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Tausende Antaris-Fans tanzen auch im Regen

Stölln Tausende Antaris-Fans tanzen auch im Regen

Das diesjährige Antaris-Musikfestival auf dem Gollenberg bei Stölln (Havelland) war von Regen und Kälte gekennzeichnet. Doch die zu Tausenden angereisten Besucher hat es wenig gestört, sie tanzten mit viel Spaß auch barfuß im Matsch. Ärzte und Notfallsanitäter hatten im Unterschied zu den sonst meist heißen Tagen viel weniger zu tun.

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Ob nass, ob kalt – die Antarianer hat es nicht gestört. Nächtelang haben sie wieder durchgetanzt.

Quelle: Christin Schmidt

Stölln. Wer in diesem Jahr auf dem Antaris-Festival mittanzen wollte, musste sich zunächst in Geduld üben. Die große Anreisewelle steckt am Freitagabend erst einmal im Stau. Bis zu sieben Stunden warten einige Antarianer, um auf das Gelände zu gelangen.

War das Wasser vor zwei Jahren eine Mangelware, schickt Petrus in diesem Jahr so viel Regen, dass sich das Festivalgelände in ein Feuchtgebiet verwandelt. Die Folge: Der Bezug des mehrere Hektar großen Zeltplatzes gestaltet sich als ein äußerst schwieriges Unterfangen. Die Gäste, die auch in diesem Jahr wieder zu Tausenden aus aller Herren Länder kommen, müssen ihre Zelte, Wohnwagen und andere kreative Behausungen im Dauerregen aufbauen.

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Tausende Besucher ließen sich beim diesjährigen Antaris-Festival von Regen und Kälte die Laune nicht vermiesen. Wie in jedem Jahr tanzten sie ausgelassen zur Musik – notfalls auch barfuß oder in Gummistiefeln.

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Die Wassermassen von oben fordern auch die Einsatzkräfte, denn die Wege verwandeln sich schnell in schlammige Bahnen. Diese mit Rettungswagen oder den schweren Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr zu passieren, ist nahezu unmöglich. Doch wie in jedem Jahr finden Veranstalter und Einsatzkräfte gemeinsam Lösungen.

Entspanntes Wochenende für Notfallsanitäter

„Wir haben kurzerhand leichtere Fahrzeuge für unsere Zwecke umgerüstet, der Veranstalter besorgte eine Walze und Stroh, um die Wege passierbar zu machen. Außerdem haben wir in der Nähe der Tanzfläche eine zusätzliche Unfallhilfestelle eingerichtet und es sind verstärkt Fuß-Patrouillen unterwegs, um näher am Geschehen dran zu sein“, erklärt der Notfallsanitäter Rayk Sommer.

Der Rathenower gehört inzwischen zum Antaris-Festival wie der wummernde Bass und die exotischen Gäste. Seit Jahren leitet er hier den Einsatz der Sanitäter, die wieder mit drei Ärzten und zwölf Notfallsanitätern rund um die Uhr vor Ort waren.

Trotz des bis Samstagabend andauernden Regens ist es für Rayk Sommer und seine Kollegen das bisher entspannteste Festival. „Die Nacht zum Sonntag verlief außerordentlich unaufgeregt. Es war die ruhigste Samstagnacht seit Beginn der Antaris in Stölln“, resümiert der Festival-erprobte Notfallsanitäter. Rund 650 Hilfeleistungen von Donnerstag früh bis Montagabend, so lautet die vorläufige Antaris-Bilanz der Sanitäter.

Barfuß, mit Gummistiefeln oder mit Mülltüten an den Füßen

Diese liegt deutlich unter dem bisherigen Durchschnitt von rund 1300 Hilfeleistungen. Dass es im Vergleich zu den anderen Jahren relativ wenig Arbeit für die medizinischen Hilfskräfte gibt, ist auch der Wetterlage geschuldet. „Bei Sonnenschein neigen die Leute eher dazu, sich zu verausgaben“, meint Sommer. Zudem würden die Gäste sehr vernünftig handeln. Die inzwischen obligatorischen Ansprachen Sommers an die Festivalgäste kommen gut an und sensibilisieren die Gäste.

Rayk Sommer und sein Team sind noch bis Montagabend vor Ort, genau wie die vielen ehrenamtlichen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr, die dafür sorgen, dass die Antarianer nach ihrem Ausflug auf den Planeten Antaris wieder sicher auf der Erde landen. Der guten Stimmung konnte der Regen ohnehin nur wenig anhaben. Ob barfuß, in Flip-Flops, Gummistiefeln oder mit Mülltüten umwickelten Füßen – der Stöllner Acker wird wieder ausgiebig bearbeitet.

Dieses Mal staubt es dabei nicht, stattdessen fliegt der Matsch zum Beat. „Antaris ist eines der schönsten Festivals, die Dekoration hier ist einfach einmalig“, lobt Omry aus Israel. Er reist derzeit mit einem Freund durch Europa zu fünf verschiedenen Psychedelischen Trance-Festivals. Einziger Wermutstropfen: „Die zehn Euro für Duschen und Toilette finde ich nicht so gut, das gibt es auf anderen Festivals umsonst“, sagt Omry. Für ihn ist es der erste Besuch in Stölln.

Marktmeile bietet Trockenheit

Margaritha aus Griechenland ist dagegen schon Antaris-erprobt. Direkt neben der zweiten Tanzfläche versorgt sie die Gäste mit heißem Chai und Kakao. „Der Bass geht einem manchmal schon ein bisschen auf die Nerven, aber wir haben Ohrstöpsel, die helfen“, erklärt die sympathische Frau, während sie den Kakao mit Ingwer, Zimt und Cayennepfeffer würzt. Wer den intus hat, dem kann das feuchte Wetter sowieso nichts anhaben. Ein Schild verspricht sogar Rabatt für alle Kunden, die Margaritha ein Lächeln schenken. Das gibt es nur auf der Antaris. Genau wie die kulturelle und kulinarische Vielfalt, die auch in diesem Jahr wieder die Gäste begeistert.

Beliebt sind die Stände und Zelte entlang der Marktmeile aber nicht nur wegen der heißen Suppen, Currys oder vitaminreichen Drinks, die angeboten werden. Zahlreiche Gäste drängen sich hier dicht zusammen, um zumindest für einige Zeit im Trockenen zu stehen. Derweil tanzen die ganz Hartgesottenen barfuß im Bikini unter der bunten, regendurchlässigen Deko auf einer der beiden Tanzflächen im Matsch. Sie haben ihre eigenen Geheimrezepte gegen kalte Füße und trotzen dem Regen mit einem seligen Lächeln.

Zur eingeschworenen Antaris-Gemeinde gehört auch Roshanak. Die gebürtige Iranerin aus Dänemark ist schon zum vierten Mal hier auf dem Gollenberg mit dabei. Sie verkauft mit Freunden in einem der vielen bunten Zelte entlang der Marktmeile Schmuck und die typische Festivalkleidung – kurze Röcke aus Leder, weite Pluderhosen oder Leggins mit wildem Muster. Die knappen Oberteile sind in diesem Jahr weniger gefragt. Roshanak hofft, dass sich das nächstes Jahr ändert. Dann wird sicher die 24. Antaris in Stölln gefeiert und wenn alles gut, geht gibt es auch wieder mehr Sonnenschein.

Von Christin Schmidt

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