonnabend entspannten sie im Strandbad bei einem Picknick, das sie gemeinsam mit ihren Unterstützern aus der örtlichen Willkommensinitiative organisiert hatten.

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Syrische Asylbewerber und Mitglieder der Ketziner Willkommensinitiative bei ihrem Treffen im Strandbad.

Quelle: Wolfgang Balzer

Ketzin/Havel. Susanne Weber, Architektin in Ketzin/Havel, tobte unermüdlich mit den Jüngsten der syrischen Asylbewerberfamilien im Nichtschwimmerbereich des Ketziner Strandbades. Vier syrische Familien und ihre Ketziner Freunde und auch Unterstützer der Ketziner Willkommensinitiative deckten inzwischen die lange Tischreihe im Strandbad.

Nach den ersten recht anstrengenden Wochen des Aufenthaltes in ihrer neuen Heimat wollten sie alle diesen Nachmittag gemeinsam bei einem entspannten Picknick verbringen. „Wir hatten den ganzen Nachmittag gemeinsam viel Spaß“, meinte Sabine Kleinert am Sonnabend. Sie hilft beim Sprachunterricht und bei gemeinsamen Touren mit dem Boot lernten die Gäste aus dem zerbombten Syrien die schöne Ketziner Umgebung kennen. So seien echte Freundschaften entstanden, erzählte die pensionierte Lehrerin und ihr Gatte Peter hatte auch gleich noch ein Anliegen an die Stadt. Die syrischen Kinder müssten unbedingt in einem Schwimmkurs schwimmen lernen. Allerdings könnten die syrischen Familien die fast 100 Euro je Kind nicht aufbringen.

„Wir sind seit zehn Monaten hier und viele haben geholfen, uns hier einzuleben“, ist Khaled Azous aus Syrien froh, mit seiner Familie so gut aufgenommen worden zu sein. Und er lobte in schon recht gutem Deutsch auch gleich noch das Engagement der Lehrer in Ketzin/Havel beim Unterricht seiner Kinder. Und weil seine Frau wegen der notwendigen Betreuung der Kinder nicht so wie er am Deutschkurs teilnehmen könne, sei mindestens einmal pro Woche die Abiturientin und angehende Lehrerin Sofie Reinschlüssel in Zachow und übe mit seiner Frau Rima die nicht ganz einfache Sprache in der neuen Heimat, lobte er.

Manchmal bedarf es offensichtlich eines aufrüttelnden Anlasses. So schilderte an diesem entspannten Nachmittag an der Havel Winfried Köhler aus dem Ortsteil Zachow seine Beweggründe. „Als in Nauen die Turnhalle brannte, habe ich mich spontan als Pate für die Flüchtlinge beworben“, sagte er. Gemeinsam mit seiner Frau Waltraut ist er inzwischen den syrischen Familien in Ketzin/Havel bei Behördengängen behilflich, begleitet sie und die Jugendlichen aus dem Kinderheim zu Arztbesuchen und hilft beim Ausfüllen von Formblättern.

Ganz unbeeindruckt bolzt Ibrahim (18) mit seinen Freunden noch immer beim Fußball. In schon recht gutem Deutsch erzählte er, dass er, inzwischen volljährig, aus dem Ketziner Kinderheim in das Nauener Asylheim umgezogen ist, aber noch immer die Ketziner Fontane-Oberschule besucht. Seine Stimme in diesem kurzen Gespräch wird leiser. Er vermisse seine Familie, die noch in Homs tagtäglich unter lebensgefährlichen Umständen lebe, sagte er. Außerdem würde er lieber mit seinen Freunden in einer Wohngemeinschaft wieder in Ketzin/Havel wohnen. Sein Berufswunsch: Pilot. Zunächst bemühe er sich aber, in den Sommerferien an der Falkenseer Volkshochschule einen Deutschkurs zu belegen.

Von Wolfgang Balzer

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