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Turbulente Asyldebatte

Einwohnerversammlung zu Asylbewerberheim Dallgow-Döberitz Turbulente Asyldebatte

Die Aula des Dallgower Gymnasiums ist mit 200 Plätzen der größte Saal des Ortes. Für die 500 Einwohner, die sich am Montagabend über den Bau eines Asylbewerberheimes informieren wollten, war er jedoch hoffnungslos zu klein. Deshalb wurde die Informationsveranstaltung noch am gleichen Abend wiederholt.

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Bürgermeister Jürgen Hemberger versuchte, die Menge vor der Tür zu beruhigen.

Quelle: Foto: Tanja M. Marotzke

Dallgow-Döberitz. Bereits um 17.40 Uhr schloss sich die Tür zum Dallgower Gymnasium, die Aula war da schon bis auf den letzten der 200 Plätze besetzt. Draußen sammelten sich jedoch noch einmal fast 300 Einwohner, die am Montagabend zur Informationsveranstaltung über den geplanten Bau eines Asylbewerberheimes in Dallgow-Döberitz wollten.

Eingeladen hatte dazu der Landkreis Havelland, der das Heim errichten und betreiben will. Sozialdezernent Wolfgang Gall (CDU) bot den Wartenden an, nach der ersten Informationsveranstaltung eine zweite Runde zu machen. Die wütenden Wartenden konnte er damit kaum besänftigen. Während im Saal die Veranstaltung begann, drängten die Wartenden weiter auf Einlass. Ihre lauten Rufe „Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!“ wurden in der Aula mit ebenso lautem Beifall quittiert. Wolfgang Gall kündigte daraufhin an, die Veranstaltung abzubrechen, sollte es zu weiteren Störungen kommen.

Zu denen kam es nicht. Die Atmosphäre blieb jedoch angespannt. Draußen riefen die Leute: „Gall soll kommen.“ Drinnen riefen die Bürger: „Hemberger soll kommen.“ Der Bürgermeister Jürgen Hemberger (Freie Wähler) stellte sich jedoch der aufgebrachten Menge vor der Tür, von einem Stuhl herunter versuchte er, die Wartenden fast zwei Stunden lang in einem Gespräch zu halten.

Unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen wurde weitestgehend konstruktiv über ein schwieriges Thema geredet. Keine Störer, keine Plakate, keine Parolen, wenn auch nervöse, kritische, auch mal gekreischte Zwischenrufe und Fragen.

Wolfgang Gall und Martin Felstow vom kreislichen Gebäudemanagement informierten über Flüchtlingszahlen und Asylbewerberheime. Das Havelland muss in diesem Jahr 1300 Flüchtlinge aufnehmen, dafür sind neue Heime nötig. In Dallgow soll 2015 im Artilleriepark in Modulbauweise ein Heim für 200 Menschen errichtet werden. Das Gelände pachtet der Landkreis von der Gemeinde für drei Jahre, mit der Option auf eine zweijährige Verlängerung. Denn: Der Standort, eigentlich für den Bauhof geplant, soll nur ein vorübergehender sein. Er soll durch ein oder zwei Bauten in Dallgow abgelöst werden. Der Landkreis sucht weiter nach geeigneten Flächen. Ursprünglich war geplant, an der Kleiststraße, direkt an der Grenze zu Falkensee, ein Heim für 400 Bewerber zu errichten. Das Projekt wurde aus mehreren Gründen fallengelassen.

Der kompakten Informationsrunde von Gall und Felstow schloss sich eine turbulente Fragestunde an. Die Bürgerinitiative Dallgow verwies auf ihre Petition, die sie an Gemeinde und Landkreis übergeben hat. Mehr als 700 Bürger haben gegen das Projekt unterschrieben. Sie sprechen sich darin gegen „Massenunterkünfte“ aus und für die Verteilung auf kleinere Einheiten von weniger als 100 Menschen.

Gall verwies darauf, dass Modulbauweise eine durchaus menschengerechte Unterbringung ermögliche; das hätten die Dallgower ja schon selbst mir einem neuen, schönen Kindergarten bewiesen. Er verwies auch auf die guten Erfahrungen, die bisher mit Objekten in dieser Größenordnung gemacht wurden.

Viele Einwohner bewegte die Frage, wie die Kinder in der ohnehin übervollen Dallgower Grundschule aufgenommen werden sollen. Viele bemängelten, dass 200 Asylbewerber bezogen auf die Einwohnerzahl zu viel wären, das große Falkensee müsse mehr Bewerber aufnehmen. Auch dort, wie in allen anderen Gemeinden, werde weiter nach geeigneten Grundstücken gesucht, sagte Wolfgang Gall.

In der zweiten Informationsrunde – mehr als 200 Frauen und Männer waren geblieben – wiederholten sich die meisten Fragen. Eine Frau befürchtete, dass ihr Grundstück durch die Nachbarschaft eines Flüchtlingsheimes an Wert verliert.


Kontakt Die Willkommensgruppe trifft sich am 9. Juli um 19.30 Uhr im Haus der Feuerwehr, Triffstraße 1.

Von Marlies Schnaibel

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