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Überfüllte Züge sorgen für Stress

Als Radfahrer in der Bahn hat man es nicht leicht Überfüllte Züge sorgen für Stress

Rad raus, rein in die Bahn und ab aufs Land bei dem schönen Herbstwetter. So denken es sich gerade am Wochenende viele Ausflügler. Doch was so entspannt klingt, artet schnell in Stress und Streit aus - nämlich dann, wenn es eng wird im Zug. Oft muss dann der Zugbegleiter die angepsannte Situation wieder entspannen.

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Da die Räder, dort die Mitfahrer. So friedlich wie in diesem Zugabteil läuft es nicht immer.

Quelle: Juliane Primus

Havelland. Sonne, raschelndes Laub und milde Temperaturen schreien geradezu danach, jetzt noch einmal in die Pedale zu treten. Rad packen, rein in die Regionalbahn und ab in die Niederungen des Havellandes. So denken es sich vor allem am Wochenende viele Ausflügler und Touristen. Doch was sich so entspannt anhört, kann schnell in Stress ausarten. Nämlich dann, wenn es eng wird zwischen all den Rädern, Gepäcktaschen, Kinderwagen und Rollstühlen im Mehrzweckabteil der Züge.

Die Misere beginnt spätestens am Berliner Hauptbahnhof und entspannt sich erst wieder mit dem Ausstieg in Falkensee oder Wustermark. Fahrgäste ohne Rad bestehen auf ihren Sitzplatz, während Radfahrer zwischen den Haltestangen um ihr Gleichgewicht ringen. "Wir müssen aufpassen, dass wir unsere Radwege nicht zu gut anpreisen", so Marco Brückner, Mitarbeiter des Tourismusverbandes Havelland. Brückner hat die Erfahrung gemacht, dass ein neuer Werbeprospekt für die Region die Züge schnell zum Überquellen bringen kann. "Weil im Zug einfach kein Platz mehr ist, müssen manche Radfahrer sogar an Bahnhöfen zurückbleiben und auf die nächste Bahn warten."

Zugbegleiter brauchen in solchen Situationen Feingefühl, damit märkisches Meckern nicht in Rangeleien ausartet. Die Fahrgäste beruhigen: Bei der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH Odeg, deren Züge seit Dezember 2012 auf den Linien RE 2 und RE 4 fahren, legte eine Zugbegleiterin die Beruhigungsstrategie neulich so aus: "Die Klappsitze werden sowieso sobald ausgebaut, dann kann hier keiner mehr sitzen."

"Das ist absolut falsch", bremst Odeg-Sprecher Arnulf Schuchmann das Gerücht aus. "Die Klappsitze werden gebraucht - gerade im Winter." Regelmäßig beschweren sich Kunden über enge Zugabteile. Doch die Odeg selbst dürfe über einen Ausbau der Sitze nicht entscheiden, das sei Sache des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Die Anzahl der Sitzplätze in den Zügen sei vom VBB klar geregelt und richte sich nach Fahrgastzählungen. Wie sich die Fahrgastzahlen in den vergangenen fünf Jahren entwickelt haben, kann selbst der VBB nicht sagen. "Wir haben unterschiedliche Messungen, die aber nicht miteinander vergleichbar sind", erklärt Sprecherin Elke Krokowski. Nur so viel: Im Jahr 2011 nutzten die Strecke zwischen Nauen und Berlin rund 10.600 Fahrgäste täglich, zwischen Wustermark und Berlin waren es rund 3700.

Elke Krokowski kennt die Klagen der Radfahrer, dass aus Bequemlichkeit oft die Klappsitze benutzt werden, während noch viele andere Sitze frei sind. "Wir hoffen hier auf die Vernunft der Fahrgäste", sagt sie. Eine "Kommunikationsmaßnahme, um allen Fahrgästen Hilfestellung beim richtigen Verhalten zu geben", sei in Arbeit. Fahrgäste ohne Rad, Gepäck oder Kinderwagen sollten den Mehrzweckbereich räumen, wenn Platz benötigt wird. "Bei Überfüllung des Zuges müssen die Reisenden mit Fahrrädern notfalls den nächsten Zug benutzen."

Krokowski kündigt an, dass die Züge der RE 4 und RE 5 Richtung Ostsee einen zusätzlichen Wagen und zusätzliche Fahrradkapazitäten bekommen. Die Wagen der Odeg, die unter anderem auf der RE2 mit Halt in Falkensee unterwegs sind, werden die Haltestangen im Mehrzweckabteil verändert, um etwas bessere Unterbringungsmöglichkeiten für Fahrräder zu schaffen.

Ebenfalls aktiv werden will der Fahrgastverband Pro Bahn. "Seit ewigen Zeiten vermisse ich klare Hinweisschilder bei Bahn und Odeg", sagt Vorsitzender Dieter Doege. Ein kleines Piktogramm reiche nicht aus. Gemeinsam mit der Odeg will Doege einen Triebwagen der Linie RE2 zur Probe umgestalten.

Von Juliane Primus

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