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Havelland Traum erfüllt: MAZ-Reporter im Zug ganz vorn
Lokales Havelland Traum erfüllt: MAZ-Reporter im Zug ganz vorn
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16:19 29.04.2016
Beatrice Budniok an ihrem Arbeitsplatz. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

„Oh, supersanfte Bremsung“, sagt der Bahnkollege voller Respekt. Und tatsächlich. Ganz gefühlvoll bringt Beatrice Budniok den rund 40 Tonnen schweren Regio Shuttle im Stendaler Bahnhof zum Halten. „Ich will doch nicht, dass meine Fahrgäste durchs Abteil purzeln“, sagt die Triebfahrzeugführerin. Ihre Aufgabe sei es schließlich, die Menschen so sicher und entspannt wie möglich ans Ziel zu bringen.

Genauso sanft, wie sie den Zug in Stendal zum Stehen bringt, hat die 46-Jährige aus Bützer ihn 23 Minuten zuvor im Rathenower Bahnhof in Bewegung gesetzt. Und die rund 40 Kilometer lange Fahrt mit den drei Zwischenhalten Großwudicke, Schönhausen und Hämerten in absoluter Seelenruhe absolviert. „Na ja“, sagt Budniok. „Ist nun auch nicht die anspruchsvollste Strecke im Odeg-Netz. Immer geradeaus, überschaubare Passagierzahl, kurze Fahrdauer zwischen Start- und Zielbahnhof.“ Da sei die Linie RE 4 zwischen Rathenow und Jüterbog schon eine andere Nummer.

Mit Höchstgeschwindigkeit 120 zwischen Rathenow und Stendal unterwegs. Quelle: Markus Kniebeler

Ein Blick auf die nackten Fakten reicht, um zu verstehen, was Budniok meint: Der Zug auf der RE 4, ein Doppelstockmodell der Reihe „Kiss“, ist fünf mal so schwer wie ein Regio-Shuttle und hat über 4000 PS. Die Fahrt geht mitten durch die Haupstadt mit ihren stark frequentierten Gleisen und den chronisch überfüllten Bahnsteigen. Die Fahrzeit zwischen Start- und Endbahnhof beträgt satte zwei Stunden. Und dann ist es vor allem die Passagierzahl, die den Unterschied macht. Es fühlt sich nun mal anders an, einen Zug mit 800 Menschen an Bord durch die Gegend zu fahren als einen mit 18.

Wobei, was die Einstellung des Fahrzeugführers angeht, der Unterschied dann doch nicht so groß ist. Die Verantwortung für die Fahrgäste ist unteilbar, egal ob nur ein Pärchen im Abteil sitzt oder eine ganz Armada von Pendlern. „Man darf sich nicht verrückt machen“, sagt Budniok. „Aber seiner Verantwortung sollte man sich immer bewusst sein.“ Deshalb müsse man auf einer augenscheinliche „einfachen“ Strecke wie der nach Stendal genauso konzentriert sein wie bei der Fahrt durch Berlin.

Konzentrationsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein – diese Begriffe fallen immer wieder beim Gespräch über die Anforderungen, die an einen Triebfahrzeugführer gestellt werden. „Und ein gutes Gedächtnis ist auch nicht verkehrt“, sagt Budniok. Schließlich seien eine ganze Menge an Regeln und Signalen im Kopf zu behalten.

Ältere Arbeitnehmer herzlich willkommen

Wer nun denkt, dass man dies alles nur als junger Mensch lernen kann, der irrt. „Ältere Arbeitnehmer sind bei der Odeg sehr willkommen, weil wir auf die beruflichen Fähigkeiten und größeren Lebenserfahrungen der Mitarbeiter setzen und diese wertschätzen“, sagt Odeg-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann. Tatsächlich gibt es für die Ausbildung zum Triebfahrzeugführer keine Altersgrenze. Viele der Odeg-Beschäftigen sind Quereinsteiger, die auf der Suche nach einer beruflichen Veränderung waren.

So wie Beatrice Budniok. Nach langen Jahren als Ausbilderin im Bereich Soziale Berufe stieß sie vor drei Jahren auf eine Annonce in der Zeitung. Die Odeg suchte Triebfahrzeugführer. Budniok, die bis dahin mit Eisenbahn nichts am Hut hatte, war fasziniert von der Vorstellung, einen Zug eigenverantwortlich zu steuern. Und in einer zukunftssicheren Branche tätig zu werden.

Sie wurde eingeladen und erhielt nicht lange nach dem Vorstellungsgespräche das Angebot, die zehnmonatige Ausbildung zu absolvieren. „Das war nicht ohne“, sagt sie heute. „Es ist ganz eine schöne Paukerei, viel Stoff, relativ kurze Zeit.“ Und auch nach der Prüfung muss ein Triebfahrzeugführer am Ball bleiben. Denn einmal im Jahr hat er sich einem Test in Theorie und Praxis zu unterziehen.

Eine Frau und ihr Zug: Beatrice Budniok am Stendaler Bahnhof. Quelle: Markus Kniebeler

Doch der Lohn wiegt das alles auf. „Es ist einfach ein toller Beruf“, sagt Beatrice Budniok. Sie genieße das Gefühl, ihr eigener Herr zu sein. Und weil jeder Tag anders sei, weil das Wetter sich ändere, es auf den Strecken immer Neues gebe und kein Passagier sei wie der andere, komme nie Langeweile auf. „Und wissen Sie, was das für ein tolles Gefühl ist, wenn man frühmorgens an der Spitze des Zuges sitzt und in den Sonnenaufgang hineinfährt?“, fragt sie. Man weiß es nicht. Aber man ahnt es, wenn man die Frau schwärmen hört.

Eines allerdings müsse man wissen, wenn man sich für den Job interessiere. „Wer eine geregelte Arbeitszeit von 8 bis 16 Uhr liebt und an Wochenenden immer frei haben will, für den ist das nichts“. Es werde in Schichten gearbeitet und an Wochenenden. Der Dienst kann um 2.40 Uhr in der Früh anfangen, und es kommt vor, in der späten Schicht, dass der Feierabend erst nach Mitternacht beginnt. Aber weil die Dienstpläne immer für zwei Monate gemacht werden, kann man sich auf die Arbeitszeiten einstellen.

Gut drei Jahre ist es her, dass Beatrice Budniok sich entschied, Lokführerin zu werden. Bereut hat sie dies noch an keinem Tag. Manchmal klopfen Leute an die Scheibe des Cockpits und halten den Daumen hoch. Andere winken freundlich. „Oh, heute wieder sanft gelandet“, hat sie ein Stammfahrer mal gelobt. Und es gibt Pendler, die behaupten felsenfest, Beatrice Budniok an ihrem besonnenen Fahrstil zu erkennen.

Ausbildung zum Triebfahrzeugführer

Die Ausbildung zum Triebfahrzeugführer bei der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (Odeg) dauert zehn Monate und umfasst 1449 Unterrichtsstunden (782 Theoriestunden und 667 Praxisstunden).

Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung. Außerdem müssen alle Interessenten mindestens 20 Jahre alt sein.

In einem Eignungstest werden technisches Verständnis und Konzentrationsstärke untersucht. Außerdem werden die Bewerber einem Gesundheitscheck unterzogen, in dessen Rahmen auch die psychische Eignung untersucht wird.

Untergliedert ist die Ausbildung in Theorie und Praxis. Die angehenden Lokführer werden mit den Verkehrsregeln vertraut gemacht, lernen die unterschiedlichen Signale kennen, bekommen Schulungen zur Fahrzeugtechnik und vieles mehr. Die Theorie wird mit einer Führerscheinprüfung abgeschlossen. Die praktische Ausbildung erfolgt am Simulator und in Odeg-Zügen.

Jeder Teilnehmer erhält einen persönlichen Ausbildungsplan. Die Ausbildungsklassen bestehen aus rund 15 Personen. Die Ausbildung startet mehrmals im Jahr.

Weitere Infos unter www.odeg.de.

Von Markus Kniebeler

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