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Havelland Top-Scheidungsanwältin aus Falkensee
Lokales Havelland Top-Scheidungsanwältin aus Falkensee
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11:03 22.10.2013
Viele Menschen um die 50 lassen sich scheiden, wenn die Kinder aus der Schule sind. Quelle: dpa
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Falkensee

MAZ: Frau Wendelmuth, spiegelt sich die Ost-West-Unterteilung in den Fällen?
Agnes D. Wendelmuth: Bei dieser Einteilung geht es schlicht um regionale Gebiete. Natürlich ist es so, dass sich vermögensrechtliche Fragen eher in wohlhabenden Gebieten stellen, aber das lässt sich nicht an Himmelsrichtungen oder Bundesländern festmachen.

Raten Sie als klassische Scheidungsanwältin zur Hochzeit?
Wendelmuth: Es kommt vor, dass mir unverheiratete Paare diese Frage stellen. Ich rate immer dazu. Es gibt genug Möglichkeiten Probleme vorher zu klären - zum Beispiel durch einen Ehevertrag. Das ist überhaupt nicht unromantisch.

Sind Sie selbst verheiratet?
Wendelmuth: Nein. Genau das wurde ich schon mal gefragt, nachdem ich einem Paar eine Stunde lang die Rechtsfolgen der Ehe erklärt hatte. Der werdende Ehemann meinte dann: "Sie sind doch bestimmt nicht verheiratet, oder?" Es hatte ihn wohl beunruhigt, was auf ihn zukommen kann.

Und warum sagen Paare dann doch immer wieder Ja?
Wendelmuth: Sowohl die Liebesheirat als auch das Steuersparmodell sind hochaktuell. Für Letzteres entscheiden sich meist Paare, in denen einer Akademiker ist und der andere weniger verdient.

Und wer lässt sich besonders häufig scheiden?
Wendelmuth: Ich habe auffallend viele Mandanten um die 50. Die Kinder sind gerade aus der Schule raus. Entweder orientiert sich einer neu oder man hat sich auseinander gelebt. Schaut man auf Berufsgruppen, sind häufig Schichtarbeiter, Feuerwehrleute oder Polizisten betroffen. Da laufen wahrscheinlich die Tagesabläufe der Ehepartner auseinander.

Die Gespräche in der Kanzlei werden sicher oft sehr privat.
Wendelmuth: Gelegentlich fließen hier sogar Tränen. Die Mandanten müssen überlegen, wie sie das Vermögen teilen, es gibt Streit, wer mehr Geld eingebracht hat. Andere verzweifeln, da sie kaum für das Alter vorgesorgt haben.

Und im Gerichtssaal kochen die Emotionen dann richtig hoch?
Wendelmuth: Die Noch-Ehepartner werfen sich häufig gegenseitig vor zu lügen. Bei Sorgerechtsfragen werden so gut wie immer die Kinder mit reingezogen. Sie werden manipuliert und aufgehetzt. Wenn ich merke, dass das Kind als Spielball benutzt wird, kann ich gegenüber meinen Mandanten recht deutlich werden. Andere Paare streiten sich nicht um Kinder, sondern um Pediküregeräte - und merken erst im Nachhinein, dass diese defekt sind.

Die Rechte der Väter werden stärker. Auch in der Praxis?
Wendelmuth: Väter, die nicht verheiratet sind, beantragen zunehmend das gemeinsame Sorgerecht. Und bekommen es. Die Mütter wissen, was den Vätern zusteht - so lassen sich häufig gerichtliche Verfahren vermeiden.

Die neuen Rollenbilder akzeptiert jeder Richter?
Wendelmuth: Richter, die noch den alten Rollenbildern nachhängen, werden immer seltener und sind in unserer Region gar nicht mehr vorhanden. Die Reform war lange überfällig. Gelegentlich muss sich in den Köpfen der Mütter noch etwas ändern, dann müssen Väter das eben einfordern.

Sie befassen sich auch mit Erbrecht. Werden von Spandau bis Nauen häufiger Schulden oder häufiger Vermögen vererbt?
Wendelmuth: Zum Glück mehr Vermögen.

Was war das ungewöhnlichste Testament, das Ihnen zwischen die Finger gekommen ist?
Wendelmuth: Das ist natürlich Ansichtssache. Aber ein Vermächtnis über 250.000 Euro zugunsten des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge gehört sicher dazu.

Und die Angehörigen sind geschockt wie im Film, weil die Volkssolidarität Omas große Villa erbt?
Wendelmuth: In der Öffentlichkeit herrschen viele Irrtümer über die Verkündung von Testamenten. Da gibt es keine abgedunkelten Bibliotheken mit schweren Ledersesseln. Der Rechtspfleger sitzt im Nachlassgericht in seinem Büro und verschickt Kopien des Testaments an die Betroffenen.

Und nach der Verkündung stürmen die Kinder zu Ihnen?
Wendelmuth: Klar kommt es vor, dass Kinder enterbt werden, ohne dass sie damit gerechnet haben. Emotional wird es, wenn der Erblasser einen neuen Lebensgefährten hat und dieser anstelle der Kinder das Erbe erhalten soll. Dann ist die Verbitterung groß - verbunden mit der Sorge, dass hier Familienvermögen durchgebracht wird.

Alles nach dem Motto: Blut ist dicker als Wasser?
Wendelmuth: Im Erbrecht ist diese Denkart noch stark verwurzelt.

Die wenigsten Fälle im Erbrecht landen vor Gericht. Wann wird es so dramatisch?
Wendelmuth: Meistens sind das Auseinandersetzungen um Pflichtteile. Dann streiten Erben beispielsweise um den Wert einer Immobilie. Wenn ein Haus schon zu Lebzeiten verschenkt wurde, jedoch noch nicht die obligatorischen zehn Jahre verstrichen sind, müssen Ergänzungsansprüche verhandelt werden. Auch ob jemand überhaupt noch fähig war, ein Testament zu verfassen, muss häufig das Gericht entscheiden. Das Konfliktpotenzial ist enorm.

Und die Familienstrukturen werden immer komplexer.
Wendelmuth: Erben verwalten Immobilienvermögen selten gemeinsam. Früher oder später werden sie sich uneinig und verkaufen. Dass ein Haus über Jahrzehnte von Generation zu Generation verwaltet wird, ist deshalb die Ausnahme.

Also doch besser das Vermögen zu Lebzeiten verprassen?
Wendelmuth: Das Problem ist ja, dass man nicht weiß, wann man stirbt. Gibt man zu früh alles aus, ist nicht mehr genug Geld da, um eine teure Therapie zu bezahlen. Letzten Endes ist es eine Einstellungsfrage. Ich habe durchaus Mandanten, die sagen: "Nach mir die Sintflut. Wir klären das jetzt so gut wie möglich und wenn nicht, dann streiten sie sich halt. Ich krieg das eh nicht mehr mit."

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