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Trainer-Urgestein beim FSV Optik Rathenow

Ingo Kahlisch wird 60 Trainer-Urgestein beim FSV Optik Rathenow

In Rathenow ist er eine Marke, im Regionalfußball ein Urgestein. Ingo Kahlisch, Trainer des FSV Optik Rathenow hat mit seinem Verein Höhen und Tiefen durchlebt und durchlitten. Dabei galt sein Hauptaugenmerk immer den Spielern und dem Nachwuchs. Großen Rummel um seine Person mag er weniger. Das wird er am Freitag nicht vermeiden können.

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Ingo Kahlisch wird 60 Jahre alt.

Quelle: C. Laak

Rathenow. Wenn man Ingo Kahlisch etwas nicht absprechen kann, dann die Fähigkeit, Klartext zu reden. Er nimmt kein Blatt vor den Mud und er will es auch nicht. Ingo Kahlisch hat als Trainer des FSV Optik Rathenow seit dem Jahr 1988 viel erreicht. Und sein 30jähriges Dienstjubiläum beim FSV Optik, das möchte er gerne noch erleben.

Erst ein anderes Fest

Am Freitag aber steht erst einmal ein anderes Fest auf dem Programm. Kahlisch feiert seinen 60. Geburtstag. Insgesamt fünf Regionalliga-Jahre seit 1988 und zwei Landespokalsiege seit 1996 sind eine beeindruckende Bilanz. Dazu zwei Spiele in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals und mehrere Oberliga-Meisterschaften. Da steht sportlich einiges unter dem Strich.

Christian Görke (links) kam mit dem Bild der ersten Regionalliga-Mannschaft

Christian Görke (links) kam mit dem Bild der ersten Regionalliga-Mannschaft.

Quelle: Joachim Wilisch

Auf Disput einstellen

Wer mit Ingo Kahlisch zu tun hat, der muss sich auch auf Disput einstellen. Für seine Sache kämpft er, lässt nicht locker – und das hat längst nicht nur mit Fußball zu tun. Von den jüngeren Zeitgenossen wissen nicht mehr viele, wie es aussah, draußen am Vogelgesang, wo der FSV Optik trainiert und spielt. Die kleine Tribüne war marode. Das Umkleidehäuschen alt, die Sanitäreinrichtungen verdienten den Namen kaum. Unter diesen Bedingungen arbeitete Kahlisch über viele Jahre.

Wenigstens ein Umkleidehaus

Sein Credo damals: wenigstens ein besseres Umkleidehaus für die Spieler. Und mit der Landesgartenschau und einigen Förderprogrammen wurde das möglich. Und nicht nur das. Weil der FSV Optik mit dem Rathenower Ehrenbürger Klaus Eichler, der seinerzeit noch im Potsdamer Infrastrukturministerium die Fäden im Hintergrund zog, ein Optik-Fan war, ging noch mehr. Und irgendwann stand da draußen am Vogelgesang ein Volkssportpark, ein echtes Schatzkästlein.

So gut die Infrastruktur aussieht, sportlich musste Ingo Kahlisch immer improvisieren. Zwar hatte er immer wieder große Talente. Die blieben aber nicht lange, denn in Berlin lockt schon in der Regionalliga das Geld. Da kann der FSV Optik nicht mithalten. Die Zahl der Sponsoren ist übersichtlich, die bei der Stange bleiben, sind immerhin treu und geben dem Verein auch große Summen.

Untrennbar miteinander verbunden

Die Geschichte des FSV Optik und die von Ingo Kahlisch – getrennt darf man das nicht sehen – ist aber auch gespickt von unerquicklichen Debatten in der Rathenower Stadtverordnetenversammlung. So rechte Begeisterung wollte sich nie für den Verein einstellen, obwohl es immer Fürsprecher gab – und das in allen Fraktionen. „In Rathenow fehlt das Wir-Gefühl für den heimischen Fußballverein, der in der hohen Spielklasse unterwegs ist.“ Und weil man sich auch mal missversteht, wird dies oft als Aufforderung missgedeutet, die Stadt solle mehr Geld in den Verein geben. Das will Kahlisch gar nicht, der genau weiß, wie exakt Städte ihre Finanzen durchrechnen müssen. „Aber es gibt Städte, da verstehen sich die Stadtspitzen in der Verwaltung als Türöffner.“ Das sei hier im Westhavelland schwierig.

Kahlisch in seiner Lieblingsrolle

Kahlisch in seiner Lieblingsrolle: Trainer auf dem Platz.

Quelle: C. Laak

Das Große Geld lockt woanders

Und so muss Kahlisch weiter kämpfen. In den Rathenower Jahren baute er zugleich mit den Hauptsponsoren ein Umfeld auf, in dem junge Spieler zwar kein Geld verdienen. Sie können aber Fußballsport, Ausbildung, Arbeit und Schule miteinander verbinden. Kahlisch macht seinen Schützlingen von Anfang an klar, woran sie sind. Hier in Rathenow kann man im Team Fußball spielen – und das mit etwas Glück auch erfolgreich. „Aber das große Geld gibt es hier nicht.“

Hier in Rathenow lernen sie erst einmal mit Niederlagen umzugehen, was es heißt, aufzustehen, wenn man am Boden liegt. Aber wer aufsteht, der gewinnt auch wieder und es gibt Siege, die sind besonders schön. Dazu zählen sicher auch die beiden Landespokalsiege. Nach dem ersten Erfolg, erinnert sich Kahlisch, stand plötzlich Ministerpräsident Matthias Platzeck in seinem Sportgeschäft und gratulierte. Das Geschäft ist auch Optik-Geschäftsstelle sowie Dreh- und Angelpunkt des Vereins.

„Das Team ist der Star“ – selten wird diese Devise so gelebt, wie beim FSV Optik, denn Kahlisch weiß, dass man sich anders kaum behaupten kann gegen die schwere Konkurrenz – auch ab diesem Wochenende in der neuen Oberliga-Saison.

Demut nochmals gelernt

Demut hat Ingo Kahlisch in die Wiege gelegt bekommen. Doch der Familienvater bekam noch einmal eine Lektion darin, als er im Jahr 2014 um Ostern einen Schlaganfall erlitt. „Ich habe das überstanden und musste in der Zeit im Krankenhaus erleben, dass es vielen Menschen noch schlechter geht. Und dass diese Menschen ihr Schicksal bewundernswert tragen.“

Ingo Kahlisch ist weiter das Zugpferd des FSV Optik und seine Stimme wird man weiter hören. Er wird die ehrliche Haut bleiben. Längst aber ist er umgänglicher geworden. Für seine Spieler bleibt er der Trainer, der alles gibt, um Talent zu fördern. Und der Mann, der zu seinen Schützlingen wie ein Vater ist.

Großer Trubel ist nicht seine Sache

Großen Trubel um seine Person mag Kahlisch nicht. Am Freitag wird er dem nicht ganz entgehen können. Die Gratulantenschar wird groß sein. Und jeder, der den Trainer kennt weiß, am wohlsten fühlt er sich, wenn er am Wochenende wieder auf der Bank sitzt und Anweisungen über den Platz donnert.

Von Joachim Wilisch

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