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Parlamentarier der ersten Stunde

25 Jahre Abgeordneter Parlamentarier der ersten Stunde

Vor 25 Jahren tagte die erste freigewählte Stadtverordnetenversammlung von Falkensee. Mit dabei: Thomas Fuhl. Der Christdemokrat ist bis heute als einziger Abgeordneter ohne Unterbrechung im Stadtparlament. MAZ sprach mit ihm über Anfänge, Visionen und Enttäuschungen.

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Lebhaft und mit einem Schuss guter Laune: Thomas Fuhl.

Quelle: Peter-Paul Weiler

Falkensee. Seit 25 Jahren sitzt Thomas Fuhl in der Falkenseer Stadtverordnetenversammlung. Er war einer der 14 CDU-Abgeordneten in der ersten frei gewählten SVV, die am 31. Mai 1990 erstmals zusammengetreten war. Fuhl ist der einzige Abgeordnete, der dem Stadtparlament seitdem ohne Pause angehört.

MAZ: Können Sie sich noch an den ersten Beschluss erinnern?

Thomas Fuhl : Das war wohl was Formelles. Muss ich nachschauen....Bestätigung der Feststellung der Gültigkeit der Wahl vom 6. Mai 1990.

Wie sind Sie zum Abgeordneten geworden?

Fuhl: In der DDR haben wir viel gemeckert, über das politische System und über die Mangelwirtschaft. Dann kam die Wende wie ein Wunder. Alles war neu. Ich stellte mir die Frage, ob ich in den Westen gehe, um in der Wirtschaft zu lernen, oder ob ich in meiner Heimatstadt bleibe und den Familienbetrieb weiterführe. Ich bin geblieben. Und dann wollte ich auch mitgestalten.

Hatten Sie Erfahrungen in der politischen Arbeit?

Fuhl: Ich nicht, aber in meiner Familie durchaus. Mein Schwiegervater Manfred Koslowski wurde 1990 in die Volkskammer gewählt, war später im Bundestag. Ich trat in die CDU ein, der ich mich als gläubiger Katholik am nächsten fühlte, und legte los.

Was ist rückblickend die wesentliche Leistung der Falkenseer?

Fuhl: Hört sich vielleicht nüchtern an, aber ich fand wesentlich, dass es so gut mit den Finanzen stimmte. Die gute Finanzlage war auch dem Aufschwung der Stadt, dem Zuzug und den gestiegenen Zuweisungen geschuldet. Wir haben gut und nicht leichtsinnig gewirtschaftet. Dazu zählt, dass wir früh den Schwerpunkt auf die Schulen und Kitas gesetzt haben. Da sind Millionen und Abermillionen geflossen, aber die guten und vielfältigen Schulmöglichkeiten sind ja neben der Berlinnähe ein wichtiger Grund dafür, dass sich Familien hier ansiedeln.

Was lief nicht so gut?

Fuhl: Die Verkehrsprobleme sind nicht gelöst. Ich bin ein klarer Befürworter der Nordumfahrung, aber ich glaube nicht mehr an sie. Das Land wird doch nicht Geld für ein Projekt ausgeben, wo wir uns nach außen wie ein zerstrittener Haufen darstellen. Ohne die Hoffnung auf die Nordumfahrung hätte ich einige Beschlüsse anders gefasst, mit den drei Tunneln bin ich nicht glücklich, die Bahntrasse zerschneidet die Stadt, die Bahn hätte man über eine hochgelegte Trasse führen können.

Gibt es etwas, was Sie besonders bekümmert?

Fuhl: Ja, die Klärung der Eigentumsverhältnisse nach der Wende war hart. Das Prinzip „Rückgabe vor Entschädigung“ hat viele Leute in Falkensee gezwungen, ihr Haus oder ihre Firma aufzugeben. Das war bitter. Von den 20000 Einwohnern, die Falkensee vor 25 Jahren hatte, ist die Hälfte weggegangen. Aus verschiedenen Gründen, aber viele wurden gewissermaßen vertrieben.

Was bleibt Ihnen mit Rückblick auf das vergangenen Vierteljahrhundert besonders in Erinnerung?

Fuhl: Das sind ja weniger die Endlossitzungen und Diskussionen. Ich denke an die gigantische Einweihung von Herlitz, für mich ein stilistisch gelungener Logistikbau, wie man ihn selten findet. Ich denke aber auch an die schönen Feste, die wir etwa bei 100 Jahre Feuerwehr oder 100 Jahre Fußball in Falkensee gefeiert haben.

Sie sind als gesellig, offen, geradeheraus bekannt. Bringen Sie das in die Stadtverordnetenversammlung ein?

Fuhl: Naja, meinen Charakter und mein Temperament lasse ich nicht draußen. Ich bin dafür, miteinander zu reden. Untereinander, auch unter den Fraktionen. Wir hatten ein gutes, effektives System, Dinge bereits auf der Ebene der Fraktionsvorsitzenden auszuloten. So wurden nicht in der SVV jedes mal Grundsatzdebatten geführt. Die Zusammenarbeit mit Udo Appenzeller von der SPD und Rosemarie Thürling von der PDS war sehr gut. Das hat einfach Freude gemacht. Ich hoffe, wir finden wieder zu so einem produktiven Klima, wenn sich die Stadtverordnetenversammlung mit den vielen neuen Mitgliedern gefunden hat und den Bürgermeisterwahlkampf überstanden hat.

Ihnen selbst wurden schon mehrmals Ambitionen für den Bürgermeisterposten nachgesagt?

Fuhl: Ich traue mir das zu, kann aber auch an anderer Stelle wirken. Ich habe ja schon vieles gemacht:: Fraktionsvorsitzender, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, Vorsitzender des Finanzausschusses. Jetzt stellvertretender Vorsitzender im Hauptausschuss, Mitglied im Bauausschuss und Umlegungsausschuss. Mal sehen, wie es weitergeht.

Geht es weiter, oder werden Sie nach 25 Jahren langsam abgeordneten-amtsmüde?

Fuhl: Ich werde nicht amtsmüde. Ich lebe und arbeite gern in dieser Stadt. Sie ist liebenswert und einzigartig. Das fängt schon mit dem Namen an.


Von Marlies Schnaibel

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