Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Was wird aus Timm’s Café?
Lokales Havelland Was wird aus Timm’s Café?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:12 24.02.2018
Ende Oktober schließt Rico Timm das Lokal, dass seine Familie seit 1991 betreibt. Quelle: Christin Schmidt
Rathenow

„Ja, ich habe mich nach langen Überlegungen entschlossen, das Café zu schließen. Ende Oktober ist Schluss“, erklärt Rico Timm auf Nachfrage der MAZ.

Es ist Mittagszeit, fast alle Tische des Lokals sind besetzt. Vor allem viele ältere Menschen kommen um diese Zeit hierher, um Soljanka, Bratkartoffel, ein Schnitzel oder andere deutsche Hausmannskost zu essen.

Das Geschäft scheint gut zu laufen. Warum will Rico Timm dennoch nach 27 Jahren schließen? „Ich schließe nicht, weil es mir schlecht geht und der Laden nicht läuft, sondern um mich zu verändern“, stellt der 44-Jährige klar.

Nachmieter in bester Lage gesucht

Potenzielle Mietinteressenten können sich schon jetzt auf der Internetseite der KWR über das Objekt informieren.

Das Geschäft befindet sich direkt im Zentrum der Stadt im Erdgeschoss eines Wohn- und Geschäftshauses Baujahr 1962.

In unmittelbarer Nähe sind verschiedene Geschäfte angesiedelt und einen Supermarkt, was zu einer gut frequentierten Lage beiträgt.

Die Gesamtmiete beträgt für rund 270 Quadratmeter Verkaufsfläche 3282,10 Euro.

Inwiefern das Lokal renoviert wird, entscheidet sich nach individuellen Absprachen und Vertragsverhandlungen mit dem künftigen Mieter.

Es habe auch keinerlei Unstimmigkeiten mit dem Vermieter, der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Rathenow (KWR) oder anderen Mietern gegeben. „Im Gegenteil, KWR-Geschäftsführer Hartmut Fellenberg war immer sehr kooperativ und wenn es Beschwerden von Mietern gab, konnten wir diese stets einvernehmlich klären.“

Das Aus hat andere Gründe. Seit der Bundesgartenschau hat Rico Timm sich immer wieder Gedanken gemacht, wie er das Geschäft stabilisieren könnte. „Wenn ein Laden läuft, aber es bleibt nur gerade so etwas zum Leben übrig, dann muss man etwas ändern“, sagt Timm.

Anfangs versuchte er es mit Personaleinsparungen, dann reduzierte er die Öffnungszeiten und führte einen Ruhetag ein. „Mein Hauptproblem ist der Winter. Das im Sommer verdiente Geld geht mir von November bis Februar verloren. Die Touristen fehlen einfach“, so Timm.

Neun Mitarbeitern müssen sich einen neuen Job suchen

Es gebe zwar auch viel einheimisches Stammpublikum, das dankbar und treu ist, aber auch sehr preisbewusst. „Im Mittagsbereich sind wir mittlerweile die Teuersten. Nicht jeder ist bereit, das zu bezahlen.“

Günstigere Preise sind für Timm unrealistisch, denn er will sein Personal nicht mit dem Mindestlohn abspeisen: „Ich möchte meine Mitarbeiter, die ihren Beruf erlernt haben, vernünftig bezahlen. Es wird leider immer schwerer, dem gerecht zu werden.“

Im Januar habe er den Entschluss gefasst, das Lokal zu schließen und mit Hartmut Fellenberg die Einzelheiten besprochen. Zwölf Menschen stehen derzeit bei Rico Timm in Lohn und Brot.

Neun von ihnen werden sich ab Oktober umorientieren müssen. Da der Personalbedarf in der Gastronomie derzeit sehr groß ist, ist Rico Timm zuversichtlich, dass seine Mitarbeiter schnell etwas Neues finden.

Seit 1991 steht Rico Timm hinter dem Tresen in dem Café in der Berliner Straße. 1965 wurde es als Milchbar eröffnet. Quelle: Christin Schmidt

Drei Mitarbeiter will er weiter beschäftigen und zwar in seinem Café in Semlin, das er vor drei Jahren erwarb. „Ich weiß, dass ich mit meiner finanziellen Existenz spiele und das dieser Platz im Stadtzentrum toll ist. Es kann auch schief gehen“, gesteht Timm.

Er weiß aber auch, dass die Kosten für das Café in Semlin sehr viel geringer sind, selbst wenn dort im Winter nichts los ist. „Dort bin ich Eigentümer und nicht Mieter“, betont Timm.

Der erfahrene Gastronom glaubt nicht, dass mit der Schließung von Timm’s Café eine Ära zu Ende geht: „Es wird hier sicher weiterhin ein Tagescafé geben. Die Lage ist einfach ideal und es gibt schon mehrere Interessenten für das Objekt.“

Das bestätigt auch KWR-Chef Fellenberg. Er hat bereits eine Idee, was mit den rund 270 Quadratmeter Gewerbefläche passieren soll: „Unsere Priorität ist eine Nutzung, die das Leben in der Innenstadt belebt und auch nach 18 Uhr Menschen ins Zentrum lockt.“

1991 wurde aus der Milchbar Timm’s Café

Das Lokal in der Berliner Straße ist eine Institution in Rathenow. 1965 wurde es als „Milchbar“ eröffnet und von der Handelsorganisation betrieben. Generationen von Havelländern haben sich hier zu Kaffee, Kuchen, Milchshake und Brause getroffen.

Nach der Wende ging das Geschäft von der Treuhand an die Stadt Rathenow und dann in den Bestand der KWR über. Familie Timm, die bis dato eine Art Tante-Emma-Laden in der Goethestraße führte, mietete ab 1991 das Lokal und machte aus der Milchbar Timm’s Café.

Für Rico Timm und zahlreiche Gäste geht mit der Schließung Ende Oktober ein Stück Rathenower Geschichte zu Ende. „Das ist auch mein Ausbildungsbetrieb den ich hier abschließe“, erinnert sich der gelernte Restaurantfachmann.

Eine Art Abschlussfeier wird es sicher geben, bevor hier der letzte Milchcafé getrunken wird. „Ich hoffe, unsere Kunden verstehen jetzt meine Beweggründe“, sagt Rico Timm und verschwindet hinter dem Tresen.

Von Christin Schmidt

Mit mehr Kontrollen soIl das Vandalismusproblem in der Rathenower Innenstadt eingedämmt werden. Nach einem Votum im Ordnungsausschuss soll die Arbeitszeit der städtischen Außendienstler in die kritische Zeit am Wochenende verlagert werden. Ob das überhaupt möglich ist, muss allerdings noch geprüft werden.

23.02.2018

Der durch Wind und Sonne erzeugte Strom könnte vor Ort effektiver genutzt werden, wenn es die Möglichkeit der Zwischenspeicherung für maximal 40 MW gäbe. Zu dieser Einschätzung kommt jetzt eine vom Landkreis Havelland in Auftrag gegebene Studie. Denn wenn die Netze überlastet sind, kann der Strom nicht eingespeist werden, geht verloren.

27.02.2018

Seit zehn Jahren betreibt der ASB im Falkenseer Stadtteil Falkenhorst den Jugendklub „Die Brücke“. Am Freitag wurde das Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Im Laufe der Jahre haben sich für die Jugendarbeit vor Ort immer wieder neue und spannende Herausforderungen ergeben – und auch die Zukunft hält einiges bereit.

26.02.2018