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Havelland „Uniformen bestimmten das Bild“
Lokales Havelland „Uniformen bestimmten das Bild“
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07:45 23.08.2014
Wolfgang Wiech vor der ehemaligen Zigarrenfabrik in der Mittelstraße. Im Ersten Weltkrieg waren dort Soldaten untergebracht. Quelle: Konrad Radon

MAZ: Herr Wiech, wie viel ist über Nauen in der Zeit zwischen 1914 und 1918 bekannt?

Wolfgang Wiech: Eigentlich recht wenig. Wir haben zahlreiche Berichte und Publikationen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Aber über Nauen während des Ersten Weltkrieges, der ja damals auch der Große Krieg genannt wurde, gibt es nach meinen Erkenntnissen nicht allzu viele Informationen.

Warum?

Wiech: Das hängt sicherlich damit zusammen, dass sich die Kampfhandlungen fernab der Heimat abgespielt hatten. Und diese Zeit in Nauen wurde einfach nie richtig aufgearbeitet. Ich kenne jedenfalls keine Schrift, die sich damit intensiv befasst.

In der St. Jacobi-Kirche erinnern Tafeln an die Opfer des Krieges, ebenso wie ein Denkmal im Stadtpark an der Hamburger Straße. Wie viele Nauener kamen nicht mehr aus dem Krieg zurück?

Wiech: Die Rede ist immer von 341Toten. Das Denkmal wurde übrigens erst im Jahre 1927 errichtet und am 18.November des Jahres mit einem großen Festakt enthüllt. Vorher hatte offenbar das Geld dafür gefehlt. Die gesammelten 27000 Reichsmark waren in der damaligen Zeit im Zuge der großen Inflation, die bis 1923 dauerte, nichts mehr wert. Geschaffen hat die Skulptur übrigens der in Nauen geborene Bildhauer Ernst Freese. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal auch den Opfern dieses Krieges gewidmet.

Ein Reservelazarett war im damaligen Schützenhaus in der Arco-Straße untergebracht. Heute befindet sich an der Stelle das Restaurant „Ahh und Ohh“. Quelle: Sammlung Wiech

Wie muss man sich Nauen vorstellen zwischen 1914 und 1918?

Wiech: Nauen hatte eine zentrale Funktion. Die Stadt war schließlich Kreisstadt des Kreises Osthavelland, der sich auch bis hinter Fehrbellin und Kremmen hinzog. Selbst Hennigsdorf gehört dazu. Davon zeugen nicht zuletzt die vier Wappen am Kreishaus in der Hamburger Straße. Dieses Gebäude gab es damals noch nicht so wie heute, nur der Westflügel stand bereits seit 1895. Nebenan befand sich aber schon das heutige Rathaus, in dem der damalige Bürgermeister Paul Lang seinen Sitz hatte. Auch die Gaststätte am Kreisverkehr, heute „Toro Negro“ und bis vor kurzem „Volksgarten“, gab es damals bereits unter dem Namen „Hamburger Hof“.

Wie präsent war der Erste Weltkrieg für die Nauener?

Wiech: Auf jeden Fall bestimmten Uniformen das Stadtbild. Ab 1915 war Nauen wieder einmal Garnisonsstadt und Standort für das 2. Ersatzbataillon des Infanterieregiments 24, das zwei Jahre später in Reserveinfanterieregiment 24 umbenannt wurde. Die Soldaten waren in verschiedenen Quartieren untergebracht. Eines davon war die ehemalige Zigarrenfabrik in der Mittelstraße, die jetzt saniert worden ist und in der Wohnungen entstehen. Außerdem war in Nauen das Landwehrschutzkommando stationiert, das den Wachdienst in der Funkstation versah. Mit der 1906 in Betrieb genommenen Anlage konnte man damals schon die halbe Welt erreichen.

Wie wirkte sich der Krieg auf die Nauener aus?

Wiech: Überliefert ist unter anderem, dass viele Nauener an Hunger und an Krankheiten wie Tuberkulose litten. Zudem mussten die Menschen damals Metall sammeln, um den wachsenden Rohstoffbedarf im Land zu decken. Außerdem wurde für die Kriegsopfer, von denen es auch in Nauen viele gab, Geld gesammelt.

Wurden in der Stadt auch Kriegsverletzte behandelt?

Wiech: Ja. Zu diesem Zweck hatte man damals Baracken hinter dem alten Krankenhaus in der Ketziner Straße errichtet – auf der Fläche, wo sich jetzt das neue Krankenhaus befindet. Aber auch das damalige Schützenhaus in der Graf- Arco-Straße, heute das Restaurant „Ahh und Ohh“, diente als Reservelazarett zur Behandlung von Verletzten. Der Festsaal wurde zu diesem Zweck in einen Bettensaal verwandelt, wovon auch Postkarten zeugen. Auf „Behrends Bierhallen“, die sich in der Berliner Straße befanden, wo heute die Firma Reifenhelm sitzt, traf das Gleiche zu.

Rundgänge

Wolfgang Wiech führt seit mehreren Jahren, kostümiert als Nachtwächter, regelmäßig Gäste durch die historische Altstadt von Nauen. Oft haben die Rundgänge bestimmte Themen.
Manchmal dreht sich alles um Straßennamen, dann um frühere Gaststätten oder um vermutete unterirdische Gänge unter der historischen Mitte. Auch anlässlich des Beginns des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren lud er kürzlich zu einem Rundgang ein.
Stadtführungen: immer am ersten Dienstag im Monat. Gruppenführungen sind nach Absprache unter (0151) 50909646 möglich.

Weiß man von bekannten Nauenern, die im Krieg gestorben sind?

Wiech: Wenig. In meiner Sammlung habe ich nur eine Postkarte, die ein so genanntes Nagelbild zeigt, mit dem die Mädchenschule an ihren im Jahre 1917 gefallenen Lehrer Hermann Bliß erinnert. Weil viele Lehrkräfte einberufen wurden zur Armee, gab es damals erheblichen Schulausfall.

Apropos Postkarten. Die meisten, die Sie aus der Zeit mit Nauener Motiven haben, sind beschrieben. Lässt sich aus  Texten, die die Soldaten an ihre Familien schickten, ableiten, wie die Gemütslage war?

Wiech: Nein, das sind meist eher belanglose Dinge, die auf den Feldpostkarten standen, zumindest auf denen, die ich habe. „Mir geht es gut, das Essen ist gut“, ist da zu lesen. Man wollte wohl die Angehörigen nicht beunruhigen.

Was ist sonst noch in Nauen passiert während des Ersten Weltkrieges. Stagnierte die Entwicklung?

Wiech: Das kann man nicht sagen. So wurde beispielsweise ein Jahr nach Kriegsbeginn die Staatsbahnstrecke Nauen-Oranienburg eingeweiht. Zudem ist unter Leitung des Architekten Max Taut 1916 das Realgymnasium, das heutige Goethegymnasium in der Parkstraße, fertiggestellt worden. Und nicht zuletzt entstand in der Zeit auch der Nauener See in der Stadtrandsiedlung. An der Stelle wurde nämlich die Erde entnommen, um den Bahndamm zu errichten und so die Gleise der Hamburger Bahn höherzulegen. Das hatten damals französische Kriegsgefangene gemacht. Bis dahin gab es an der Dammstraße noch einen beschrankten Bahnübergang.

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