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Überraschung bei Zugtaufe in Spandau

S-Bahn-Chef für Trasse nach Nauen Überraschung bei Zugtaufe in Spandau

Am Sonnabend wurde in Spandau eine S-Bahn auf den Namen „Spandau“ getauft. Überraschend sprach sich S-Bahn-Chef Peter Buchner bei der Zeremonie dafür aus, die S-Bahntrasse bis nach Nauen zu verlängern. Ein lang gehegter Wunsch der Havelländer würde sich damit erfüllen.

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Zur Feier des Tages: Triebwagenführer Klaus Rühmann (l.) zeigte Bürgermeister Helmut Kleebank, wie S-Bahnfahren geht.

Quelle: Hans-Peter Theurich

Spandau. S-Bahn-Fans aus ganz Berlin trafen sich am Bahnhof in Spandau. Sie wollten am Sonnabend die Taufe eines Zuges auf den Namen des Bezirks miterleben. Bei der Zeremonie gab es eine Überraschung: Peter Buchner, Geschäftsführer der S-Bahn GmbH, befürwortete eine Verlängerung der S-Bahntrasse über Spandau bis nach Nauen. Ein langgehegter Wunsch vieler Havelländer würde sich damit erfüllen.

Gegen 15 Uhr, der Himmel hatte sich bedrohlich verfinstert, schritten SPD-Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank und Peter Buchner an die Havel. Gemeinsam mit Läufern der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes schöpften sie Wasser aus dem Fluss. Triebwagenführer Klaus Rühmann hatte inzwischen einen Zug aus der Betriebswerkstatt Friedrichsfelde bis Spandau gefahren.

Weil in Spandau alles ein bisschen anders ist als in Rest-Berlin, wurde die S-Bahn statt mit Sekt mit Havelwasser getauft. Helmut Kleebank und Peter Buchner spritzten es auf den blankpolierten roten Lack. In seiner Rede würdigte Peter Buchner die Erfolge des Unternehmens. Erst 1998 wurde Spandau wieder an das S-Bahnnetz angeschlossen. 20 000 Fahrgäste nutzen täglich die schnelle Verbindung der Linie S5, deren Endbahnhof in Strausberg liegt und eine der längsten der Hauptstadt ist.

Die Worte des S-Bahn-Chefs werden viele Havelländer aufhorchen lassen: „Wir haben die Idee, die S-Bahn bis nach Nauen zu verlängern. Die Linie kann noch weitere Passagiere vertragen“, sagte er und löste damit heftigen Applaus bei den Zuschauern aus. Im Sommer soll die Idee offiziell vorgestellt werden. Die Entscheidung darüber liegt dann bei den Berliner und Brandenburger Politikern.

Auch Helmut Kleebank begeisterte sich für diese Vision: Nicht nur Spandau wächst, auch der Speckgürtel. „Die S-Bahn ist das vernünftigste Verkehrsmittel für das Havelland, damit die Stadt nicht am Verkehrsinfarkt erstickt“, sagte er.

Bei der Taufe in der ersten Reihe

Bei der Taufe in der ersten Reihe: CDU-Bezirkspolitiker Joachim Koza, S-Bahn-Pressesprecher Ingo Priegnitz, S-Bahn-Chef Peter Bucher und Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank.

Quelle: Hans-Peter Theurich

Zahlreiche Schaulustige und S-Bahnfans fotografierten den rotgelben Täufling auf Schienen. Carina Matthes war den weiten Weg aus Hellersdorf gekommen, um die Zeremonie zu erleben. Die 18-jährige fährt jeden Tag drei Stunden mit der S-Bahn zur Schule nach Steglitz und zurück. Ihre Augen begannen zu glänzen, als sie vom „satten Sound der Bahn“ schwärmte.

Ganz tief in die Berliner Verkehrsgeschichte eingearbeitet hat sich Benedict Hendrich, elf Jahre jung und aus Steglitz gekommen. Fachmännisch erklärte er: „Die S-Bahn hat schon viel durchgemacht, da ist etwa der Ost-West-Konflikt gewesen, während der Mauerzeit. Die Bahn begleitet Berlin schon lange als Symbol.“

Und zwar genau seit 91 Jahren. 1924 fuhr die erste S-Bahn nach Bernau. Dort wurde im vergangenen Jahr die Serie der Zugtaufen begonnen. „In Spandau findet heute die sechste Taufe dieser Art statt. Der Name unseres Bezirks wird nun auch mit diesem Verkehrsmittel ins ferne Berlin getragen“, betonte Helmut Kleebank schmunzelnd.

Während der Feierlichkeit prasselte unentwegt Regen auf das gewölbte Bahnhofsdach, Blitze zuckten und Donner krachten als dramatische Klangkulisse. Als Erinnerung an die feuchtfröhliche Zugtaufe kauften sich Fans T-Shirts in S-Bahn-Grün mit dem weißen Aufdruck „Spandau“.

Jungfernfahrt 1924 nach Bernau

Die erste S-Bahn fuhr 1924 vom heutigen Nordbahnhof nach Bernau. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Netz schwer zerstört, 1947 war es wieder so gut wie komplett.

Nach dem Mauerbau 1961 sanken die Fahrgastzahlen in West-Berlin dramatisch: Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt und der Deutsche Gewerkschaftsbund hatten zum Boykott der S-Bahn aufgerufen, als Protest gegen den Mauerbau. Denn die rotgelben Züge wurden auch in West-Berlin von der Reichsbahn betrieben. Mit dem Streik gegen „Ulbrichts S-Bahn“ sollten die D-Mark-Einnahmen der DDR verringert werden.

1984 übernahmen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Regie. Nach dem Mauerfall wurden beide Netze wieder zusammen gelegt. Seit 2002 ist der Kreis der innerstädtischen Ringbahn wieder geschlossen und symbolisiert so das Ende der Teilung Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg. (jum)

Von Judith Meisner

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