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Tierischer Aufprall

Im Herbst haben Wildunfälle Hochsaison Tierischer Aufprall

Jetzt im Herbst ereignen sich auch im Havelland besonders viele Wildunfälle. Die Tiere überqueren die Straßen, um an ihre bevorzugte Nahrung zu gelangen. Vor allem in der Dämmerung morgens und abends ist das Wild aktiv.

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Havelland. An die nächtlichen Anrufe hat sich Udo Appenzeller inzwischen gewöhnt. Jedes Jahr um diese Jahreszeit klingelt das Telefon des Falkenseer Jägers vermehrt auch noch zu später Stunde.

Am Apparat ist die Polizei, die ihn zu einer Unfallstelle herbeiruft, damit er einem verendeten Wildtier den Gnadenschuss setzt. Jetzt im Herbst ereignen sich auch im Havelland besonders viele Wildunfälle. Die Tiere überqueren die Straßen, um an ihre bevorzugte Nahrung zu gelangen. "Das betrifft Reh- und Damwild sowie Wildschweine, aber auch Füchse, Waschbären und Marder", erklärt Udo Appenzeller, der auch im Vorstand des brandenburgischen Landesjagdverbandes sitzt. Das Schwarzwild komme in diesem Herbst hingegen kaum aus den Wäldern heraus, weil das Angebot an Eicheln, Bucheckern und Pilzen dort in diesem Jahr besonders reichhaltig ist und sie sich ausreichend sattfressen können.

Vor allem in der Dämmerung morgens und abends ist das Wild aktiv. Daher habe sich das Problem durch die Umstellung auf die Winterzeit am vergangenen Wochenende auch noch verschärft, so Udo Appenzeller: "Jetzt sind genau zur Dämmerung die meisten Autofahrer auf der Straße."

Besonders gefährlich ist es laut Appenzeller derzeit auf drei Strecken: auf der Schönwalder Straße zwischen Falkensee und Schönwalde-Glien, auf der L20 in Richtung Groß-Glienicke kurz hinter Seeburg sowie auf der parallel zur Autobahn verlaufenden L161 zwischen dem Kreisverkehr und Paaren im Glien.

Doch auch andernorts sollten Autofahrer ihre Fahrweise in diesen Tagen anpassen. Die Folgen einer Kollision können verheerend sein. Udo Appenzeller verweist auf Zahlen des ADAC, des Allgemeinen Deutschen Automobil Clubs: Demnach entwickelt ein Rothirsch bereits bei einem frontalen Zusammenstoß mit Tempo 60 ein Aufprallgewicht von fünf Tonnen ‒ das entspricht dem Gewicht eines Elefanten. Ein Wildschwein wirkt auf diese Weise wie ein Nashorn, ein Rehbock wie eine Kuh. "Insbesondere auf Strecken, auf denen mit Schildern vor Wildwechsel gewarnt wird, ist deshalb die Geschwindigkeit anzupassen", sagt Stefan Jarmicki von der Polizeiinspektion im Havelland. Kreuzen Tiere die Straße, sollte man bremsen, das Fahrlicht abblenden und hupen.

Falls ein Unfall unausweichlich ist, empfiehlt Jarmicki, die Kollision in Kauf zu nehmen. "Ausweichmanöver können am Alleebaum oder im Gegenverkehr enden", sagt er, und so noch größeren Schaden verursachen. Anschließend ist die Polizei zu informieren. "Manchmal dauert es eine Weile, bis die Beamten eintreffen, weil Wildunfälle nicht unbedingt bevorzugt behandelt werden", spricht Udo Appenzeller aus Erfahrung. Trotzdem sollten Autofahrer auf keinen Fall selbst zur Tat schreiten, das tote Tier einfach in den Kofferraum räumen und weiterfahren. "Das wäre Wilderei", warnt Appenzeller. "Außerdem sehen gerade Wildschweine häufig nur tot aus. Wenn man da rangeht, kann das unangenehm enden."

Mit verschiedenen Maßnahmen versuchen die Jäger ihrerseits, Wildunfälle zu verhindern. Das Allheilmittel ist jedoch noch nicht gefunden. Zäune sind zwar effektiv, aber teuer; außerdem wird so der genetische Austausch verhindert, der für einen gesunden Wildbestand aber enorm wichtig ist. Reflektoren an den Leitpfosten am Straßenrand, die das Scheinwerferlicht zu einem blauen Band bündeln, das auf Tiere wie eine Barriere wirkt, funktionieren nur nachts. Auch die sogenannte olfaktorische Vergrämung, bei der spezieller Duftschaum, Deospray, Rasierwasser oder andere nach Mensch riechende Stoffe versprüht werden, wirkt nicht hundertprozentig. "Die Tiere begreifen schnell, dass es nur ein Trick ist", sagt Udo Appenzeller.

Im heimischen Garten kann das Prinzip jedoch funktionieren. Appenzellers Tipp für jeden, dessen Grundstück von einer Wildschweinplage heimgesucht wird: "Gehen Sie zum Frisör und lassen Sie sich einen Beutel mit Haaren mitgeben. Diese vergraben Sie im Abstand von einem Meter, wie Setzlinge." Für die nächsten zwei Wochen, so verspricht er, herrsche dann Ruhe.

Von Philip Häfner

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