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Übergewicht: Ein Riesenproblem in der Region

Kampf den Kilos Übergewicht: Ein Riesenproblem in der Region

Wie viele Menschen hat auch Norma Ellbogen schon unzählige Diäten probiert. Heute weiß sie, dass nur eine konsequente Ernährungsumstellung helfen kann, um Übergewicht in den Griff zu bekommen. Um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, möchte sie eine Selbsthilfegruppe gründen und bekommt jetzt dabei fachliche Unterstützung.

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Chefarzt Stefan Lenz mit Norma Ellbogen, Monika Rutsch und Oberärztin Britt Hinneburg.

Quelle: Christin Schmidt

Rathenow. Eines gleich vorweg: „Übergewicht ist keine Charakterschwäche und auch keine Persönlichkeitsstörung. Es ist eine Krankheit, die man behandeln kann.“ Stefan Lenz, Chefarzt und Leiter des Adipositaszentrums der Havelland Kliniken, hat deutliche Worte für ein sensibles Thema. Seit zwei Jahren hat er die chirurgische Leitung im Bereich der Allgemein- und Viszeralchirurgie inne, zu der auch die operative Behandlung von Adipositas gehört. „Übergewicht ist ein Riesenproblem in Deutschland, in Brandenburg und auch im Havelland“, so Lenz.

Hilfe bekommen Betroffene im Adipositaszentrum der Havelland Kliniken. Das Behandlungsprogramm ist auf drei Säulen aufgebaut: Zum einen gibt es die Möglichkeit der konservativen Behandlung mit Ernährungsberatung, Verhaltens- und Bewegungstherapie. Dazu kommt die operative Behandlung und als dritte Säule die Selbsthilfegruppe, die sehr stark unterstützen kann, so Lenz. In Nauen, wo in den letzten vier Jahren rund 350 operative Eingriffe zur Behandlung von Übergewicht vorgenommen wurden, gibt es seither auch eine Selbsthilfegruppe, in Rathenow noch nicht.

Auch in Rathenow werden Übergewichtige operiert

Das möchte Norma Ellbogen nun ändern. Sie gehört zu den mittlerweile mehr als 50 Prozent der erwachsenen Deutschen, die an Übergewicht leiden. Und sie ist bereit, ihre Geschichte mit anderen zu teilen, um sich gegenseitig zu helfen, Mut zu machen und Erfahrungen auszutauschen. Nach verschiedensten Diäten und Programmen, die den Geldbeutel aber nicht die Kilos zum Schmelzen brachten, ist Ellbogen kürzlich den Weg der konservativen Therapie gegangen. Vor allem der Ernährungskurs habe ihr geholfen. Um sich mit anderen auszutauschen besuchte sie die Nauener Selbsthilfegruppe. Laut Lenz nutzen viele Patienten die Gruppe als Ergänzung während und nach einer konservativen Therapie oder einem operativen Eingriff.

Kontakte zur Gruppe

Übergewicht beginnt ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 25. Als krankhaft übergewichtig gelten Menschen mit einem BMI von 30 und mehr.

Für Patienten mit einem BMI von 30 bis 35 ist der Hausarzt zuständig. Erst wenn bei einem BMI von 35 Begleiterkrankungen hinzu kommen oder der BMI bei 40 und höher liegt, ist die Behandlung in einer Kliniken vorgesehen.

Wer Kontakt zur Selbsthilfegruppe in Rathenow aufnehmen möchte, wendet sich an das Adipositaszentrum Havelland: 03321/42 12 00.

Seit Anfang des Jahres werden auch in Rathenow Übergewichtige operiert, zehn Eingriffe gab es bisher. Auch die konservative Therapie wird hier angeboten. Um diesen Patienten, aber auch allen anderen, die an Übergewicht leiden, die Möglichkeit zu geben, sich heimatnah mit Leidensgenossen auszutauschen, will Norma Ellbogen nun eine Selbsthilfegruppe in Rathenow gründen. Hilfe bekommt sie dabei von den Havelland Kliniken.

„Wir werden Ihren Wunsch so gut wie möglich unterstützen“, versprach die stellvertretende Verwaltungsdirektorin Monika Rutsch und sicherte unter anderem Räumlichkeiten zu. Stefan Lenz will zu dem beratend zur Seite stehen und Vorträge anbieten. Ansonsten soll die Gruppe ihren eigenen Weg finden. „Wir geben nichts vor“, so Lenz.

Bürokratischen Hürden erschweren den Weg zur Therapie

Er begrüßt die Initiative von Norma Ellbogen, weil viele Betroffene das Gespräch mit einem Arzt scheuen. Sie ziehen es vor, sich zunächst mit Leidensgenossen auszutauschen. Im Fokus stehen häufig Fragen zum Umgang mit der Familie oder dem Partner, die Ärzte nur schwer beantworten können. „Wir sind ein Entwicklungsland im Bereich der Adipositas-Behandlung“, bemerkt Stefan Lenz. Zum einen sei der Weg bis zur Genehmigung einer Behandlung mit vielen bürokratischen Hürden verbunden.

Zum anderen werden im Vergleich zu anderen Ländern in Deutschland nur wenige Operationen durchgeführt, obwohl sie vielen Patienten helfen. „In den Niederlanden zum Beispiel wird genauso häufig operiert wie bei uns, bei einer erheblich geringen Einwohnerzahl“, berichtet Lenz und fügt hinzu: „Bei uns gibt es in diesem Bereich noch viel zu tun.“

Von Christin Schmidt

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