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Unsere Museen: Im Zeichen der Birne

Ribbeck im Havelland Unsere Museen: Im Zeichen der Birne

Zu Besuch bei Herrn Ribbeck auf Ribbeck im Havelland: Der märkische Dichter Theodor Fontane hat im Nauener Ortsteil Ribbeck einige Spuren hinterlassen. Kein Wunder, dass im Dorf an der Bundesstraße 5 vieles im Zeichen der Birne steht.

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Ein schönes Haus lädt ein: Das Ribbecker Schloss bietet neben dem Museum eine regionale Gastronomie und sehr oft kulturelle Veranstaltungen.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Ribbeck. Die erste Tür wird geöffnet und am Ende des hellen Flures ist ein großes Porträtbild zu sehen. „Oh, Herr Ribbeck.“ Den freudigen Ausruf von Touristen hört Romana Maaske oft, wenn sie ihre Führungen im Museum des Schlosses Ribbeck, einem Ortsteil von Nauen, beginnt. Es ist aber der Dichter Theodor Fontane (1819-1898), der neben vielen anderen Werken die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ schrieb und in einem Gedicht Herrn Ribbeck und seinen Birnen zu Weltruhm verhalf. Denn diesen Mann gab es wirklich, genauer einen Herrensitz, auf dem bis zum Jahr 1943 die Vorfahren der Familie von Ribbeck wohnten.

Die Ahnentafel, die im Museum studiert werden kann, ist jedenfalls groß, und in der Aufzählung der westhavelländischen Linie taucht Hans-Georg I. auf, der von 1689 bis 1759 hier lebte und wohl jener Berühmte war, dem die Birne mit ins Grab gegeben wurde. Das Gedicht von der Segen spendenden Hand und dem Birnbaum hat übrigens nicht der Dichter Fontane erdacht. Es ist belegt, dass es zwei Urformen gab, und Fontane hat die Zeilen dann sozusagen in die richtige Form gebracht.

Das Museum ist täglich geöffnet

Schloss Ribbeck, Theodor-Fontane-Straße 10, 14641 Nauen, Ortsteil Ribbeck, unter 033237/85900, Email info@schlossribbeck.de

Das Museum ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, außer Heiligabend, Neujahr und bei geschlossenen Veranstaltungen. Das Haus ist behindertengerecht.

Ribbeck liegt direkt an der Bundesstraße 5 zwischen Nauen und Friesack. Ein großer kostenloser Parkplatz ist vorhanden. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Ribbeck mit den Buslinien 661 und 669 verbunden.

Das Schlossrestaurant mit regionaler Küche hat täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet, Samstag von 11 bis 22 Uhr.

Original Fontane ist aber der „Stechlin“, sein letzter Roman. Dieses Buch kann im Museumszimmer, das im Gründerzeitstil eingerichtet ist, auf dem Schreibtisch bestaunt werden. Allerdings erst, wenn das Tuch weggezogen wird, das gewöhnlich darüber liegt. Doch Neugierige gebe es genug und es sei schon so gewollt, bestätigt Romana Maaske. Achtlos gehe so kaum jemand an diesem Schreibtisch mit dem bedeutenden Werk vorbei.

Das Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ allerdings bestimmt den Ort und den Museumsbesuch. Aber das ist nicht, wie zu befürchten wäre, überladen von Birnenmotiven. In schönen Schriftzügen, beginnend im ersten Raum des Museums, begleitet es den Besucher unaufdringlich.

Der neue Birnbaum an der Kirche wächst und gedeiht

Der neue Birnbaum an der Kirche wächst und gedeiht.

Quelle: Christel Köster

Das gesamte Schloss ist einladend in seiner schlichten Eleganz. Schon am Eingang mit stilvoller Dekoration passend zur Jahreszeit. Es ist im gesamten Haus nicht zu übersehen, wie eine hauseigene Floristin hier Geschick beweist. Im Blauen Salon im oberen Stockwerk, wo Tagungen und Familienfeiern stattfinden können, genauso wie im Eingangsbereich des Restaurants oder im Trauzimmer, einer Außenstelle des Standesamtes Nauen.

Seit 2009 ist das Schloss Ribbeck wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Dort, wo ursprünglich das „Doppeldachhaus“ der von Ribbecks stand. Im Museum ist ein Modell davon zu betrachten. Jahrzehntelang wurde das Schloss als Altersheim genutzt, bis zum Jahr 2003. Ein Wandrelief mit einmaliger Putzkratztechnik zeugt von der Geschichte.

Der Rest des historischen Birnbaums

Der Rest des historischen Birnbaums.

Quelle: Christel Köster

Allerdings scheiterte der Versuch des Landkreises Havelland, das Schloss in private Trägerschaft zurückzuführen, denn baulich gab es viel zu tun. Es fand sich kein Investor. Um den endgültigen Verfall abzuwenden, entschieden die Mitglieder des Kreistages im November 2005, das Schloss mit öffentlichen Mitteln zu sanieren. Es wurde als touristisches Zentrum entwickelt.

Hört man den Ausführungen von Romana Maaske aufmerksam zu und lässt sich von ihrer Begeisterung für die zahlreichen kulturellen Aktivitäten im Hause anstecken, kommt man zu dem Schluss: Es war ein gut durchdachtes Konzept. Nicht nur die Konzertreihen, zu denen auch viele Besucher aus Berlin kommen, sind gut besucht. Viel wird auch für Schulklassen angeboten. So stand der diesjährige Kreativwettbewerb, vom Landkreis Havelland ausgerufen, im Zeichen der Reformation. Warum nicht mal zur Abwechslung ein Apfelbaum in den Ausstellungsräumen. Ausgehend von dem Luther zugeschriebenen Zitat: „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich doch heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Und ins Gästebuch schrieb eine Berliner Schulklasse: „Vielen Dank für den tollen, picknickhaften Museumsbesuch“.

Märchenzeit im Advent

Ein besonderes Programm bietet das Schloss an den Adventswochenenden: „Das Märchenhafte Ribbeck“. Eingeläutet wird das Event am 2. Dezember um 16.30 Uhr auf dem Dorfanger an der Kirche. Bereits um 15 Uhr ist Puppentheater in der „Alten Schule“ angesagt.

Höhepunkt ist am Sonntag, 17. Dezember um 16 Uhr im großen Saal des Schlosses der Prinzessinnenball.

Weitere Veranstaltungen und Kartenbestellung im Internet unter www.schlossribbeck.de

In der Vorweihnachtszeit gibt es dann auch wieder das „Märchenhafte Ribbeck“. Romana Maaske hat es besonders der Prinzessinnenball angetan. Sie schwärmt, wie gern die kleinen Mädchen aus der Umgebung diesen aufregenden, wunderschönen Ball annehmen, sich schon lange vorher darauf vorbereiten, die passenden Kleider und Schuhe auswählen, um dann aufgeregt auf den ersten Tanz zu warten. Wie im Märchen. Und alle machen mit bei der Organisation, die Schule, die umliegenden Lokalitäten wie „Waschhaus“ und „Alte Schule“.

Der goldene Herbst 2017 ist also endgültig vorbei, die Früchte im Havelland sind geerntet. Bei so manchem ist noch die süße, saftige Erinnerung an das traditionelle Birnenfest im September wach. 500 Kilo wurden in der alten Presse zu köstlichem Birnensaft verarbeitet.

In der Bücherecke gibt es viel über Birnen

In der Bücherecke gibt es viel über Birnen.

Quelle: Brigitte Einbrodt

Die Birnen sind nun mal die Früchte, die das Geschehen bestimmen. Und rund um das Schloss erinnert alles in Ribbeck an diese historische Geschichte. In der Kirche hat der originale Baumstumpf seinen würdevollen Platz gefunden, der Baum fiel 1911 einem Sturm zum Opfer. Vor der Kirche ist der im Jahr 2000 neu gepflanzte Nachfolger gut angewachsen. „Er gedeiht prächtig“, freut sich Romana Maaske. Es ist die alte Sorte mit dem Namen „Römische Blut- oder Schmalzbirne“.

Im „Deutschen Birnengarten“ am Schloss (es gibt auch noch einen zweiten in Ribbeck) findet der Liebhaber dieser Früchte noch viele andere Arten. 16 Bäume mit unterschiedlichen Sorten gibt es hier, entstanden ist der Garten im Jahr 2009, jedes Bundesland hat ein Exemplar gestiftet. Der Spaten, mit dem Matthias Platzeck, damals Ministerpräsident, für Brandenburg das Bäumchen pflanzte, ist übrigens im Museum ausgestellt. Blitzblank steht das Arbeitsgerät dort und „Claps Liebling“ wartet auf die Verkostung im kommenden Herbst. Eine typisch Brandenburger Birnensorte soll das sein. Das Museum selbst wird im kommenden Jahr umgebaut. Schließlich ist 2019 vielbeachtetes Fontane-Jahr.

Als Romana Maaske sich bewarb, im Schloss und Museum Ribbeck die Arbeit aufzunehmen, hatte sie neben ihrem Wissen noch ein gutes Argument: ihren Geburtstag am 30. Dezember. Wie Dichter Theodor Fontane.

Von Brigitte Einbrodt

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