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Drogenprävention Total berauscht

Natürlich weiß jeder, Drogen sind gefährlich. Dennoch steigt die Zahl der Drogentoten seit Jahren. Die Opfer sind längst nicht mehr nur die typischen Junkies, die sich Heroin spritzen. Livestyle Drogen werden in fast allen Clubs und Diskotheken konsumiert. Was diese mit dem Körper machen, erklärte ein Rettungssanitäter Zwölftklässlern der Rathenower Bürelschule.

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Rayk Sommer erklärt Schülern, was mit ihrem Körper passiert, wenn sie Chrystal Meth, Extasy, Kokain oder andere Drogen konsumieren.

Quelle: Ch. Schmidt

Rathenow. „Wer Drogen nimmt ist einfach dumm“, sagt Andreas. Der 18-Jährige kann nicht verstehen, dass Menschen auf so grausame Weise ihren Körper zerstören. Am Freitag lauschte er gemeinsam mit rund 40 Mitschülern einem 90 Minütigen Vortrag des Rettungssanitäters Rayk Sommer. Obwohl Andreas schon manches wusste, war er entsetzt angesichts der Fakten, die Sommer den Schülern schonungslos, aber auf recht unterhaltsame Weise präsentierte.

„Wenn man Drogen nimmt, muss man damit rechnen, dass plötzlich alles umschlägt und man aus dem Leben gerissen wird“, erklärte der erfahrene Sanitäter. Er ist Ausbildungsleiter für den Rettungsdienst im Landkreis Havelland, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und Einsatzleiter der Sanitäter beim Antaris Festival in Stölln. Dort kümmert er sich in erster Linie um Menschen, deren Körper im Drogenrausch versagt. Sommer weiß genau, was die Betroffenen durchmachen – Krampfanfälle, Angstzustände, Panikattacken, extreme Übelkeit, kompletter Kontrollverlust bis hin zum Tod. Es geht ihm nicht darum, Drogen zu verteufeln. „Das bringt ohnehin nichts. Jeder muss selbst entscheiden, was er seinem Körper antut. Ich will nur darüber aufklären, was passiert, wenn man bestimmte Substanzen konsumiert.“

Interesse der Schulen an Präventionsarbeit ist mäßig

Wie fühlt sich ein Rausch an? Was machen Drogen mit meinem Körper? Wie wirken sie? Und mit welchen Nebenwirkungen muss ich rechnen? Sommer konfrontierte die Zwölftklässler mit konkreten Beispielen aus seinem Arbeitsalltag: „Viele kommen panisch zu uns, weil ihr Herz rast. Sie wollen, dass wir etwas dagegen tun, können wir aber nicht, weil wir nicht wissen, was sie konsumiert haben.“ Die Antwort, ein weißes Pulver, helfe da wenig, es gibt tausend verschiedene. Es sei auch ein Irrglaube, dass besonders weißes Pulver rein ist. Die Substanzen werden mit Kaffeeweiser, Zement, kleinsten Glaspartikeln und anderen Stoffen gestreckt. Zum einen um Reinheit vorzutäuschen, zum anderen sorgt Zement zum Beispiel dafür, dass die Haut beim Einatmen feine Risse bekommt und Substanzen schneller ins Blut gelangen.

Die Fakten

3471 Menschen starben 2014 in Deutschland an den Folgen ihres Drogenkonsums. Es ist der Höchststand seit fünf Jahren.

Nicht nur die Zahl der Drogentoten ist gestiegen, auch bei den erstauffälligen Konsumenten harter Drogen ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen

Insgesamt geht der Trend weg vom Heroin und hinzu Lifestyledrogen wie Amphetaminen, Ecstasy, Kokain und Chrystal Meth, eine Droge, die schon beim ersten Mal abhängig macht.

Die Folgen des Konsums: Wahnvorstellungen, Depressionen, starke Übelkeit, Halluzination, Kontrollverlust bis hin zu Geschwüren, Zersetzung des Gewebes und Gehirn sowie Abfaulen von Gliedmaßen.

„Früher hat man seine Kinder vor dem Rauchen gewarnt, heute ist es schon normal, wenn jemand einen Joint raucht“, erklärte Sommer. Die Zeiten haben sich geändert. Drogenkonsum ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, was dazu führt, dass Jugendliche umso mehr gefährdet sind. In jeder Stadt werden Drogen konsumiert, auch in Rathenow. Die Polizei könne darauf nicht mehr so viel Einfluss nehmen. Umso wichtiger ist Aufklärungsarbeit, wie Rayk Sommer sie leistet. Gern würde er auch in anderen Schulen mit Jugendlichen ins Gespräch kommen, das Interesse sei aber mäßig.

Der Tag der Naturwissenschaften

Die Bürgelschüler scheint der Einblick in Sommers Arbeitsalltag beeindruckt zu haben. „Dass die Nebenwirkungen so heftig sind, hätte ich nicht gedacht“, sagt Marvin. Er selbst kennt Menschen, die Drogen nehmen und auch Tobias und Pascal haben in ihrem Umfeld Bekannte, die sich berauschen. Der Vortrag hat sie wach gerüttelt. „Das war definitiv abschreckend“, so der 17-jährige Tobias. Sommers Vortrag ist Teil des „Tages der Naturwissenschaften“, der seit mehr als 20 Jahren an der Bürgelschule stattfindet. Unter anderem beteiligen sich daran die Fachhochschule Brandenburg/Havel, die Havellandkliniken und Kaufland. Sie bieten den Schülern der 11. und 12. Klassen einen Einblick in Berufe und Studienfächer aus dem naturwissenschaftlichen Bereich.

Verfaulte Zähne schockieren mehr als gut gemeinte Worte

Verfaulte Zähne schockieren mehr als gut gemeinte Worte.

Quelle: Ch. Schmidt

Von Christin Schmidt

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