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Traglufthalle für Flüchtlinge sorgt für Ängste

Notquartier in Brieselang Traglufthalle für Flüchtlinge sorgt für Ängste

Dass Ungewissheit Angst macht, war deutlich spürbar, als Vertreter des Landkreises über die Montage der Traglufthalle in Brieselang informierten. Sie soll 300 Flüchtlingen ab Ende Dezember als Notunterkunft dienen. Wer dort einziehen wird, bleibt ungewiss.

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400 Brieselanger konnten in der Sporthalle Platz nehmen. Etwas 150 hörten draußen zu.

Quelle: Annett Lahn

Brieselang . Sich vorzustellen, dass auf der idyllischen Pferdekoppel an der Lange Straße bald 300 Flüchtlinge ihre Notunterkunft haben werden, fällt schwer. 400 Brieselanger kamen deswegen am Freitag zur Einwohnerversammlung in die Sporthalle der Zebr@-Grundschule, ließen sich von den Vertretern des Landkreises über die geplante Traglufthalle informieren, beteiligten sich rege an der Diskussion und äußerten ihre großen Sorgen.
Der stellvertretende Landrat Roger Lewandowski (CDU) verdeutlichte, dass die teuren Traglufthallen angesichts gestiegener Flüchtlingszahlen alternativlos sind. Er sagte: „823 Menschen muss der Landkreis in winterfesten Quartieren unterbringen. Jeden Monat kommen 230 neu dazu. Wir haben die Verpflichtung, aber nicht die Mittel dafür und sind deswegen auf die Zusammenarbeit mit den Gemeinden angewiesen.“ Zudem erklärte Lewandowski: „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Wir sind davon selbst überrascht Das ist für uns keine leichte Aufgabe.“ Jürgen Goulbier, Baudezernent des Landkreises erläuterte darauf hin die Beschaffenheit der Halle, die am 19.Dezember geliefert werden soll und auf dem von der Kirche gepachteten 13.000 Quadratmeter großen Gelände an der Lange Straße aufgestellt werden soll. Ihre Grundfläche beträgt 2500 Quadratmeter. Sie ist 72 Meter lang und 36 Meter breit.

Der Baudezernent bezifferte die Kosten für die Halle mit 1,2 Millionen brutto und betonte: „Es ist eine echte Notlösung!“ Wer die Halle am Ende des Jahres beziehen wird, ist absolut unbekannt.

Speziell diese Ungewissheit macht vielen Brieselangern Angst. Eine Anwohnerin aus der Lange Straße sagte: „Ich habe maßlose Angst und kann schon nächtelang nicht schlafen.“ Die Rolle der Polizei wurde während der Diskussion mehrfach massiv hinterfragt. So wollten die Bürger von Polizeidirektor Lutz Gündel wissen, wie die Polizei angesichts des Personalabbaus die Sicherheit gewährleisten will. Gündel gab daraufhin eine Sicherheitsgarantie. Er sagte: „Wir haben genug Personal. Im Zweifel wenden wir uns an die Landesregierung.“

Ein Mann stand auf und erntete Beifall nachdem er erklärt hatte, dass 58 Prozent der Flüchtlinge Männer im wehrfähigen Alter seien und bezweifelte, dass man dies beherrschen könne. Das hängt von der spontanen Zuteilung ab und sei unversehbar , antwortete Lewandowski. Daraufhin erklärten mehrere Mütter und Väter , dass sie Angst um ihre Töchter und Vergewaltigungen hätten. Einer sagte: „Meine Tochter ist sechs Jahre alt. Sie kann sich nicht wehren.“

Andere beklagten den Wertverlust ihrer Häuser und Grundstücke, wollten wissen wie die Flüchtlinge betreut sowie medizinisch versorgt werden sollen. Ein Vater wollte wissen, wie Flüchtlingskinder in die Schule integriert werden sollen und ob es mehr Lehrer gibt. Daraufhin antwortete Lewandowski, dass die Flüchtlingskinder erstmal in Vorbereitungsklassen kommen. Weiteres Thema war die Lautstärke der Halle, die an den Ausgängen der Gebläse bis zu 60 Dezibel betragen soll.

Wegen scheinheiliger Barmherzigkeit stand die Kirche während der Versammlung am Pranger. Die Kirchengemeinde Falkensee/ Seegefeld ist Besitzer des Hallen-Grundstücks und hat es für 2700 Euro monatlich an den Landkreis verpachtet. Ein Mann fragte: Warum stellt die Kirche das Land nicht kostenlos zur Verfügung? Michael Evard vom Gemeindekirchenrat sagte dazu: „Die Einnahmen kommen gemeinnütziger Arbeit zu Gute, also Jacke wie Hose.“ Martin Eiselt, ebenfalls vom Gemeindekirchenrat, sagte offen: „Wir haben mit dieser Frage gerechnet. Eine Pachteinnahme in dieser Höhe haben wir nicht erwartet. Das Angebot kam vom Landkreis. Wir nehmen das Geld und verwenden es für soziale Zwecke.“

Von Annett Lahn

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