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Unternehmer beklagen fehlende Fachkräfte

Havelland Unternehmer beklagen fehlende Fachkräfte

Die Wirtschaft im Havelland ist auf einem guten Kurs. Es gebe kaum noch freie Flächen für Gewerbeansiedlungen und eine geringe Arbeitslosenquote. Beim „Wirtschaftsdialog Havelland“ im Schloss Ribbeck unterstrich Landrat Roger Lewandowski die positive Entwicklung auch im Westteil des Kreises. Aber es fehlen Fachkräfte und Azubis.

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Verkehrsbroschüre: Rathenower werden belehrt

Bei der Trafö-GmbH in Wustermark werden Gabelstapler repariert, gewartet und verkauft.

Quelle: Privat

Ribbeck. Volle Gewerbegebiete, kaum noch frei Flächen für Firmen-Neuansiedlungen, eine geringe Arbeitslosenquote von 6,8 Prozent, eine stetig steigende Einwohnerzahl im Landkreis (sogar Städte wie Premnitz und Rathenow verzeichnen geringe Zuwächse) sowie ein wachsender Tourismus im Havelland. All diese Fakten lassen Landrat Roger Lewandowski (CDU) zu der Erkenntnis kommen: „Alle Zeichen stehen auf positiv“.

Beim von der Industrie- und Handelskammer Potsdam initiierten „Wirtschaftsdialog Havelland“ am Donnerstagabend im Schloss Ribbeck waren Unternehmer aus dem östlichen und westlichen Havelland zusammengekommen, um mit Vertretern des Kreisverwaltung und der IHK über Erfolge, neue Investitionen, aber auch Sorgen zu reden.

Schnell kristallisierte sich die Gewinnung von Fachkräften und Auszubildenden als größtes Problem im Havelland heraus. So berichtete Volkmar Henning, Geschäftsführer der im Güterverkehrszentrum Wustermark angesiedelten Trafö GmbH: „Wir bekommen aus zwei Gründen kaum junge Leute: Zum einen wird der Beruf eines Servicemechanikers für Gabelstapler gar nicht ausgebildet. Das heißt, wir müssen das zum Teil selbst machen.“ Zum anderen sei die Anbindung des GVZ Wustermark an den Öffentlichen Personennahverkehr verbesserungswürdig. Wer kein Auto oder Motorrad hat, erreiche das Firmengelände kaum.

In die gleiche Kerbe schlug Martina Scheider, Betriebsleiterin der Milcafea GmbH aus Rathenow, wo hochwertige lösliche Kaffee- Kakao und Teegetränke produziert werden: „Wir wollen seit Längerem zwei Lehrlinge ausbilden, finden aber keine. Das liegt unter anderem daran, dass die jungen Leute, die nicht mobil sind und außerhalb von Rathenow wohnen, mit dem Bus nicht morgens um 6 Uhr in der Firma sein können.“ Auch für Schüler, die ein Praktikum machen wollen, sei die Anbindung schlecht.

Landrat Roger Lewandowski kennt diese Schwierigkeiten, nicht zuletzt aus dem Güterverkehrszentren Wustermark und Brieselang, wo der Landkreis Havelland bereits bestimmte Busverkehre verstärkt, um unter anderem Mitarbeiter von Zalando und Amazon direkt an ihren Arbeitsort zu bringen. Mobilität sei ein wichtiger Faktor, aber man könne nicht einen Extrabus für zwei Leute fahren lassen.

„Um Fachkräfte und Azubis für die Region zu sichern, wird der Landkreis Bildung und Ausbildung so gut es geht unterstützen, die Lebensqualität in havelländischen Städten und Gemeinden gemeinsam mit den Kommunen verbessern und eine bestmögliche Anbindung vom Wohnstandort zu Industrie- und Gewerbegebieten über den ÖPNV gewährleisten.“ Gleichzeitig, so der Landrat weiter, seien die Unternehmen gefragt, indem sie das Lohn-und Gehaltsgefüge im Havelland anpassen und im Sinne der Arbeitnehmer verbessern.

Faktoren des Aufschwungs

Zu den größten Arbeitgebern im Havelland gehören auch Unternehmen mit Beteiligung der öffentlichen Hand.

In der Havelland-Kliniken Unternehmensgruppe sind derzeit etwa 1750 Menschen beschäftigt.

Dazu zählen unter anderen auch die Havelbus-Verkehrsgesellschaft und die Verwaltungen und Landesbehörden wie das Finanzamt.

Der stabilste Sektor in unserer Region, so der Landrat, ist das havelländische Handwerk.

Außerdem arbeiten in den landwirtschaftlichen Betrieben im Kreis fast 2000 Menschen.

Als ein positives Beispiel dafür, wie die Verwaltung auf die Bedürfnisse der Wirtschaft reagiert hat, nannte Lewandowski die Einführung einer Logistik-Ausbildungsklasse am Oberstufenzentrum Havelland in Nauen. „Das funktioniert inzwischen so gut, dass wir eine zweite Klasse aufmachen können.“

Das Havelland sei auch deshalb auf einem guten Weg, weil viele Unternehmer heute noch den „Mut zu Investitionen“ hätten. Neben den bereits genannten Firmen erwähnte der Landrat das Engagement der Fielmann AG in Rathenow, der Bäckerei Thonke aus Rathenow, die mittlerweile mehr als 400 Mitarbeiter habe, der Drogeriekette dm in Wustermark, von Karls Tourismus GmbH, die in Elstal auf dem Areal der alten Löwenkasernen einen Freizeitpark errichten will, oder der Havelländische Zink-Druckguss GmbH in Premnitz. Wie deren geschäftsführender Gesellschafter Petar Marovic informierte, habe man gerade ein neues Grundstück erworben, um den jetzigen Standort mit einer modernen Produktionshalle zu erweitern.

Torsten Stehr von IHK Potsdam wies die Unternehmensvertreter auf die Ende 2017 beginnende Absenkung der EU-Fördersätze für Brandenburg um 5 Prozent hin. „Wenn Sie also noch etwas in ihrer Firma vorhaben, dann jetzt.“ Er erinnerte außerdem an die Thematik der Nachfolgeregelung. „In 1500 Betrieben im Landkreis Havelland sind die Inhaber oder Geschäftsführer älter als 60 Jahre.“ Es bestehe dringender Handlungsbedarf, damit die Firmen nicht eines Tages aufgelöst werden müssen. „Für alle damit zusammenhängen Fragen steht die IHK zur Verfügung“, so Torsten Stehr.

Von Jens Wegener

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