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Tschaikowsky radikal anders

Neuer Film von Ralf Pleger Tschaikowsky radikal anders

Lange nichts gehört von Ralf Pleger. Der renommierte Regisseur hatte in den vergangenen Jahren viel Freude an seinem Film „Wagnerwahn“, der Preisrichtern zahlreicher Jurys gefiel. Nun ist sein neuer Streifen da: Die Akte Tschaikowski beleuchtet das Leben des Mannes, der in Russland ein Nationalheld ist.

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Szene aus „Die Akte Tschaikowsky“. Der Film wird am kommenden Mittwoch gezeigt.

Quelle: Promo

Westhavelland. Doch er war schwul – vielerorts immer noch ein Tabu. „Bis hin zu den mysteriösen Umständen seines frühen Todes war sein Leben ein Ringen mit der Homosexualität“, erzählt Ralf Pleger jetzt. Der Film erzählt Tschaikowskys Geschichte auf radikal neue Weise: als eine Art Videotagebuch, das auf Selbstaussagen des Komponisten fußt.

Im Mittelpunkt stehen Tschaikowskys Beziehungen: seine Ehe, mit der er den Schein zu wahren versuchte und die für beide Ehepartner zur Hölle wurde, sowie die oft flüchtigen Liebschaften mit Männern. Briefe und Tagebuchnotizen zeugen von Tschaikowskys Hadern mit sich und der Welt und liefern den Stoff für das packende Psychogramm.

Angetrieben von den Analysen der Tschaikowsky-Experten schickt Regisseur Ralf Pleger den Komponisten auf eine Tour de Force durchs heutige Berlin. Ob schwule Community, Auswahl eines Brautkleides, Verführung vor dem Kaminfeuer oder ein Abstecher nach Florenz: Wir sehen die Welt mit Tschaikowskys Augen, durch das Objektiv seiner Handy-Cam. Mit diesem filmischen Kunstgriff rückt die Aktualität von Tschaikowskys Schicksal in den Mittelpunkt, ebenso wie die oft verkannte Modernität seiner emotional berührenden Musik.

Info

„Die Akte Tschaikowsky“ – Bekenntnisse eines Komponisten. Ein Film von Ralf Pleger. Zu sehen bei Arte am Mittwoch, 3. Juni, um 22.05 Uhr.

Für den dokumentarischen Faktencheck des rauschhaft inszenierten Filmes sorgen die Interviews mit internationalen Künstlern und Experten. Ballett-Star Vladimir Malakhov und der exzentrische Organist Cameron Carpenter, bekannt für originelle Deutungen des Werkes von Tschaikowsky, sprechen über ihre eigenen Erfahrungen als schwule Künstler.

Die Analysen des Biografen Philipp Bullock, der Tschaikowsky-Forscherin Kadja Grönke und des Psychologen David Garcia helfen, Tschaikowskys Sicht der Dinge psychologisch und historisch einzuordnen und in einem größeren Kontext zu sehen. So ist „Die Akte Tschaikowsky“ – Bekenntnisse eines Komponisten vor allem ein Film über die menschliche Tragödie des Andersseins und das Ringen mit der Frage: Wer bin ich?

Regisseur Ralf Pleger stammt aus Nennhausen bei Rathenow und ist einer der profiliertesten deutschen Regisseure im Bereich klassische Musik. Er ist für seine Arbeit mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Zuletzt hat er die Filme „Die Akte Beethoven“ und „Wagnerwahn“ umgesetzt. Wagnerwahn wurde 2013 mit dem Publikumspreis beim World Film Festival in Montreal ausgezeichnet und war für den International Emmy Award nominiert. Das Gesamtwerk von Pleger umfasst allerdings viel mehr Filme zu zahlreichen Porträts und anderen Themen rund um Oper und Musik.

Von Joachim Wilisch

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