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Havelland „Tour de Natur“ machte in Ketzin Station
Lokales Havelland „Tour de Natur“ machte in Ketzin Station
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00:30 05.08.2015
Radfahrer aus ganz Deutschland machten in Ketzin Station. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Ketzin/Havel

Auf ihrer Fahrt von Braunschweig (Niedersachsen) in die Lausitz hat die diesjährige „Tour de Natur“ am Sonnabend auch in Ketzin/Havel Station gemacht. „Das Eis ist lecker hier“, befand einer der Teilnehmer, doch darum allein ging es natürlich nicht. Die Fahrradfahrer informierten sich vor Ort über den geplanten Bau einer Hähnchenmastanlage auf der anderen Havelseite in Schmergow (Potsdam-Mittelmark), gegen den es seit längerem auch in Ketzin Protest gibt. Es war neben Rathenow der einzige Stopp im Havelland.

Etwa 800 Meter von der Havelfähre entfernt soll in Schmergow eine Mastanlage für 165 000 Tiere entstehen – ausgerechnet in einem Landschafts- und Vogelschutzgebiet (MAZ berichtete). „Wenn man sich vorstellt, dass ungefähr zehn Mal pro Jahr die Tiere geschlachtet werden, haben wir es also mit 1,65 Millionen Tieren im Jahr zu tun“, sagte Ketzins Bürgermeister Bernd Lück (FDP).

Er fürchtet neben einer steigenden Belastung der Böden, der Gewässer und des Grundwassers auch eine zunehmende Luftverschmutzung sowie unangenehme Duftwolken, die aus Schmergow herüberwehen. „Bei einer entsprechenden Windrichtung aus Süden oder Südosten wäre die Belastung der Ketziner Einwohner, Gäste und Touristen enorm“, sagte Lück. „ Die ganze Havelpromenade können Sie dann vergessen, weil es jämmerlich stinken wird“, so der Bürgermeister. Ketzin habe in den vergangenen Jahren viel Geld in die touristische Infrastruktur gesteckt, für Radwege, den Bau einer neuen Steganlage, eine Touristeninformation und die Bewirtschaftung der Havelfähre „Charlotte“. Geld, das sich mit dem Bau der Mastanlage nicht mehr rechnen würde, befürchtet Bernd Lück.

Die Teilnehmer mit Protestplakaten. Quelle: Tanja M. Marotzke

Gemeinsam mit seinem Amtskollegen Reth Kalsow aus der Gemeinde Groß Kreutz, zu der Schmergow gehört, sowie einigen Bürgern aus beiden Orten hatte er deshalb im März 2015 eine Petition an den Landtag übergeben. Vor kurzem gab es nun einen Zwischenbescheid: Im Rahmen der Bearbeitung des Antrages müsse noch ein ergänzender Bericht vom Ministerium angefordert werden, teilte der Petitionsausschuss mit. Er will sich im August oder September mit dem Thema befassen.

Die Teilnehmer der „Tour de Natur“ hörten interessiert zu und protestierten mit einem kleinen Theaterstück gegen die Massentierhaltung. Die Radfahrer kamen aus ganz Deutschland; der Älteste war 80, der Jüngste noch nicht einmal ein Jahr alt – er fuhr im Fahrradanhänger mit. Ihren Ursprung hat die Tour 1991 in Thüringen wo gegen den Bau einer Autobahn protestiert wurde. Seitdem findet sie jedes Jahr statt, immer an unterschiedlichen Orten. „Es sind überall die gleichen Themen“, erklärte Mitorganisator Marcus Gottsleben aus Darmstadt. In diesem Jahr befassen sich die Umweltschützer unter anderem mit der Energiewende, klimafreundlicher Mobilität und einer verträglichen Landwirtschaft.

Von Philip Häfner

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