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Unterhaltsame Modenschau in Paretz

240. Geburtstag von Königin Luise Unterhaltsame Modenschau in Paretz

„Luise und ihre Mode um 1800“ hieß ein Abend in Paretz, der der preußischen Königin Luise gewidmet war. Diese wäre am 10. März 240 Jahre alt geworden. Etwa 100 Zuschauer verfolgten aus diesem Anlass eine unterhaltsame Modenschau.

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Luise – noch im Bett – mit ihren Hofdamen.

Quelle: Foto: Wolfgang Balzer

Paretz. Königin Luise (Isabell Wille) räkelt sich genüsslich im Bett. Es ist schon neun Uhr, wie ihr von der Hofdame Dorothea von Viereck ( Jaqueline Wille) in leicht mahnendem Tonfall erklärt wird und die ersten Gäste würden bereits auch schon am Hofe warten. Womit am Donnerstagabend die unterhaltsame Modenschau „Luise und ihre Mode um 1800“ ihren Verlauf nahm.

Es war der 240. Geburtstag von Königin Luise und damit für den Verein Historisches Paretz der Anlass, gemeinsam mit der Stiftung Paretz und der Schlösserstiftung diesen ebenso amüsanten wie – die Mode dieser Zeit betreffend – historisch interessanten Abend zu gestalten. Schließlich wurde zu dieser Zeit auf die üppigen Formen des Rokoko verzichtet. Nach der französischen Revolution, so erfuhren die gut 100 Zuschauer, habe die Mode einen dramatischen Wandel erlebt. Es waren leichte, fast durchsichtige Kleider gefragt. Sie sollten den weiblichen Körper nicht formen, sondern leicht drapiert eher umspielen, so der Hinweis bei den spielerischen Aktionen der Akteure auf Bühne und Laufsteg. Mit den überwiegend selbst geschneiderten Kleidern wurde das bei der morgendlichen Teestunde des Königspaares mit Hofdamen und –gästen und zu späterer Stunde auch bei den höfischen Tänzen dieser Zeit anschaulich und auch schauspielerisch amüsant den Geburtstagsgästen nahe gebracht. Dabei wurde das geehrte Publikum keinesfalls ausgeklammert. Es durfte sich in höfischer Gestik und Verbeugung zur morgendlichen Begrüßung König Friedrich Wilhelms III. (Jörg Schulz) üben. Und angesichts der leichten Kleidung Luises wurde das Publikum aufgeklärt, dass diese Negligé-Kleidung keinesfalls Nachtgewänder seien. Entsprechend der Bedeutung des Begriffes Negligé als „nachlässiges Kleid“ handelte es sich zu Luises Zeiten um ein inoffizielles Tageskleid. Es symbolisierte die unterste Stufe der offiziellen Bekleidung, im Gegensatz zur Staatsgala als oberster Stufe.

Aber auch andere Einflüsse bestimmten die Mode um 1800, wie Stefan Schimmel vom Vorstand des Vereins Historisches Paretz und Sigrid Gerlitz, Textilrestauratorin bei der Schlösserstiftung, in ihren Kurzvorträgen anschaulich nachwiesen. Das waren die besonders die vorderasiatischen Einflüsse wie unter anderem die Farbenpracht, die Düfte und auch die Mode, die bis heute faszinieren, wie Stefan Schimmel meinte. Die Schals aus Kaschmir waren damals wie heute Inbegriff des Luxus. Auch wenn sie sündhaft teuer gewesen wären, hätten sie besonders gut zu den schlichten weichen Kleidern gepasst. So florierte die Schalindustrie in Kaschmir. Diese Schals waren rar und teuer und konnten deshalb nur von den Eliten getragen werden. So gehörten beispielsweise 17 Kaschmirtücher zu dem Hochzeitsgeschenk, das Napoleon seiner zweiten Frau Marie-Luise überreichte. Im Nachlass von Königin Luise sind neun derartig wertwolle Schals verzeichnet. Ihr Gatte Friedrich Wilhelm III. benutzte solche Kaschmirschals gern als Geschenke für bedeutende Persönlichkeiten.

Das syrische Aleppo war bereits im 18. Jahrhundert multikulturelle Modemetropole, wie Mohamad Muarrawii in seinem passend und gemeinsam mit Architektin Susanne Weber erarbeiteten Vortrag mit historischen Fotos nachwies. In der Metropolenregion der Welt-Kulturerbe-Stadt lebten bis zum Krieg sechs bis sieben Millionen Einwohner. Hier designte Murrawii mit Computerprogrammen syrische Mode und wurde später Geschäftsführer des Unternehmens. Im Sommer 2015 musste er das Land mit seiner Frau und zwei Kindern verlassen. Sein Haus und fast alle historischen Gebäude sind nur noch Trümmerhaufen, wie er auf seinen sehr nachdenklich stimmenden Fotos zeigte. Derzeitig lebt er mit der Familie als Asylsuchender in Ketzin/Havel. Geblieben sind ihm einige wenige Handy-Fotos seines modischen Schaffens in Aleppo. Bedacht wurden sie an diesem eigentlich der historischen Mode gewidmeten Abend mit Anerkennung und Beifall.

Von Wolfgang Balzer

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